Full text: 61.1933 (0061)

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durch seinen Glauben an die soziale Gerechtig¬ 
keit der Spiritus rector war jener methodischen 
Evolution in der Arbeitsgesetzgebung, die ein 
Merkstein des beginnenden 20. Jahrhunderts 
in Frankreich darstellt; er schilderte ihn in 
seiner Tätigkeit als Unterhändler bei den 
ersten Arbeitsvertrügen und bei den ersten 
diesbezüglichen internationalen Vereinbarun¬ 
gen, wie auch als den bedeutenden Verfasser 
des Xlll. Abschnittes des Friedensvertrages, 
durch den die „Internationale Organisation der 
Arbeit" geschaffen wurde; er zeichnete seine 
Tätigkeit als Präsident der verschiedenen Ver- 
waltungsräte: des der französischen Staats¬ 
bahnen, des der Saargruben und des der au¬ 
tonomen Pensionskasse der französischen Berg¬ 
leute, welch allen er durch seine außergewöhn¬ 
lichen Vorzüge den Stempel seiner Persönlich¬ 
keit aufdrückte. 
Herr O e r st e d , der Vizepräsident des Ver¬ 
waltungsrats des Internationalen Arbeits¬ 
amts, wies in seiner Gedächtnisrede besonders 
auf die Verdienste des Toten um dieses Amt 
hin. Er sprach von Arthur Fontaine als dem 
hochgeschätzten Präsidenten dieser Organisation, 
dessen Wort stets aufmerksame Hörer fand, den 
seine Mitarbeiter, gleichgültig, ob es sich um 
Regierungs-, Arbeitgeber- oder Arbeitnehmer¬ 
vertreter handelte, einstimmig immer wieder 
in den verflossenen 12 Jahren zu dieser Würde 
wiedergewählt haben. Er rühmte seinen Takt 
und seine Courtoisie, die Vornehmheit seiner 
Gesinnung und sein unerschütterliches Ver¬ 
trauen in den endlichen Sieg der sozialen Ge¬ 
rechtigkeit. 
Herr Albert Thomas, der Direktor des 
Internationalen Arbeitsamts (dessen jähen 
Tod wir heute ebenfalls beklagen müssen!) rief, 
voll tiefer Wehmut erfüllt, den Versammelten 
die so gewinnende Persönlichkeit Arthur Fon¬ 
taines ins Gedächtnis zurück. Er erinnerte 
daran, wie der Verblichene in Frankreich, dank 
seiner Geistesgaben und seiner edlen Seele, eine 
jener seltenen Erscheinungen unserer Gesellschaft 
verkörpert habe: die eines Mannes, der nicht 
bloß ein „hoher Beamter" war, sondern in 
Wahrheit ein „Beauftragter des Volkes", das 
rhn betraut hatte mit der Verteidigung seiner 
wirtschaftlichen Interessen, mit der Führung 
seiner Unternehmungen, ihm Vollmacht gegeben 
zu selbständiger Entscheidung in freier Ver¬ 
antwortung gleich einem modernen Wirt- 
schaftsführer. — Hauptgesichtspunkt der Rede 
des Herrn Thomas aber war dabei, ins rechte 
Licht zu stellen die bedeutsame Rolle, die Arthur 
Fontaine bei jenem großen Werk spielte, das 
sein Leben beherrschte, für das er sich mit allen 
Fasern seines Seins einsetzte, und das seinen 
Namen in die Tafeln der Geschichte einmeißeln 
sollte: das große Werk der „Internationalen 
Organisation der Arbeit". Herr Thomas legte 
dar, wie nach Owen und Le Grand, und wahr¬ 
haftig mehr noch wie diese seine Vorläufer, 
Arthur Fontaine der Schöpfer der internatio¬ 
nalen sozialen Gesetzgebung gewesen ist. 
Dann kam in Herrn Paul Valery, Mitglied 
der ^.caciemie Française, der Kreis der persön¬ 
lichen Freunde zu Wort. Der Redner grüßte 
in dem Gedächtnis Arthur Fontaines einen 
jener seltenen Geister, in denen unsere gesamte 
Zivilisation, unsere Wissenschaft und unsere 
Technik, unsere Ahnungen und unsere Schöp¬ 
fungen, unser Wille, der schwankt Zwischen dem 
Guten und Bösen der Vergangenheit und den 
Versprechungen und Drohungen der Zukunft — 
ihr getreues Spiegelbild finden. 
Gebet der Bergknappen. 
Du, Heiliger Herr, der die Berge gemalt, 
Daß unser LÄliiHen gelingen! 
B)ir roollen deine verborgene P)ra>Ht 
Ä.us der Tiefe zu Tage bringen. 
BesiPütz uns auf unsrer gefäHrliGen Bahn! 
B)ir Habens zu deiner Ehre getan. Lkeodor Körner.
	        

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