Full text: 63.1935 (0063)

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Schlettstadt. Harmonisch fügt sich die moderne > 
Neustadt in das uralte, winklige Städtchen ein. 
in dem noch die Erinnerung rege ist, an die 900 
Studenten, die es damals beherbergte, als Schlett- 
stadt's Universität noch die glänzende Heimstätte 
des Humanismus war. Von seinen drei Toren 
steht nur noch eines, das Straßburger Tor, ein in 
Stein gehauenes Andenken an den Heldenmut, den 
Schlettstadt's Verteidiger im Jahre 1814 zeigten. 
Noch heute liest man auf dem Torbogen' die 
stolzen Worte: „Nie werde ich dem Feind des 
Vaterlands die mir anvertraute Festung ausliefern, 
solange auch nur ein Stein auf dem anderen steht". 
Das war die Antwort, die der Festungskommandant 
Schweisguth dem Vayerngeneral Pappenheim gab, 
als dieser ihn aufforderte, die Waffen zu strecken. 
Schon von Schlettstadt aus sieht man droben auf 
auf einem hohen Bergrücken die mächtige Hohkönigs- 
burg liegen. Und sie scheint uns geradezu zu 
verfolgen, auf unserem Wege nach 
Weiler. In weiten Kurven geht es 
bergan und unaufhörlich fesselt sie 
unsere Blicke. Bald möchte man sie 
für ein finster dräuendes, vor¬ 
sintflutliches Ungeheuer halten, bald 
bildet nur der Bergfried mit der 
Kuppe einen spitzen Kegel, fast als 
wäre es ein riesiger, brauner Zucker¬ 
hut. 
Alljährlich im Mai pflegte der 
deutsche Kaiser einige Tage im 
Elsaß zu verbringen und nie ver¬ 
säumte er, regelmäßig hinaufzu¬ 
steigen zur Hohkönigsburg, wobei er 
sich geradezu gewissenhaft an 
die mittelalterlichen Gebräuche 
hielt. Auf dem Bergfried mußte 
der Vurgwächter beim Nahen der 
hohen Gäste ins Horn stoßen und 
dadurch, wie früher, den Vurgkom- 
mandanten wecken. Das schwere 
Tor wurde erst geöffnet, nachdem 
die Gäste dem Burgkommandanien 
Rede und Antwort gestanden hatten. 
Wer diesem mittelalterlichen Ritter¬ 
spiele einmal beiwohnen durfte, 
glaubte sich in die Zeit der Hohen¬ 
staufen zurückversetzt. Es war, als 
wenn hier die Zeit stehen geblieben 
wäre. 
Aber während unsere Gedanken 
so weitab in die Ferne schweifen, 
eilt der Wagen pustend hinauf zum 
Hohwaldsattel. Ein wunderbares 
Panorama bannt unsere Blicke, die 
weit hinein schweifen ins blühende 
Land, das da vor uns liegt im 
satten Grün der Waldtäler, im 
lauschigen Schatten der laubwald¬ 
bestandenen Hügel und im ernsten 
Dunkel der tannenumfriedeten 
Höhen. Langsam, unmerklich fast 
senkt sich der Weg hinab zum Hoh- 
wald, zur Wiege der elsässischen 
Hotelindustrie. Tannenwälder, wo¬ 
hin das Auge sieht. Sie decken die 
Hänge und ragen auf den Gipfeln. 
Der Hohwald ist das Königreich der Tanne. An allen 
Kreuzungen laden kleine Schilder zum Besuch der zahl¬ 
reichen Forsthäuser ein, in denen der müde Wanderer 
bei einem schäumenden Glas Bier oder hinter einer 
würzig duftenden Tasse Kaffee sich von den un¬ 
gewohnten, aber umso herrlicheren Eindrücken er¬ 
holen kann. Wo heute prächtige Hotels und ge¬ 
pflegte Villen den Ruf des Hohwalds als Luft¬ 
kurort rechtfertigen, erhob sich vor etwa 50 Jahren 
nichts als Wald, Tannenwald, soweit das Auge 
reichte. Und seltsam, einem Mord verdankt eigent¬ 
lich der Ort Hohwald sein Bestehen. Die Witwe 
eines Försters, deren Mann von Wilderern nieder¬ 
geschossen worden war, kam auf den Gedanken, ein 
Hotel dort zu errichten, dessen guter Ruf bald zahl¬ 
reiche Touristen anzog. Nach und nach erstanden 
weitere Hotels, Villen und Landhäuser. 
Im Jahre 1882 weilte Anatole France, einer der 
bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs der letzten 
Kirche in Mölsheim <Lhor). (L'0llns1rotion, daris.)
	        

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