Full text: 55.1927 (0055)

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eins" das Eisen wie¬ 
der seine alte Stellung 
ein. In der K u n st 
sollte es diese voll¬ 
ständig e r st im 
20. Jahrhundert wie¬ 
der erobern, wenig¬ 
stens für größere 
Objekte, während 
haudgeschmie- 
detes Kleinge¬ 
rät, hauptsächlich 
künstlich als „Alteisen" 
patiniert, teilweise auch 
in Verbindung mit 
handgehämmertem 
Kupfer,Altmessing und 
dergleichen, wie Lam¬ 
pen, Leuchter und 
Ähnliches, schon län¬ 
gere Zeit wieder sei¬ 
nen gebührenden Platz 
im Kunstgewerbe sich 
zurückerobert hatte. 
Heute hat die 
Kunst des Schmiedens 
eine neue hohe 
Blüte erreicht. Der 
„Werkbund" in 
Deutschland hat in 
dieser Hinsicht ebenso 
bahnbrechend gewirkt, 
wie in anderen Län¬ 
dern die Arbeit der 
dortigen Erneuerer des 
Kunstgewerbes, so in 
Frankreich der «Union 
Lontrals clo8 Art« 
D6coratifs», deren 
Bedeutung wir in un¬ 
serem Aufsatz über ihr 
letztes großes Werk, mit dem sie vor die O 
trat, die Pariser Ausstellung 1925 *), eingehend wür 
digten. Unter den Künstlern, die auf ihr als Er¬ 
neuerer altfranzösischer geschmackvoller Qualitäts¬ 
arbeit glänzten, steht in erster Linie ein Kunstschmied, 
der inailrs-ktzri'Onnier Edgar Brandt. Vor 
allem sein A u s st e l l u n g s st a n d, in der Form 
einer Halle oder Diele, die den Durchgang von 
draußen zum Vorzimmer und Empfangszimmer ver¬ 
mittelt, groß, licht, macht einen prächtigen Eindruck 
(Bild 3). Die Wände zeigen zwischen Marmor 
*) Siehe BergmannStalender 1926, Seite 150 ff. 
JltNentüoAlteiseN patiniert. (Photo : L’Illustration, Paris.) 
statt etwaiger Holz. 
täfelungen oder Leder¬ 
tapeten prunkvolle 
Eisentreibar¬ 
beit e n. In den schön 
gezierten Nischen stehen 
große eiserne Vasen 
antiker Form. Ein ge¬ 
waltiger Tisch mit 
fein geschwungenen 
Konsolfüßen, steht vor 
der großen Spiegel¬ 
wand. Der L ü st e r ist 
ebenfalls eine wunder¬ 
volle Schmiedearbeit. 
Prächtig ist die Ju¬ 
ne n 1 ü r, von der wir 
auch noch eine beson¬ 
dere Ausnahme brin¬ 
gen (Bild 5), mit ih¬ 
rem fein geschwunge¬ 
nen Rankenwerk aus 
patiniertem Eisen und 
ihrent schönen Relief. 
Weiter fallen zwei 
Feuerschirme ins 
Auge, betitelt «Iss 
plumes» und «le nid» 
(Bild 1 u. 2). Während 
die tamburinschlagende 
Tänzerin im Mittel- 
relief des ersten aus¬ 
gezeichnet in dem gra¬ 
ziösen Spiel ihrer 
Glieder mit dem leich¬ 
ten Schwung der „Fe¬ 
dern" harmoniert, zeigt 
der zweite mit dem 
stilisierten Vogelrelief 
im „Nest" inmitten 
der Blumenranken eine 
gewisse Verwandschaft mit dem Stil der Tapisserien 
aus der Zeit Louis XIII. Als Hauptausstellungsstück 
endlich ist der große fünfteilige Wand¬ 
schirm anzusehen (Bild 4). Der mittlere Teil zeigt 
einen stilisierten Springbrunnen. Oberhalb der 
Wasserstrahlen erblühen Riesenblumen, deren Blät¬ 
ter, inkrustiert mit Kupferplatten, sich von dem aus 
engem Spiralwerk bestehenden Untergrund prächtig 
abheben. 
So ist der Geist des „Königs der Schmiede" in 
unserer Zeit wieder lebendig geworden, würdig des 
„Zeitalters des Eisen s". 
3221; 
Der Sternenhimmel. 
„Zwei Dinge," sagt der große Philosoph Kant, 
„sind es, die das Menschenherz mit immer neuer Be¬ 
wunderung und Ehrfurcht erfüllen: das moralische 
Gesetz in uns und der gestirnte Himmel 
über u n s." 
Es ist dies eine tiefe Wahrheit, die von altersher 
die Menschen bewegt hat, so sehr, daß sie den Gestirnen 
Einfluß auf ihr Leben und Wirken zuschrieben. Im 
ganzen Altertum war die „A st r o l o g i e", die Stern- 
tz e u t e r e i", eine heilige Wissenschaft, und noch im 
Mittelalter erlebte sie vom 14.—17. Jahrhundert einen 
solchen Aufschwung, daß selbst große Astronomen und
	        
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