Full text: 59.1931 (0059)

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Blick auf Nossi-Bk. 
wartest, schenke ich dir meinen Papagei — der wird 
dir von ihm erzählen." 
Elemente umarmte den Onkel unter tausend 
Dankesworten von neuem und streckte dann die Hände 
nach dem Papagei aus, vor dem sie jetzt durchaus 
keine Furcht mehr hatte. Joko flog ihr auf die 
Schulter und ries dabei: „Guten Tag, Clemence!" 
Alle lachten, und das junge Mädchen sprang ent¬ 
zückt mit dem Papagei hinaus. 
„Ta haben Sie eine glücklich gemacht, Schwager," 
sagte die Witwe, während sie ihrer Tochter mit den 
Augen folgte. ■ 
„Ich wünschte wohl, daß sie nicht die einzige 
wäre," erwiderte der Seemann, der wieder ernst 
wurde. „Auch Ihnen, Schwägerin, habe ich etwas 
mitgebracht, ich fürchte aber, eine traurige Erinne¬ 
rung in Ihrem Herzen wachzurufen." 
„sprechen Sie von Tidier, von meinem Sohn?!" 
ries die alte Frau mit dem Müttern eigenen schnellen 
Verständnis. 
„Ja," fuhr Bruno fort. „Als er da unten Schiff- 
bruch litt, waren wir leider nicht beisammen... Hätte 
der liebe Gott uns auf dasselbe Schiff gebracht... wer 
weiß! Ich schwimme ja doch, daß ein Delphin dabei 
nicht mitkommt — vielleicht hätte ich ihm mit der 
Schulter einen Stoß geben können, wie damals bei 
Traport." 
„In der Tat, Sie haben ihm ja einmal das Leben 
gerettet!" rief die Witwe, die sich nun an einen bei¬ 
nahe vergessenen Vorfall erinnerte. „Ich hätte das 
nie vergessen sollen, Schwager." 
Bei diesen Worten streckte sie dem Matrosen die 
Hand entgegen, die er ergriff und kräftig drückte. 
„Bah, das ist ja nicht der Rede wert," sagte er 
gutmütig, „das war ein einfacher Freundschaftsdienst 
— weiter nichts. In Indien aber konnte ich ihm 
nicht beispringen, denn als unser Schiff ankam, war 
Didiers Fahrzeug schon seit vierzehn Tagen gescheitert. 
Ich konnte nur noch die Stelle ausfindig machen, wo 
er begraben lag, und ein Bambuskreuz auf sein 
Grab pflanzen." 
„Das haben Sie getan?!" rief die Mutter mit 
tränenüberströmtem Gesichte. „Oh, ich danke Ihnen, 
Bruno! Tausend Dank, Schwager!" 
„Das ist noch nicht alles," fuhr der Matrose fort, 
den die Rührung wider Willen übermannte. „Ich 
erfuhr, daß die Hallunken von Laskaren die Sachen 
der Ertrunkenen verkauft hatten, und da habe ich 
denn nach vielem Suchen die Uhr des Neffen wieder¬ 
gefunden, sie mit meiner ganzen Barschaft zurück¬ 
gekauft und bringe sie Ihnen nun mit, Schwägerin 
— hier ist sie." 
Dabei reichte er der alten Frau eine große, silberne 
Uhr, die an einem starken, geteerten Bindfaden hing.
	        
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