Full text: 58.1930 (0058)

die Hütte im Jahre 1845 das Hochofen werk 
Hohenrhein im Lahntal mit einem dazu¬ 
gehörigen recht umfangreichen Grubenbesitz. 
Hatte man bisher wegen der in Bettingen und 
Geislautern vorhandenen guten Wasferkraft und 
des schwierigen Materialtransportes die Eisenerze 
an ihrem Fundorte verhüttet, so konnte man jetzt 
nach dem Aufstellen von Dampfmaschinen und dem 
Bau der Eisenbahnen dazu übergehen, die Hoch¬ 
öfen nach Dillingen zu verlegen. Die 
Dillinger Anlage konnte bereits 1868 in Betrieb ge¬ 
setzt werden, worauf die beiden obengenannten An¬ 
lagen stillgelegt und später veräußert wurden. Doch 
auch dieser Hochofen blieb nicht lange in Betrieb. 
Die Firma erwarb in den 70er Jahren recht aus¬ 
gedehnte Erzfelder in Lothringen und errichtete 1884 
den ersten, 1887 den zweiten und 1900 den dritten 
Hochofen in Bedingen. Schon bei Errichtung 
des ersten Redinger Ofens wurde der Dillinger wie¬ 
der stillgelegt. 
Die Aufdeckung neuer Wege auf dem Gebiete der 
Technik führte dazu, daß man (1903) wieder mit 
dem Bau einer Hochofenanlage in Dillingen 
begann. Es geschah dies deshalb, weil so die Hoch¬ 
ofengase zum Walzwerksbetrieb ausgenutzt und das 
Eisen in noch flüssigem Zustand dem Martin- und 
Thomaswerk zugeführt werden konnte, was eine 
ganz wesentliche Krafterfparnis bedeutete. Seitdem 
liefern die vier in Dillingen erbauten Hochöfen das 
Roheisen zur Verarbeitung in den hiesigen Werks¬ 
anlagen. Der dabei benötigte Koks wird fast aus¬ 
schließlich in der bei den Hochöfen errichteten K o k e - 
r e i hergestellt. Auch eine Benzolfabrik 
wurde im Zusammenhange mit der Kokerei auf 
der Hochofenanlage erbaut. 
Veredelung des Roheisens. 
In den ersten Zeiten der Hütte wurde das in 
den Hochöfen gewonnene Eisen, nachdem es die 
Frischfeuer passiert hatte,'zu Fertigfabrikaten weiter- 
verarbeitet. Neben gußeisernen Platten usw. wur¬ 
den vorwiegend Sensen, Sägen und Schaufeln fabri¬ 
ziert. Den erhöhten Anforderungen des Eifen- 
marktes genügte jedoch dieser Fabrikationsbetrieb 
mit der Zeit nicht mehr. Um bessere Sorten Bleche 
und Handelseisen gewinnen zu können, wurde daher 
vor etwa 100 Jahren der Puddelprozeß durch 
einige aus England engagierte Meister und Vor¬ 
arbeiter hier eingeführt. Diese Puddelöfen waren 
teilweise noch bis zum Jahre 1894 in Betrieb. Im 
Jahre 1880 hatte man, dem Forschritt in der Roh¬ 
eisenveredelung Folge gebend und den gesteigerten 
Ansprüchen der Walzenstraßen entsprechend, mit dem 
Bau eines Siemens-Martin-Stahl¬ 
werks begonnen. In der Folge wurden sieben 
Oefen mit einem Fassungsvermögen von 15—40 
Tonnen errichtet. Bald war jedoch auch dieses 
Martinwerk nicht mehr in der Lage, das Stahl¬ 
bedürfnis der inzwischen immer weiter ausgebauten 
Walzenstraßen zu decken. Schon 1890 entschloß man 
sich daher zum Bau eines Thomaswerks. Und 
als dann in den letzten Jahren vor dem Weltkrieg 
die Aufträge für die Kriegsmarine sich mehr und 
mehr häuften, wurde 1912 zu den beiden vorhan¬ 
denen Stahlwerken noch ein neues Martinwerk mit 
sechs weiteren Oefen errichtet. Das in dem Tho¬ 
mas- und Marlinwerk zu Stahl umgewandelte Eisen 
wird in Blöcke gegossen, die dann auf den verschie¬ 
denen Walzenstraßen zu Grobblechen und Schienen 
weiterverarbeitet werden. 
Der Walzwerksbetrieb. 
Die erste Walzen st raße zur Herstellung von 
Schwarzblechen wurde 1804 in Betrieb ge¬ 
nommen. Um dieselbe Zeit hatte man auch mit 
der Fabrikation von Weißblech begonnen und 
mit diesem Fabrikat auf der Pariser Aus- 
st e l l u n g 1806 die silberne und 1809 die goldene 
Medaille erworben. Auch Kupferbleche wur¬ 
den auf diesen Walzenstraßen hergestellt und in den 
Jahren 1808—1813 in recht umfangreichem Maße 
für die Kriegsschiffe der napoleonischen Flotte ge¬ 
liefert. Mit der Einfiihrung der Dampfmaschine 
im Hüttenbetrieb erlangte auch der Ausbau der 
Walzenstraßen eine ganz wesentliche Um- bezw. Neu¬ 
gestaltung. Fast überall entstanden neue luftige und 
geräumige Werkstätten, in denen Grob-, Mittel-, 
Feinbleche und Schienen in allen Stärken und zu 
allen Verwendungszwecken hergestellt ’ werden. Die 
Dillinger Bleche erfreuten sich bald eines derar¬ 
tigen Rufes, daß neben der englischen die Dillinger 
Blechlehre zur Feststellung der Stärkeabstufungen 
beim Verkauf der Feinbleche in ganz Deutschland 
maßgebend war. Die Weiß- und Fein¬ 
blech fabrikation ist bis auf den heu¬ 
tigen Tag der H a u p t e r w e r b s z w e i g 
der Dillinger Hütte. 
Gegen Ende der siebziger Jahre wurde mit der 
Errichtung eines neuen, ichweren Walzwerkes auch 
die Fabrikation von Panzerplatten 
aufgenommen, mit der die Dillinger Hütte 
ihren Weltruf begründete. Die Panzer¬ 
platten wurden zunächst aus Schmiedeeisen herge¬ 
stellt ; doch schon -im Jahre 1880 kaufte die Firma 
ein englifches Patent zur Herstellung des sogenannten 
Compoundpanzers, der zu % aus Schmiedeeisen und 
zu % aus hartem Stahl bestand. Die in gemein¬ 
samer Arbeit mit der Firma Krupp unternommenen
	        
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