Full text: 55.1927 (0055)

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„Federn" — Kamtnschirm. 
(Photo: L'Illustration, Paris.) 
Das Nest — Kaminschirm. 
(Photo : L’Illustration, Paris.) 
Moderne Runstschnnedearbeiten. 
Werke von Edgar Brandt. 
as Schmiedehandwerk hat von jeher zu 
den bevorzugtesten und geschätztesten Berufen 
der Menschen gezählt. Bei allen Völkern genoß 
der kundige Verfertiger eisernen Geräts ein hohes 
Ansehen. Wir wissen, daß in der klassischen Mytho¬ 
logie der hinkende Gott der Schmiedekunst, Hephaistos 
(oder lateinisch Vulkan) die schönste der Göttinen als 
Ehegemahl heimführte, ein Beweis, wie hoch und wert 
seine Kunst geschätzt war bei Göttern und Menschen. 
Von seinem mit kostbaren Schmiedearbeiten verzierten 
Palast aber sagt Homer, er sei 
„Sternenhell, unvergänglich, in strahlender Pracht vor 
den Göttern, 
Welchen aus Erz er selbst sich gebaut, der hinkende 
Künstler". 
Im germanischen Sagenschatz spielt der kunstsinnige 
Schmied Wieland eine große Rolle, wobei hervorzu¬ 
heben ist, was die Hochschätzung der Menschheit be¬ 
sonders hervorrufen sollte: der treffliche Schmied 
der Waffen ist gleichzeitig Schöpfer 
köstlicher Geräte und Schmuck st ücke. 
Und in der Tat, sobald dem bloßen Bedürfnis nach 
Waffen genügt war, fing auch schon der Mensch an, 
nach Schmuck und schöner Form seines täglichen Geräts 
zu verlangen. Seit dem 10. Jahrhundert etwa kommen 
die Erzeugnisse der Schmiedekunst für den Hausrat in 
Betracht, im 11. Jahrhundert entwickelt sich bereits 
ein eigener künstlerischer Stil. Aus dem 12. Jahrhun¬ 
dert stammen die ersten künstlerisch geschmiedeten Git¬ 
ter, Gitterschranken und eisernen durchbrochenen Tü¬ 
ren, wie wir sie u. a. an zwei alten Kulturstätten sehen 
können, an der Kathedrale zu Paris und an der Braun¬ 
schweiger Türe der Residenz des berühmten Welfen, 
Heinrich des Löwen, der nicht nur ein großer Kriegs¬ 
mann, sondern auch ein Fürst mit großen kulturellen 
Interessen war. In den folgenden Jahrhunderten ent¬ 
wickelt sich eine Gotik des Eisens: Rosetten, 
mit Buckeln belebte Kreuzblumen der Türbeschläge, 
Gitter, Wand- und Kronleuchter, ja, ganze architek¬ 
tonische , Bauten, wie das berühmte «Chambre 
ardente» im Kloster auf dem Nonnenberg bei Salz¬ 
burg, oder die „Brunnenlaube" vor der Kathedrale von 
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