Full text: 60.1932 (0060)

73 
Die Brücke zwischen Saarbrücken-Vurbach und Gersweiler. 
Saravi" nichts anderes wie die lateinische Über¬ 
setzung des fränkischen Namens der späteren könig¬ 
lichen Domäne. — Jener Ort aber, der bei den 
Römern schon als „Pons Saravi" bezeichnet wurde, 
war in Wirklichkeit kein anderer wie das heutige 
Saarburg in Lothringen, das sich übrigens auch 
später einmal zeitweise „Saarbrück" nannte. 
Die fränkischen Gaugrafen nun, die jedenfalls 
zunächst noch auf dem erwähnten königlichen Hof¬ 
gut gesessen hatten, die aber im Laufe der Zeit, 
wie diese Grafen überall im damaligen Reich, aus 
ursprünglichen königlichen Beamten zu mehr oder 
weniger unmittelbaren Landesherren geworden, die 
fanden es dann an der Zeit, ihrer Herrschaft einen 
festen Stützpunkt zu geben, sich eine Burg zu bauen. 
Das alte Kastell an der Brücke bestand ja nicht 
mehr, wäre auch wohl nicht mehr in Betracht ge¬ 
kommen, da ja jetzt nicht mehr ein festes Soldaten¬ 
lager, sondern vielmehr ein Herrensitz gewünscht 
wurde. So suchten die Grafen denn einen für den 
damaligen Stand der Kriegstechnik möglichst gün¬ 
stigen Punkt und fanden ihn dann auf dem schroff 
abfallenden Hügel auf der anderen Saarseile, an 
der Stelle des heutigen Schlosses, wo sie sich ihre 
Burg erbauten. Diese Burg, die später mehr und 
mehr schlotzartig aus- und umgebaut wurde, und 
endlich, als dem Zeitgeschmack nicht mehr ent¬ 
sprechend und auch wohl zu klein, unter dem 
Fürsten Wilhelm Heinrich (Mitte des 18. Jahr¬ 
hunderts) niedergerissen wurde, um Stengels 
prächtigem Barockbau Platz zu machen, übernahm 
den Namen „Saarbrück" von dem alten Hofgut; 
und späterhin wurde mit diesem Namen dann 
die neue Ortschaft, die sich nach und nach im 
Schutze der Burg gebildet, bezeichnet. Die Burg 
selbst wurde im 10. Jahrhundert durch königliche 
Schenkung*) dem Bischof in Metz, der gleichzeitig 
*) Durch Otto den Großen, bestätigt durch Otto III. 
Herr von St. Arnual *) war, übertragen, woraus 
späterhin die Ansprüche des Bischofs und seiner 
Rechtsnachfolger auf die Lehenshoheit resul¬ 
tierten. **) 
Der Name der Stadt blieb zunächst „S a a r - 
b r ü ck". So nannte sich auch offiziell das Fürsten¬ 
haus „Nassau-Saarbrück" und diese Form blieb auch 
bis nach 1815 noch im Gebrauch. Daraus erklärt 
sich auch ohne weiteres die französische Form des 
Stadtnamens „Sarrebruck", die also keine Über¬ 
setzung. sondern nur eine Übernahme ist. — Später¬ 
hin kam man dann zu der heutigen Form Saar¬ 
brücken. Wer aber nun glaubt, daß die neue Form 
damit etwas zu tun habe, daß die Saarstadt nach¬ 
her zu der einen noch mehr Brücken erhalten hat 
(wie das analog 'im Namen „Zweibrücken" der Fall 
ist), irrt sich. In Wahrheit ist nämlich die Endung 
„en" nichts anderes als eine alte Dativendung. 
Das Mittelhochdeutsche gebraucht diese Endung „en" 
bei gleichartigen Worten allgemein; man sagte 
z. B. „Das Schloß an der Saarbrücken", wir 
gehen an die Saarbrück e n usw., wie man z. B. 
sagte, „an der Ecken", „an der Seiten", usw.; wie 
es denn auch folgerichtig hieß in dem Spruch, der 
an der alten Brücke eingemeißelt war . . . „ward 
angefangen zu bauen an dies e r Brück e n", woraus 
sich klar ergibt, daß es sich in all' diesen Fällen um 
Den Singular handelt. ***) 
*) 5t. Arnual galt als jroeiter 5itz des Bischofs. 
**) Saarbrücken ist also als Ort erst im Mittelalter entstanden und somit be¬ 
deutend junger wie 5t. Arnual, das auf einen fränkischen Königshof 
namens „Merkingen" zurückgeht, welchen der hl. Arnual, damals 
Bischof von Wetz, gegen 600 als königliches Geschenk erhielt, um dort 
das Stift zu gründen, das späterhin nach seinem Aamen benannt wurde. 
Saarbrücken ist auch noch jünger wie St. Johann, das immerhin in die 
keltische ¿eit hinaufreicht, während an der heutigen Stätte Saarbrückens 
weder zur gallischen noch zur römischen noch auch zur fränkischen Zeit 
sich irgend eine Ansiedlung befand. 
"*) Erhalten geblieben sind diese Formen in Zusammensetzungen wie Brücken¬ 
pfeiler, Brückenhaus, Eckensteher, Seitengewehr usw.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.