Full text: 56.1928 (0056)

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Gerade mit dem letzten Tusch fam bei Kaspar Peter 
der kleine Hans an, als hätte er darauf gewartet. 
Aber ihn rührten nicht Kaiserhochs, noch Fasching, 
Lachen und Musik. Er machte ein gänzlich unnah¬ 
bares Gesicht, und Kaspar Peter und seine tapfere 
Frau Lene dachten einen Augenblick lang: Tusch, 
Lachen und Musik, gerade recht für einen Prinzen! 
Hans Peter überlegte sich dreimal, ob er überhaupt 
die Welt mit seinem Dasein weiter beehren solle. Der 
Doktor ging ein und aus und brauchte recht lange 
Zeit, dem winzigen Kerl den Standpunkt klar zu 
machen, daß es doch eigentlich lächerlich sei, nach 
einem solch festlichen Willkomm nicht auch zu 
mit wehender Schürze davor ins Innere seiner 
Schusterheimlichkeit, aus der heraus er nach einer 
Viertelstunde harmlos fragte: „Hat er sich denn weh 
getan?" 
„Nein", rief die Lene höchst erbost, „er hat nur 
drei dicke Beulen!" 
Aber Kaspar Peter schlug wacker das Leder mit 
seinem Hammer und pfiff im Takt dazu den Dessauer- 
Marsch. 
„Drei Beulen, was find drei Beulen, wenn man 
erst so 'ne Frau hat!" 
Da lachten sie beide, der Hans schrie derweil Weiler, 
als hinge er am Spieß. 
bleiben. 
Ta schickte fick denn Hans 
ins Unvermeidliche und wurde 
leidlich gesund. Aber von dem 
vielen überlegen behielt er 
eine hohe Stirn und ein krau¬ 
ses Herz. Er blieb kritisch bei 
allem, was um ihn vorging, 
und nur vor einem versank er 
stets in fassungslosem Respekt, 
das war Nachtwächter Möller. 
Der hatte einen struppigen 
roten Schnauzbart und eine 
verrostete Stimme, eine schiefe» 
verkrempelte Soldatenmütze 
und einen schwarzbraunen, ab¬ 
gebrochenen Pfeifenstummel. 
Zu dem kleinen Hans sagte er 
stets Herr Peter, machte eine 
tiefe Verbeugung und reichte 
ihin mit spitzen Fingern eine 
Marguerite oder Schlüssel¬ 
blume oder gar eine Rose, an 
der hübsch fein die Dornen 
abgemacht waren. 
Was Wunder, daß sich der 
Hans nicht beklagen konnte! 
Sommer und Herbst gingen 
vorüber, und als eben der 
April einmal mit lustigen 
Spatzen und bunten Sonnen¬ 
kringeln sich herumbalgte, 
nae 
machte Hans Peter die ersten 
schüchternen Gehversuche. Er 
stelzte wie ein Grenadier beim 
Paradeschritt, und Kapsar 
Peter, die blaue Schuster¬ 
schürze umgebunden, stelzte 
hinterdrein. Frau Lene aber 
stand in der Haustüre und 
kommandierte. 'Die Spatzen 
kreischten, die Hühner gacker¬ 
ten, und am Ende purzelte 
Hans Peter über seine Beine. 
Damals wußte er leider noch 
nicht, daß man über seine eigene 
Dummheit erst recht lachen soll!. 
Er verzog sein Gesicht wie ein 
gebackener Apfel, und ehe Frau 
Lene noch rechtzeitig begriff, 
machte Hans Peter mehr Krach 
als alle Hühner und Spatzen 
zusammen. Sein Vater floh 
Im Vatikan: Die Loggia Rafaels.
	        
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