Full text: 58.1930 (0058)

30 
Westen zur Halbinsel 
Bretagne, dort auf der 
Grenze zwischen dieser 
und der Normandie 
liegt aller Wunder 
dieser herrlichen Land¬ 
schaft höchstes: der 
Mont Saint- 
Michel. Die Bai 
hat bis zur Mündung 
der Sülune 23 km 
Tiefe, 12 km dann 
sind Wattengebiet. In 
sechs Stunden füllt die 
Flut die Bucht des 
St-V^ichels mit einer 
solchen Wassermenge, 
daß ein Gebiet von der 
Größe des Landkreises 
Saarbrücken 12 m 
hoch überflutet würde. 
Von Pontarfon aus 
führt ein anderthalb 
Kilometer langer Deich 
durch das Wattenge¬ 
biet hinüber auf die 
Insel — besser wie 
dies Wort kennzeichnet 
die französische Be¬ 
zeichnung „Berg des 
hl.Michaels" die Lage. 
Denn es ist eine Spitze, 
ein Felskegel, der 
sich dort erhebt: unten: 
im Schutze der Mauer 
schmiegen sich Häuser an und Türme, klettern die 
Höhe hinaus; droben: die Abtei, romanisch be¬ 
gonnen, gotisch vollendet, in Spitzen und Zinnen 
aufsteigend bis zum Turm, von dem St.Michael 
mit hoch erhobenem Schwert ins Land schaut. 
In keltischer Zeit hieß der Felsen „le Mont- 
Tombe," „Toteninsel," wie die benachbarte 
„l'ilot de Tombelaine." Im 8. Jahrhundert lebte 
in Aranches (einem Städtchen, das sich unweit 
nördlich an der Küste erhebt, den Blick der Bre¬ 
tagne zugewandt) als Bischof der hl. Aubert. 
Ihm erschien im Traume der Erzengel Michael 
und befahl ihm, auf jener Insel, die vordem schon 
in der Heidenzeit ein Heiligtum der Druiden ge¬ 
wesen, ihm eine Stätte der Verehrung zu 
bereiten. So wurde der Berg auch der Christen¬ 
heit wieder zum Wallfahrtsort. Die Steine holte 
man mühsam von den Chausey-Inseln und 
umgab, der norman¬ 
nischen Raubzüge hal¬ 
ber, Dorf, Kloster und 
Kirche mit hoher 
Mauer wie eine Fe¬ 
stung. Als die Nor¬ 
mannen Herren des 
Festlandes geworden, 
ließ Herzog Richard 1. 
dort Benediktiner ein¬ 
ziehen. Endlich, nach 
Kämpfen mit Philipp 
August, dem Könige 
von Frankreich, ent¬ 
stand aus der Asche 
der niedergebrannten 
Basilika neu die Ab¬ 
tei „la Merveille", die 
uns heute noch ent¬ 
zückt. Diese Abtei ha¬ 
ben wir im Kalender 
1925 bereits unter 
den gotischen Kathe¬ 
dralen Frankreichs 
erwähnt: hier sei des¬ 
halb nur ihr größtes 
Schmuckstück, der 
Kreuzgang erwähnt, 
den in einer Doppel¬ 
reihe eine Kolonnade 
von 227 Säulchen aus 
rotem polierten Gra¬ 
nit umgibt. — Hier 
auf Saint - Michel, 
inmitten dieser Fe- 
stungsmauern, war auch der Sitz des von 
Ludwig XI. von Frankreich 1469 gegründeten 
St. Michael-Ordens, an den heute noch, unter 
der Kathedrale gelegen, die «8all6 des Cheva¬ 
liers » erinnert. — 
Bis zur Revolution hatten die Mönche das 
Heiligtum inne; später wurde die säkularisierte 
Abtei zum staatlichen Gefängnis; heute, wo sie 
unter Denkmalsschutz gestellt, bemüht man sich, 
Sünden der Vergangenheit zu beseitigen; störende 
Gebäude geschäftstüchtiger, auf die Touristen 
rechnender Wirte sollen beseitigt werden; auch der 
Damm zum Festlande soll wieder verschwinden. 
Die Kirche ist bereits wieder dem Gottesdienst zu¬ 
rückgegeben. — Das Dorf Saint-Michel ist die 
Heimat kühner Fischer, von denen wir einen als 
Repräsentanten der Normannen im Bilde zeigen, 
das Wappen der Gemeinde zeigt demgemäß auch 
zwei Salme. 
Brest, Eingang zum alten Schloß.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.