Full text: 59.1931 (0059)

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bestanden haben, treten in die Bergschule ein. Hier 
erwerben sich die Schüler alle technischen Kennt¬ 
nisse, welche ein guter Steiger besitzen muß. — 
Früher hatten die Schüler die K o st e n ihrer 
Ausbildung selbst zu tragen. Die fran¬ 
zösische Grubenverwaltung wollte 
jedoch allen den Besuch der Bergschule er¬ 
möglichen, welche die hierzu erforderlichen 
geistigen Fähigkeiten besitzen, ohne ihnen finan¬ 
zielle Opfer aufzuerlegen, welche für viele untrag¬ 
bar wären. Aus diesem Grunde gewährt sie 
den Bergschülern eine tägliche U n - 
terstützung in Höhe des Lohnes, welchen sie 
zur Zeit des Schulbesuches als Arbeiter verdienen 
würden. Im Laufe der beiden Studienjahre 
werden die Leistungen der Schüler genau beob¬ 
achtet — nicht nur durch die Lehrer, sondern 
auch durch Wochenprüfungen und durch ein Exa¬ 
men, welche am Schlüsse eines jeden Schuljahres 
vor einer Ingenieur-Kommission abgelegt wer¬ 
den. Die Schüler, deren Leistungen zur Zufrieden¬ 
heit ausgefallen sind, erhalten nach Beendigung 
der Studien ein Diplom und werden hernach, je 
nach dem auf den Gruben vorliegenden Bedarf, 
zum Steiger ernannt. 
Neben der Bergschule haben durch die Fürsorge 
der Bergverwaltung, die eine in Saarbrücken 
bestehende Fachschule übernahm und ausbaute, 
technisch interessierte junge Saarländer nunmehr 
noch eine weitere Ausbildungsmöglichkeit, wenn 
ihnen der Weg zum Hochschulstudium durch den 
Mangel des Abiturs verschlossen ist. 
Wir meinen die 
Höhere Technische Lehranstalt 
in Saarbrücken am Homburg. Diese Anstalt ist 
eine mittlere Fachschule, die sich in eine Vauge- 
werkschule mit Hoch- und Tiefbau-Abteilungen und 
eine höhere Alaschinenbauschule gliedert. 
Beide Schulen haben je drei aufsteigende Jahres¬ 
kurse. Aufnahmebedingungen sind ein Mindest¬ 
alter von 17 Jahren, eine entsprechende vorhe¬ 
rige handwerkmäßige Tätigkeit bezw. eine ent¬ 
sprechende Tätigkeit als Gehilfe bei Kataster-, 
Bau- und Vermessungsbüros, oder in einer 
Maschinenwerkstätte und so weiter. Die Lehrzeit 
als Schlosser und Mechaniker bezw. die Praxis 
in einer Maschinenwerkstätte kann bei Mittelschul¬ 
reife oder Obersekundareife einer höheren Schule 
auf 2 Jahre abgekürzt werden. Selbstverständlich 
muß durch eine Prüfung nachgewiesen werden 
(in Deutsch, Rechnen und Naturlehre), daß der 
Schüler dem Unterricht wird folgen können, wie 
auch im ersten Halbjahr einem Schüler, der dem 
Unterricht nicht zu folgen vermag, der Weiter¬ 
besuch der Schule untersagt werden kann. — Des¬ 
halb bereiten ja, wie oben gesagt, auch die Werk- 
fchuloberklassen auf den Besuch dieser Anstalt vor. 
Die technische höhere Lehranstalt hat den 
Charakter einer staatlich aner¬ 
kannten Schule. Schüler, die das dritte 
Studienjahr obsolviert haben, können zu der vor 
einer staatlichen Prüfungskomi s- 
s i o n abzulegenden Reifeprüfung zugelassen 
werden. Das von der Kommission ausgefertigte 
Reifezeugnis berechtigt zur Annahme als 
Anwärter im technischen Büro- und Betriebsdienst 
der staatlichen Bau- und Eisenbahnverwaltung 
und gewährt gewisse Erleichterungen bei den 
dortigen Prüfungen, desgl. bei Ablegung der 
Meisterprüfung. (Für den Staatsdienst ist natür¬ 
lich bei den entsprechenden Laufbahnen außerdem 
der vorherige höhere Schulbesuch Bedingung.) 
Auch für eine Anstellung bei den Saar = 
gruben bedeutet der Besitz des Reifezeugnisses 
der H. T. L. bei einer Bewerbung für seinen 
Inhaber immerhin einen Vorzug vor anderen 
Mitbewerbern. 
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* * 
Das wären also die früher schon vorhanden 
gewesenen, von der neuen Verwaltung der Saar- 
gruben aber erweiterten und ausgebauten 
Schulen. Aber hierbei ist die gegenwärtige 
Grubenverwaltung nicht stehen geblieben. Sie hat 
es vielmehr für ihre Pflicht erachtet, auch noch 
weiterhin für die Ausbildung der Kinder ihrer 
Arbeiter und Angestellten zu sorgen, indem sie
	        
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