Full text: 33.1905 (0033)

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Industrie- und Haushallungsschulrn auf den Wnigl. Saargruben. 
ie Industrieschulen sind über den ganzen Berg¬ 
werksdirektionsbezirk verteilt und verfolgen den 
Zweck, den aus der Volksschule entlassenen Berg¬ 
mannstöchtern im Alter von 14—16 Jahren eine er¬ 
weiterte Unterweisung in den weiblichen Handarbeiten 
zu bieten; gelehrt werden hauptsächlich alle Näh-, 
Flick- und sonstigen Ausbesserungsarbeiten so¬ 
wie die Neusertigung von Kleidungsstücken und 
von Wäsche für die Familien der Bergleute. Gut 
veranlagte Mädchen oder solche, die ihren llnterhalt 
später als 9!ähe¬ 
rinnen zu erwer¬ 
ben trachten, wer¬ 
den im Gebrauch 
der Nähmaschine 
geübt und im Zu¬ 
schneiden und An¬ 
fertigen einfacher 
Frauenbekleidung 
und der Leibwäsche 
bis zur Selbständig¬ 
keit unterwiesen. 
Die Bergverwal¬ 
tung hat keine Opfer 
gescheut, diese Be¬ 
strebungen in jeder 
Hinsicht zu fordern, 
und dieselben habet: 
in der Tat den Er¬ 
folg gehabt, daß an 
Stellen, wo sonst 
Widerstand und 
Abneigung gegen 
die Schulen hervor¬ 
getreten war, ein 
dauernder und zahl¬ 
reicher Schulbesuch 
erzielt worden ist. 
Andererseits kann 
allen, auch den är¬ 
meren Bergmanns¬ 
familien, durch die 
spätere Erwerbs- 
tütigkeit einer sonst 
der Familie zur Last fallenden Tochter als Näherin ein nicht 
unbeträchtlicher sicherer Nebenverdienst verschafft werden. 
Neuerdings wird außer dem Unterricht in weib- 
lichei: Handarbeiteir den Besucherinnen der Industrie¬ 
schulen Gelegenheit gegeben, sich im Haushalt und 
der Kochkunst auszubilden. So sind an einzelnen 
Orten, wie z. B. zu Dudweiler, Von der Heydt, Neun¬ 
kirchen und Göttelborn die Industrieschulen zu Haus- 
haltungsschulen erweitert und besondere Koch¬ 
küchen eingerichtet worden. Zur Hebung des Arbeiter¬ 
standes ist es von höchstem Werte, wenn die jungen 
Mädchen zu Fleiß, Ordnungsliebe, Reinlichkeit und 
Sparsamkeit im Haushalt erzogen werden, damit sie 
imstande sind, dem von der Arbeit heimkehrenden 
Mann eine geordnete, behagliche Häuslichkeit zu bieten. 
Die Ausbildung in der Häushaltungsschule ist 
eine praktische und theoretische. 
Die Mädchen kochen täglich mit bestimmten Geld¬ 
mitteln ein vollständiges Essen, das auch von ihnen 
verzehrt wird. Während des Kochens wird die Zube- 
reitung und der Nährwert der einzelnen Speisen be¬ 
sprochen. Gleichzeitig wird Unterricht im Haushaltungs¬ 
rechnen, in der Haushaltungskunde und der Nahrungs¬ 
mittellehre erteilt. Daneben erhalten die Schülerinnen 
Anleitung in den gewöhnlichen Hausarbeiten, im 
Zimmer- und Küchenreinigen, Wäschebesorgen, Ser¬ 
vieren lind Tischdecken. Die Leitung der Haushaltungs¬ 
schulen liegt in den Händen einiger im Haushalt und 
Kochunterricht erfahrener Damen. Der Besuch der 
Haushaltungsschulen ist ein sehr reger. Neuerdings 
sind auch noch besondere Bügelkurse den Koch¬ 
küchen angegliedert worden. Die Kosten für die 
laufende Unterhaltung der Industrie- usw. Schulen 
trägt die Staatskasse, sie betrugen innerhalb der 
letzten 10 Jahre — 132000 Mk., so daß durchschnitt¬ 
lich im Jahre 13000 Mk. aufgewendet wurden. 
Unsere beiden Bilder gewähren einen kleinen Ein¬ 
blick in die beiden segensreichen Institute. 
Nicht lohnt's der Müh', zu forschen, was verstecken 
Betrüger in ein Buch mit sieben Siegeln; — 
Frag' erst, ob Arbeit und Erfolg sich decken. 
Gilt es, verschloss'ne Menschen aufzuriegeln. 
Sinnsprüche: 
Zähle, wie viel gute Worte 
Deinem Ohr vorbeigestofsen. 
Eh' des Herzens schmale Pforte 
Einem nur sich ausgeschlossen. 
Industrieschule zu Neunkirchen.
	        

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