Full text: 22.1894 (0022)

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Wer weiß, wozu die jungen Burſchen sich hätten 
hinreißen laſſen, wenn nicht in dieſem Augenblicke 
ein unerwarteter Beiſtand dem Bedrohten zur Seite 
geſprungen wäre. Karl hatte nur zuhören und ſsich 
dann stil durch den Garten wegſchleichen wollen, er 
war ohne Waffen und des Ausgangs durchaus nicht 
gewiß, aber jezt hatte er alle Vorſicht und Bedenk- 
lichkeit vergeſſen, das Fenſter aufgeriſſen und ſich 
hiauszeſchwungen : 
Ö gp, Halt!“ donnerte er den auf Beck Eindringenden 
entgegen, die bei ſeinem Anblicke verwundert ſtutzten, 
„ſeit wann ist es deutſche Sitte, zu zehn über einen 
herzufallen ?’?! —~ Dann zu den Männern gewandt 
und einzelne mit Namen nennend: „Und Ihr duldet 
das ? Ihr wolll’ ruhig zuſehen, daß ein Kamerad, 
der nichts verbrochen hat, als ehrlich ſeines Herzens 
Meinung geſagt, mißhandelt, ja ermordet wird ? Das 
hätt' ich von Euch nicht erwartet !‘ 
Die Stimmung ſchlug plöglich um und ward noch 
besſer, als Beck. nach einigen weiteren W.rten Karls 
fich ſeiner Genoſſen annahm : „Herr, sie ſind gar nicht 
ſo ſchlimm, wenn sie nicht auſgereizt werden.“ 
„Recht‘’, erwiderte Karl, „aber wir wollen dem 
Verführer das Handwerk legen. Er hat genug gesagt 
und gethan, und vor allen Zeugen, was ihn hinter 
Schloß und Riegel bringen ſoll. Jhr aber, ſpeit das 
Gift wieder aus, das er Euch heimtückiſch eingeflößt 
hat; bleibt, was Ihr bisher gewesen, treue Arbeiter 
eines milden Herrn. Oder kann sich wirklich einer 
über meinen Vater beklagen ?" ; 
Das verneinten faſt alle kräſtig. Nur ein paar 
ſetzten murmelnd hinzu: „Der Lohn könnte höher,
	        

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