Full text: 23.1895 (0023)

ihm eingelassen hätte.’ Aber müßig konnte er mit: 
ſeinen kräftigen Gliedern, mit dem festen Willen aus-" 
gerüſtet, wieder ein brauchbarer Menſch zu werden, 
unmöglich all die Tage hindurch gehen. So wollte. 
er etwas ſsür die Mutter ſchaffen, was ihr Freude 
machen würde. Es war ſchon längft ihr Wunſch ge-' 
wesen, eine Hiege zu kaufen, nur der Stall hatte ihr. 
bikher dazu gefehlt. Wie, wenn er ihr den zurecht- 
zimmerte und mauerte? Groß brauchte das Machwerk 
ja nicht zu sein, und warum sollte ihm, der ſchon ſo 
oft bei der Himmerung in der Grube geholfen hatte, 
das Kunststück zu ſchwer fallen? Der Vater war zu 
dem Himmermeister geweſen. Von jener Heit her 
trieb ſich noch allerlei von Gebälk und Brettern im- 
Hof umher. Eine ausrangierte Thüre lag droben auf 
dem Speicher. Die würde ſich gut benugen laſſen 
und die paar Hand voll Steine und Dachziegel ließ 
ihm der Nachbar Maurer ſchon ab, ſobald das Gerüſt 
erſi einmal daſtunde. §r:; 
Ihm wurde ganz wohl und leicht zu Mute bei 
ſeinen Gedanken. Sofort machte er ſich an die Ar- : 
beit. Das nötige Handwerksgerät fand ſich, sorgfältig - 
von der Mutter in einer Kiſte verwahrt, in beſtem 
Zustande vor und an Stchaffensluſt ging ihm auch“ . 
nichts ab. Kurz, in drei Tagen hatte er ein ganz’. 
erträgliches Fachwerk zuſtande gebracht. Der Reſt der! 
Woche verſtrich mit dem Ausmauern und Dachdecken 
und als die Strafe abgelaufen war, stand auch der 
Stall, ganz ſchmuck anzusehen, vor seinen Augen. | 
Am niächſten Tage ging's wieder frühmorgens zur : 
Grube. Die Kameraden ſahen ihn ſonderbar an, ja ' 
einige gingen ihm ſichtlich aus dem Wege, während
	        

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