Full text: 40.1912 (0040)

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Ein altes Wahrreichen des Bergwerks Heinih, 
der mächtige, monumentale, über 36 in hohe Schacht- 
turm auf dem Heinitzschachte Nr III wird demnächst 
von der Bildflüche verschwinden, um Platz zu schaffen 
für eine große Dampfföroeranlage, die im Laufe der 
nächsten zwei Jahre auf genanntem Schachte errichtet 
werden soll. 
Der aus Sandsteinquadern hergestellte Schachlturm 
wurde Ende der 50er Jahre fertiggestellt und diente 
vornehmlich zur Aufnahme einer neuen Förderanlage, 
welche im Jahre 1860 in Betried genommen wurde. 
Die zur Aufstellung ge¬ 
langte Fördermaschine 
war eine stehende Ba- 
lanciermaschine von 125 
PS., wie sie damals 
allgemein gebräuchlich 
waren und förderte an¬ 
fänglich aus der halben 
Saarsohle. 
Der eine der zinnen¬ 
gekrönten westlichen Eck¬ 
türmchen des Schacht¬ 
turmes war als Schorn¬ 
stein für die beim Heinitz¬ 
schachte Nr. III errichtete 
Dampskesselanlage aus¬ 
gebaut worden, welchem 
Zweck derselbe noch gegen¬ 
wärtig dient, der andere 
nahm eine Wendeltreppe 
auf, die die Verbindung 
der verschiedenen Etagen 
des Turmes bis in die 
höchste Spitze, wo ein 
Triangulationspunkt für 
markscheiderische 
Messungen aufgestellt war, 
herstellte. 
Im Jahre 1860 wurde 
auch mit dem Bau der 
mächtigen Fundamente 
für eine direkt wirkende 
300pferdige Balan cier- 
Wasserhaltungsmaschine 
von 2,388 in Zylinder- 
durchmesser und 3,14 m 
Kolbenhub begonnen, 
welche ebenfalls innerhalb 
des Schachtturmes Ausstellung fanden. Die Wasser- 
haltungsmaschine, welche eine minütliche Leistung von 
4 ebm normal hatte, wurde 1863 in Betrieb gesetzt und hob 
die Grubenwasser von der Saarsohle bis zur Flottwell¬ 
sohle. Sie wurde nach und nach weiter ausgebaut 
und es gelangte je ein Drucksatz von 730 mm Durch¬ 
messer aus der Saar- und I. Tiefbausohle und je ein 
Drucksatz von 600 mm Durchmesser auf der II. und 
III. Tiefbausohle zur Aufstellung. 
Im Schachtturm batten außerdem noch Aufstellung 
gefunden: ein Dampf- und ein Handkabel zum Ein¬ 
bau der Drucksätze, Steigrohre, Gestängestücke usw., 
im Wasserhaltungstrumm eine weithin sichtbare Turm¬ 
uhr mit drei Zifferblättern in östlicher, nördlicher und 
westlicher Richtung, sowie Obersteiger-, Maschinen¬ 
werlmeister- und Maschinensteigerbureaus und in den 
darunter befindlichen Räumen Werkstätten für die 
Wassermänner, Kesselschmiede und Signalreparatur¬ 
mannschaften. 
Im Jahre 1875 wurde die den starken Anforderungen 
nicht mehr genügende, alte Balancier-Fördermaschine 
abgeworfen und durch eine stärkere, zeitgemüßeZwillings- 
fördermaschme von 600 
PS. — 850 mm Zylinder- 
durchmesser und 2000 mm 
Kolbenhub — er letzt. 
Nunmehr zeigten sich 
allmählich im Schacht¬ 
turm, der auch die Ver¬ 
lagerung der Seilscheiben 
aufnahm, infolge der 
größeren Beanspruchung 
bedenkliche Risse. Um 
nun den schönen Bau der 
Nachwelt zu erhalten, 
wurde rm Jahre 1883 
ein 25 m hohes schmiede¬ 
eisernes Seilscheibengerüst 
freistehend in den Turm 
hineingebaut. 
Im Jahre 1890 fand 
die neuerrichtete elektrische 
Zentrale für Beleuchtung 
und Kraftübertragung in 
den ehemaligen Bureau¬ 
räumen Ausstellung, wel¬ 
che aber schon im Jahre 
1896 in einem besonderen 
Gebäude untergebracht 
wurde. 
Nachdem im Jahre 
1899 die alte Balanciee- 
Wasserhaltung abgewor¬ 
fen wurde — die Gru- 
benwaffer wurden von 
1894 bis 1903 gemeinsam 
für Heinitz und Dechen 
durch die Dechener unter¬ 
irdische Wasserhaltung 
gestoben —, diente der 
monumentale Prachtbau im wesentlichen nur noch 
als eine Zierde des Werks, der nur ab und 
zu durch die dem einen Ecktürmchen entsteigen¬ 
den Rauchwolken anzeigte, daß er doch noch zu 
etwas nutze sei. Nachdem im Laufe der Jahre, 
den höheren Anforderungen des Betriebes ent¬ 
sprechend, so manches alte Heinitzer Bauwerk ver¬ 
schwunden ist, ist auch für diesen schönsten aller 
alten Schachttürme des Saarreviers, welcher über 
50 Jahre eine Zierde und das Wahrzeichen der 
Heinitzgrube bildete, die Zeit gekommen, daß er dem 
Fortschritt zum Opfer fallen muß. 
Schachtturm Heinih. 
-d tröste und Grenze des Saarbrücker Berechtigungs- 
feldes. Das Saarbrücker Berechtigungsfeld hat eine Größe von 
110923 da. Die Grenzen sind folgende: Im 8. und 80. bayrische 
Landesgrenze (angrenzende Gruben: St. Ingbert, Bexbach, 
Frankenholz, Nordfeld), im 8W. und VV. die lothringische Landes- 
grenze (angrenzende Gruben: Kleinrosseln, Saar- und Moselberg¬ 
werks-Gesellschaft und la Houve). Im Norden erstreckt sich die 
Grenze in einer geraden Linie von Großhemmersdorf a. d. Saar 
über Beckingen, Düppenweiler, Steinbach nach Tholey und von 
hier aus ver Hauptstraße entlang über Alsweiler, Winlerbach, 
St. Wendel, Werschweiler nach Dörrenbach bis an die bayrische 
Landesgrenze.
	        

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