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Den schimmernden Kelch mit des Heilands Blut 
In der hoch erhobenen Linken, 
Siehst, Häuer, du mit seligem Mut 
Sankt Barbara dir winken! 
Sie weift dir in der letzten Not 
Zum Himmel sichere Pfade: — 
Hell strahlt ein Stern in deinen Tod, 
Der Stern der göttlichen Gnade! 
Wie hier St. Barbara als Trösterin in letzter 
Stunde, so erscheint sie allgemein als die Patronin 
der Bergleute, und am 
4. Dezember pflegen all¬ 
gemein die Knappenver¬ 
eine durch gemeinsamen 
Kirchgang usw. den Ge¬ 
dächtnistag der Heiligen 
in feierlicher Weise zu be¬ 
gehen. So ist es ins¬ 
besondere auch bei uns an 
der Saar, und auch in 
Frankreich ist unter an¬ 
derem die Feier des Bar¬ 
baratages als bergmän¬ 
nisches Fest allgemein ver¬ 
breitet. 
Nach der Legende betete 
die hl. Jungfrau Barbara 
kurz vor ihrem Marter¬ 
tode: „Herr Jesu Christ, 
ich bitte dich, datz jeder, 
der mich lieb hat und 
meine Marter ehrt, vor 
seinem Tode deinen hei¬ 
ligen Leib empfange, und 
datz du seiner Sünden 
am jüngsten Tage nicht 
mehr gedenken mögest!" 
— Eine Stimme vom 
Himmel antwortete: „Al¬ 
les, um was Du gebeten, 
ist Dir gewährt." — So 
wurde die hl. Barbara 
unter die Vierzehn 
N o t h e l f e r aufgenom¬ 
men und besonders gegen einen unvorbereiteten 
Tod um ihre Fürbitte angerufen. — Nun ist von 
allen Berufen der des Bergmanns wohl einer der 
gefahrvollsten, und so ist es kein Wunder, datz der 
Bergmann, der täglich in die Grube fährt, ohne 
sicher zu wisien, datz er lebend wieder das Tageslicht 
erblicke, St. Barbara, die Patronin der Sterbenden, 
zu seiner besonderen Schutzheiligen erwählt hat. 
Deshalb ist auch in bergmännischen Gegenden der 
Name Barbara recht verbreitet, mag er auch als 
Vorname der jungen Mädchen gegen andere mo¬ 
disch klingende in den letzten Jahren etwas zurück¬ 
getreten sein. — In unserer Gegend erinnern aber 
verschiedentlich Ortsnamen an die Heilige: „St. 
Barbara" heißt ein Vorort von Trier, „Barbara" 
ein Dorf im Kreise Saarlouis und „S^5 Barbe" 
eins bei Metz. — Auch manche Gruben tragen den 
Namen der Heiligen. Bekannt sind durch ihre 
Ergiebigkeit beispielsweise die „Reiche Barbara" 
bei Marienberg und die Varbaragrube bei Andreas¬ 
berg im Oberharz geworden. Wir nennen weiter 
noch St. Barbaragruben bei Schneeberg, Freiberg, 
Bodenweis in Bayern und Carmaux in Frankreich, 
sowie den St. Barbarastollen im silberreichen 
Klostergrab. 
Im Saargebiet hat die Verehrung der hl. Bar¬ 
bara allzeit eine gute Stätte gefunden. In den 
Pfarreien Fremersdorf, Reisweiler, Nunkirchen 
(Kr. Merzigj und Wallerfangen ist St. Barbara 
Ortspatronin. Zahlreiche Kirchen haben ihr einen 
Seitenaltar errichtet, und oft erscheint ihr Bild 
auch in den Kirchenfenstern. Und besonders jetzt, 
nach dem Jahre der furchtbaren Grubenunglücke, wird 
man wahrscheinlich wieder 
häufiger das alte fromme 
Kindergebet hören: 
„St. Barbara, in jeder 
Nacht 
Fahr mit dem Vater in 
den Schacht, 
Steh' Du ihm bei in aller 
Not, 
Bewahr ihn vor dem 
jähen Tod!" . . . 
Aber auch das Gebet 
der Großen, das alte 
Familiengebei, hat sich 
noch in unserer Heimat 
erhalten. Nach R.Kraemer 
lautete es im Köllertale 
also: 
Heilige Barbara, du edle 
Braut, 
Mein Leib und Seel' sei 
dir anvertraut, 
Sowohl im Leben als im 
Tod! 
Steh mir bei in jeder Not, 
Steh mir bei an meinem 
letzten End', 
Datz ich empfang' die 
heiligen Sakrament'! 
Hilf, datz ich bei Gott so 
viel erwerb, 
Datz ich in seiner Gnade sterb! 
Den bösen Feind weit von mir treib, 
Mit deiner Hilf stets bei mir bleib! 
Wenn sich mein Seel vom Leibe trennt. 
So nimm sie auf in deine Händ, 
Schütz sie vor der Hölle Pein 
Und führ' sie in den Himmel ein! 
Auch in Flandern wird der St. Barbaratag durch 
verschiedene Volksgebräuche begangen. An einzelnen 
Orten Süddeutschlands holt man am 4. Dezember 
Zweige von Obst-, namentlich von Kirschbäumen, 
und stellt sie im warmen Zimmer in ein mit 
Wasser gefülltes Gefäß; entwickeln sie auch ihre 
Knospen und kommen sie zum Blühen, so soll es 
ein gutes Obstjahr geben. An manchen Orten 
werden diese Zweige zuerst geweiht, weshalb man 
sie an den Kirchentüren verkaufen sieht. In der 
bayer. Oberpfalz wird am Tage der bl. Barbara 
ein Weichsel- oder Kastanienreis geschnitten, bis 
Weihnachten im Wasser aufbewahrt und zur Blüte 
gebracht; am Christabend wird es dann als „Bar- 
5t. Barbara.
	        

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