Full text: 49.1921 (0049)

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so dürfte der Zeitpunkt wohl nicht allzuiern 
sein, wo mit Hilfe der viel bequemeren Wasser¬ 
kräfte die Herstellungskosten der elektrischen Energie 
bedeutend geringer als die der Kohle sein werden. 
Es ist aber zweckmäßiger, die Arbeit einer 
Kilowattstunde nicht mit Geld, sondern mit Energie¬ 
werten zu vergleichen. Aus den angeführten 
Zahlen finden wir nun die wichtige Beziehung: 
Eine Kilowattstunde = etwa 1}2 kg Kohle. 
Der genaue Wert hängt von der Güte der 
Kohle ab und von der Zweckmäßigkeit der ver¬ 
wendeten Apparate. Die wichtigsten Verwen¬ 
dungen der Elektrizität wie der Kohle find: das 
Antreiben von Maschinen und das Heizen. In 
beiden Fällen ist die Verwendung der Kohle mit 
einem enormen und unvermeidlichen Verlust ver¬ 
knüpft, denn sowohl die Dampfmaschine wie auch 
die Oefen sind Apparate, die nur ungefähr % 
der aufgewendeten Energie dem gewünschten 
Zwecke dienstbar zu machen gestatten. Wenn ich 
also ein Zimmer einheizen soll, und ich habe 
eine sehr schlechte Kohle und einen sehr unprak¬ 
tisch arbeitenden Ofen, so wird der Heizwert 
einer Kilowattstunde vielleicht 2 kg Kohle be¬ 
tragen. Wenn ich aber vorzüglichen Anthrazit 
besitze und einen ausgezeichneten Kachelofen, so 
kann ich den Heizwert einer Kilowattstunde 
schon mit einem Drittel Kilogramm dieser Kohle 
erreichen. Ueberträgt man die oben angeführte 
Preisberechnung auf diese Energiewerte, so wird 
sich das Bild zu Gunsten der elektrischen Kraft 
verschieben. Denn bezeichnet man die Wärmemenge, 
die man braucht, um einen Liter Wasser von 
Zimmertemperatur zum Sieden zu erhitzen, als Sie¬ 
dewärme, so gilt bie leicht nachweisbare Beziehung: 
Eine Kilowattstunde ----- 10 Siedewärmen, 
d. h. mit einer Kilowattstunde kann man 10 
Liter Wasser zum Sieden bringen. 
Das ist eine Beziehung, die für die elektrische 
Küche wichtig ist. Freilich muß gesagt werden, 
daß unsere heutigen Kochapparate sehr unvoll¬ 
kommen sind und diese Leistung bei weitem nicht 
erreichen. Eine gewöhnliche Kochplatte, auf 
welcher angeschrieben steht „Verbrauch 1 KW", 
gibt einen Wirkungsgrad von höchstens 50 %, 
d. h. wir kriegen nur 5 Liter zum Sieden, wenn 
wir die Platte eine Stunde lang eingeschaltet 
lassen, also der Leitung die Arbeit einer Kilo¬ 
wattstunde entnehmen. Die sogenannten Schnell¬ 
kocher arbeiten schon bedeutend besser, sie ergeben 
bis zu 90 °/o jener 10 Siedewärmen. Bei den 
Schncllkochern find die heizenden Metallkörper 
in unmittelbarer Berührung mit der zu heizenden 
Flüssigkeit. 
Kehren wir nun wieder von der Kilowatt- 
stunde zum Kilowatt zurück, d. h. von der Ar¬ 
beit zur Angabe der Arbeitsmöglichkeit. Jeder 
Wasserfall hat eine gewisse Anzahl von Kilowatt 
als mögliche Leistung. Diese Zahl hängt von 
der Stromstärke ( = Anzahl Liter Wasser pro 
Sekunde durch einen Querschnitt fließend) ab 
und von der Höhe des Falles. Mit Turbinen 
und Dynamomaschinen setzten wir diese Formen 
der Naturgewalten in elektrische Energie um. 
Der elektrische Strom wild durch die Strom¬ 
stärke und durch die Spannung, bei welcher diese 
Stromstärke fließt, gemessen. Die Einheiten da¬ 
für, Ampère und Volt, sind so festgesetzt, daß 
der Effekt eines Watt erreicht wird oder vor¬ 
handen ist, wenn in einer Stromlcitung bei der 
Spannung eines Volt der Strom eines Ampere fließt. 
Ein Watt = 1 Ampere mal 1 Volt. 
Ein Kilowatt ist das tausendfache davon. Das 
kann man sich so zustandekommend denken, daß 
ein Ampere und 1000 Volt, oder 1 Volt und 1000 
Ampere oder auch z. B. 200 Volt und 5 Ampère 
in der Leitung vorhanden sind. Wir schreiben kurz : 
Ein Kilowatt = 1000 Voltampere. 
Nehmen wir an, es stünde uns ein Wasserfall 
von 2 rn Tiefe und 1200 Litern Stromstärke zur 
Verfügung. Uebertragen wir nun diese unaus- 
genütze Naturkraft auf die Elektrizitätsenergie. 
Aas der Schule wissen wir, daß 1200 Liter 
Wasser ebensoviel Kilogramm wiegen und daß 
diese 1200 kg in einer Sekunde einen Weg von 
2 rn zurücklegen, mithin also eine Arbeit von 
2 X 1200 = 2400 kgm leisten. Erinnern wir 
uns nun an die oben verwendete Beziehung: 
ein Kilowatt — etwa 100 kgm pro Sekunde 
(genauer 102), so sehen wir, daß unser Wasserfall 
einen Wert von 24 KW hat. Das ist natürlich 
die größtmöglichste Leistung, die man gewinnen 
kann. Auch hier tritt, wie bei allem Menschenwcrk, 
ein unvermeidliches Verlustkonto auf. Man kann 
die Energie einer Wasserkraft bis auf etwa 85% 
in Elektrizität -umsetzen. Bei unserem Beispiel 
können wir bestenfalls auf 20 Kilowatt rechnen. 
Dieser ziemlich harmlose Wasserfall entspricht 
also einer täglich 8stündigenLcistung von 120 
Pferden oder 840 Arbeitern. 
Wir sehen also an diesem kleinen Beispiel, 
welche ungeheure Arbeitskräfte in unseren Was¬ 
serfällen nutzlos verloren gehen. 
Diese billigen Kräfte in den Dienst der 
Menschheit zu stellen und so zum Wohle des 
Einzelnen wie der Gesamtheit fördernd beizu¬ 
tragen, w cd eine der dankbarsten Aufgaben 
unserer Jnoustrie und Technik sein.
	        
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