Full text: 57.1929 (0057)

57 
Vor Fort Lcuney. Gemälde von Jacovleff. 
Eisenplättchen angebracht sind, die geschickte Finger 
zum Klingen bringen. Ihr Ton soll die bösen Geister 
bannen. Dieser Musiker ist Melemokia. Auf dem 
Kops trägt er eine Mütze aus Affenfell, sein Hals ist 
geschmückt mit einem Kollier von Amuletten und 
seine Lenden umflattert ein Servalfell *). 
Hinter ihm kommt Kolongo, weit einfacher geklei¬ 
det: nur in einem Bastschurz, der durch einen Strick 
gehalten ist. Dieser Strick, aus Lianen gedreht und 
stark wie ein Drahtseil, Makati genannt, ist fest um 
den Bauch geschnürt, ein unfehlbares Mittel gegen 
den Hunger. 
Hinter ihnen endlich die Hauptperson: gekleidet in 
eine Tunika aus Palmfaserstoff, auf dem Kopf eine 
rote Mitra, so wandelt B ü l o gravitätisch an einem 
hohen Stabe daher, sie, die Zauberin, die durch 
die Gunst des „Likundu", des bösen Geistes, die ganze 
Gegend beherrscht. 
Diese Hexe, die Bülo, bedeutet hier wahrlich eine 
Macht; denn sie allein ist Erbin der Geheimnisse 
und Zauberkünste der Vorväter, und dazu noch kraft 
ihres Amtes die hohe Verteilerin des „Libenge" **-). 
Dies todbringende Gift ist für uns keine unbekannte 
*) Serval; leopardenähalich gefleckte afrikanische Wildkatze. 
**) Pseilgift, das aus PflanzerUäften bereitet wird. 
Gefahr; sind wir doch draußen schon mehrmals auf 
kleine Haufen gerollter Lianen gestoßen, die mit 
einem sorgfältig gearbeiteten Dache aufs Beste abge¬ 
dichtet waren: die Vorratskammern der Jäger, die 
hier ihre Pfeile und Speere vergiften. Die Zauberer 
also bereiten und verausgaben dies Gift, und überall 
im Urwald ist heute noch der offizielle Gebrauch zu¬ 
gleich ein Mäntelchen für den käuflichen Mord. 
Für die Zauberer ist Libenge gleichzeitig auch noch 
das Prüfungsgift. Wenn nämlich ein Unglück ge¬ 
schehen, wenn die roten Elefanten Schaden an¬ 
richten, wenn die Lepra auftritt, endlich ganz allge¬ 
mein, wenn ein Todesfall vorkommt, so schicken die 
Leidtragenden dem Zauberer eine stattliche Spende, 
damit er den Schuldigen entdecke. 
Wer das ist, weiß jeder: es ist immer „Likundu", 
der böse Geist, aber es gilt, ihn zu finden, zu ent¬ 
decken, um von ihm frei zu kommen. 
War die Spende groß genug, dann versammelt der 
Zauberer eines Abends alle Einwohner des Dorfes 
um ein Feuer. Niemand wagt es, sich auszuschließen, 
denn dadurch würde er sich gleich als den von Likundu 
Besessenen verraten. 
Nach einigen rituellen Tänzen nimmt dann der 
Zauberer ein kleines Instrument, bestehend aus 
einem Brettchen, in dem ein Holzpslock sich frei drehen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.