Full text: 56.1928 (0056)

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Rom: Villa Medici. 
mittags schon sein Wächterhorn mit und den zierlichen 
Steinhägerkrug, den er als sein liebstes und teuerstes 
Besitztum einmal Hans Peter vermachen wollte, und 
blieb gleich da bis zum ersten Rundgang abends um 
zehn. 
Der Regen warf ganze Arme voll klatschender, nei¬ 
discher Regentropfen gegen das Fenster, und drinnen 
beim knisternden Feuer erzählten sie sich Geschichten. 
Ter Hans spielte mit diesem und jenem und blieb 
endlich bei einer Reihe funkelnagelneuer, glänzender 
Stiefelknöpfe. Er steckte sie abwechselnd in den Mund, 
die Tasche und in die Nasenlöcher 
und schließlich blieb er bei den 
Nasenlöchern. 
Die beiden Alten merkten nichts, 
denn sie redeten über Politik. 
Nachtwächter Möller war zwar 
im Grunde harmlos wie ein Zaun¬ 
könig, aber er konnte über gewisse 
Dinge krakeelen wie eine ausge¬ 
wachsene Krähe. Da blieb Hans 
Peter sich selbst überlassen. 
Nachdem er länger die Sache 
mit beiden Nasenlöchern versucht 
hatte, begnügte er sich schließlich 
mit dem rechten allein, und ver¬ 
suchte den glänzenden Knopf mög¬ 
lichst hoch hinaufzuziehen. Blies 
man dann heftig dagegen, so kol¬ 
lerte das Ding heraus bis mitten 
in die Stube. Eine feine Sache! 
Aber wie* jedes seine Mucken 
hat, so ging es auch mit einem 
Knopf: er blieb stecken. 
Hans Peter schnaufte und 
schnaufte, und Nachtwächter Möl¬ 
ler hieb auf den Schustertisch, denn 
sie waren bei den viel zu hohen 
Schweinefleischpreisen angelangt. 
Doch dem Hans wurde die Sache zu grün. Der 
Knopf ging immer nur höher hinauf. Diesmal schrie 
er nicht, sondern sagte nur das eine Wort: „Knopf!" 
Kaspar Peter sprang wie von einer Tarantel ge¬ 
stochen in die Höhe. Aber dem Knopf war nicht mehr 
beizukommen. Nachtwächter Möller zitterte förmlich 
an Armen und Händen vor lauter Sorge, und selbst 
Frau Lene war ratlos. Dem Hans aber kamen die 
Tränen nun doch, denn das Ding tat scheußlich weh. 
„Dunnerkiel", brummte Nachtwächter Möller, und 
er suchte zerstreut seinen Steinhäger „da muß ich zum 
Doktor 'nüber!" 
In der Aufregung aber griff er 
daneben und langte den kleinen 
Krug mit der Momentschwärze 
her, sah traurig zum Hans hin- 
iiber und setzte zur eiligen Stär¬ 
kung an. Eine Sekunde, dann 
prustete Nachtwächter Möller wie 
ein Bär, der Seifenlauge gekriegt 
hat, und stand da, über und über 
voll von der beißenden Blitz¬ 
schwärze, die Schuster Kaspar für 
seine farbigen Stiefel sonst 
brauchte. 
Hans Peter aber mußte sich 
unter Tränen und Schmerzen vor 
Lachen schütteln, daß mit einem 
furchtbaren Genieße der dumme 
Knopf weit in die Stube flog. 
Da versuchte Hannes Möller 
eine geschlagene Stunde lang mit 
grüner Seife fein Gesicht wieder 
rein zu kriegen. Und Schuster 
Kaspar behütete fürderhin seine 
Knöpfe, wie die Groschen im 
Geldsack. 
Rom: Palazzo Farnese.
	        

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