Full text: 41.1913 (0041)

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Der Grotzherzog Friedrich August und der Erbgrotzherzog 
von Oldenburg. 
Ein vor kurzem von der Hofphotographin 
Fräulein Anna Feilner in Oldenburg i. Gr. 
aufgenommenes, recht gelungenes Bildchen, 
welches unserm Kalender zur besonderen Zierde 
gereicht, stellt Niki, den jugendlichen Erb- 
großherzog Nikolaus von Oldenburg 
dar, wie er seinem Vater, dem regierenden 
Großherzog Friedrich August Meldung 
macht. 
Der Großherzog trägt, wie immer, die Uni¬ 
form seines oldenburgischen Dragonerregiments 
mit Mütze. Vor ihm 
steht der jetzt 15jährige 
Erbgroßherzog Niki 
in der kleidsamen, 
hellblauen Dienstuni- 
sorm der Oldenburger 
Dragoner, die Hosen in 
blanken Reiterstieseln, 
das weiße Bandelier 
über der Brust, den Helm 
auf dem Kopfe. In 
streng ordonnanzmäßi¬ 
ger Stellung, die Linke 
am Säbel, die Rechte mit 
den weiß ledernen Hand¬ 
schuhen an der Hosen¬ 
naht, bringt er eine 
dienstliche Meldung in 
wohlgesetzten Worten, 
aber soldatischer Kürze 
vor. Offen sieht er dabei 
seinem Vorgesetzten ins 
Auge; der aber verrät 
mit keiner Miene, daß er 
die dienstliche Meldung 
von seinem eigenen 
Fleisch und Blut ent¬ 
gegen nimmt. 
Der Groß herzog bleibt ganz „Dienst 
fürs Vaterland" und scheint aufmerksam den 
Worten des Meldenden zu lauschen, jeder Zeit 
bereit, dem jungen Dragonerossizier, wenn er seine 
Meldung nicht in gehöriger Weise vorbringt, einen 
Rüffel zu erteilen, denn er ist höchster Vorgesetzter. 
Aber die Sache wird wohl gut ablaufen, das sieht 
man aus den zwar ernsten, aber doch zufriedenen 
Mienen des Großherzogs. 
„ Von seinem bald 60jährigen Vater wird 
die Erziehung des Erbgroßherzogs mit aller 
Sorgfalt und Strenge geleitet, damit der 
I® 
junge Prinz dereinst wohlvorbereitet und als 
urteilsreifer Mann die Regierung seines Landes 
antreten kann. 
Daneben ist auch der körperlichen Aus¬ 
bildung des Prinzen besondere Aufmerksamkeit 
zugewendet worden. Schon mit 5 Jahren saß 
Prinz Niki zu Pferde und tummelte sich im 
Rasteder Park aus seinem Pony. Es war 
eine Lust, zuzusehen, wie sein Gaul aufs Wort 
gehorchte und auf den Pfiff seines Gebieters 
überall erschien, wo er gebraucht werden sollte. 
Auch den militä- 
ris ch enDri ll h at d erPrinz 
sich rasch angeeignet. 
So ist- der Erbgro߬ 
herzog zu einem kecken 
Reiter herangewachsen, 
dem der Kaiser ver¬ 
gangenes Jahr das 
Leutnantspatent ver¬ 
liehen hat. 
Es ist nicht zu ver¬ 
wundern, daß dem 
jugendlich-schönen, 
frisch freudigen und 
lebenslustigen Fürsten¬ 
sohn, der in Olden¬ 
burg tagtäglich ohne 
Dienerschaft ausreitet, 
aller Herzen entgegen¬ 
schlagen, besonders aller 
jungen Damen, die 
von seiner liebens¬ 
würdigen Freundlichkeit 
ganz entzückt sind. 
Mögen die Hoffnungen, 
die S.Königliche Hoheit 
der Großherzog und 
das ganze Oldenburger- 
Land aus ihn setzen, sich erfüllen und der 
junge Prinz durch eine^ frisch freudige Jugend 
sich zu einem tüchtigen Offizier entwickeln, 
zur Freude seines erlauchten Vaters, 
des Großherzogs, zur Freude des 
Oldenburger Lande's. 
So tief ist lein Leid, es muß dir gelingen. 
Dich mannhaft daraus emporzuringen: 
Bedeut' doch, du bringst ja aus unterster Schicht, 
So tief sie auch sanken, die'Kohlen ans Licht. 
Drunten umringen mich hundert Gefahren, 
Aber ich weiß: Gott wird mich bewahren. 
Hebt er doch, sollt' ich die Erde nicht schauen, 
Höher empor mich zu himmlischen Auen.
	        

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