Full text: 63.1935 (0063)

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„Welch ein herrlicher Garten", rief einst König 
Ludwig XIV. bewundernd aus, als er von der Höhe 
der berühmten „Zaberner Steige" vor sich das Elsaß 
im farbenfrohen Schmuck seiner Gärten, Weinberge 
und Wälder daliegen sah. 
Aber längst liegt Zabern hinter uns. Straßburg. 
die wunderschöne Stadt, gleitet an unseren Augen 
traumhaft vorbei und vor uns dehnt sich, ein breites, 
weißes Band, die Straße nach Schlettstadt. Zwischen 
Rhein und Vogesen erstreckt sich hier, leuchtend und 
sattgrün, eine der fruchtbarsten Ebenen der Erde. 
Dunkelgrüne Tabaksstauden wechseln ab mit gold¬ 
schimmernden Ährenfeldern und dazwischen spinnen 
Hopfenstangen ihre rankenden Netze. Kirschen- und 
Apfelbäume umsäumen die Straße und fast in jedem 
Feld steht schirmend ein ragender Nußbaum. Hier 
bietet sich das sonnige Elsaß unseren Augen in seiner 
prächtigsten Schönheit dar. Unendlich vielseitig ist 
es, das sagenumwobene Elsaßland. Aus tausend 
Kontrasten entstand hier ein 
märchenhaft schöner Erdenfleck. 
Weiß schimmernde, zwischen duf¬ 
tigen Hecken und hellgrünen 
Wiesen gebettete Dörfer gleiten 
an uns vorüber. Da träumt 
Bischofsheim in einem Wald von 
Kirschbäumen. Von hier kommt 
der gute Elsäßer „Kirsch", den 
man solange als „Schwarzwälder 
Kirsch" überall pries. Aber schon 
grüßen ganz -aus der Nähe die 
Vogesen. Sonnentrunkene, grüne 
Weinberge umspannen die brei¬ 
ten, niederen, dem Gebirge vor¬ 
gelagerten Hügel und zeichnen 
sich scharf von den tannendunk¬ 
len, mit stolzen Burgen gekrön¬ 
ten Höhen ab. 
Oberehnheim schmiegt sich 
lässig im Tale an seinen reben¬ 
bestandenen „Nationalberg". An¬ 
heimelnde alte Patrizier-Häuser 
erinnern an das jahrhundert¬ 
alte Bestehen. Auf dem „Platz" 
die festgefügte, trotzige Frucht¬ 
halle mit dem Storchennest, der 
fast tausendjährige Kappelturm, 
dessen hauchdünne Spitze spie¬ 
lerisch zum Himmel strebt, und 
das harmonisch sich einfügende, 
alte Rathaus, legen beredtes 
Zeugnis ab von Oberehnheims 
ruhmreicher Vergangenheit. 
Heute ein kleines romantisches 
Landstädtchen, soll Oberehnheim 
in altersgrauer Vorzeit die Resi¬ 
denzstadt des finsteren Herzogs 
Attich, Vater der heiligen Odilie, 
gewesen sein. Nach der Legende 
hätte also die Wiege dieser Schutzheiligen des 
Elsasses in Oberehnheim gestanden. 
Mit besonderem Stolz erzählen die Oberehnheimer 
von dem wunderbaren Fest der Kardinäle und 
Bischöfe Frankreichs, das vor einigen Jahren in 
Oberehnheim mit großem Prunk gefeiert wurde. 
Gelegentlich dieses Festes wurde das Herz des 
hochwürd. Bischofs Freppel, eines Oberehnheimer 
Kindes, in der dortigen Pfarrkirche feierlich bei¬ 
gesetzt. 
Aber nicht weniger Stolz sind auch die Oüerehn- 
heimer auf ihren Wein. Die mächtigen Stra߬ 
burger Bischöfe pflanzten auf den benachbarten 
Ottrotter Höhen einen Rotwein, der das Herz aller 
Weinkenner damals schon erfreute. Und in den 
Felsenkellern ihres Schlosses Hohbarr lagerten jahr¬ 
aus, jahrein einige Fässer dieses kostbaren Tröpf¬ 
chens, das in den damaligen Zeiten schon die gute« 
Laune erhöhte. 
fr ■ * 
Reiseweg 
Landstraßen 
Eisenbahn 
Reise-Karle. 
(C’<3llu[tratiou, Paris.)
	        

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