Full text: 20.1892 (0020)

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Gebet hatte ihr Kraft gegeben, das Unvermeidliche zu 
ertragen. — 
Ihren Vater, ihre Mutter hatte man zur ewigen 
Ruhe gebettet. Referl brachte sich durch Näharbeiten 
und Unterstützungen fort und war allmählig ein alte- 
Weiblein geworden und der Schnee des Alters halte 
das einss so volle, blonde Lockenhaar gelichtet und 
gebleicht. — 
An ihrem siebzigsten Geburtstage. — eS war 
Dienstag nach dem Palmsonntag — hatte sie sich als 
Braut geputzt, den vergilbten „Palmkatzl-Buschen" in 
der Hand, in die Kircke nach Hallen» begeben, um die 
heilige Messe zu hören. Auf dem Rückwege rief ihr 
ein vom Schockte kommender Knappe zu: 
„Reserl! G'rad haben's einen Salzbergknappen tot 
aus dem Salzsee im alten Sinkwerke gezogen, weil 
sie die Soole ablassen. Niemand kennt den Armen, 
obwohl die Leiche gut erhalten ist." 
Reserl schleppte fick an allen Gliedern zitternd 
heim und da sie bei der Schachtkaue mehrere Berg- 
lcute versammelt sah, bat sie einen Knappen, sie 
hinaufzuführen. Die Leute, welche eine Tragbahre 
mit dem Toten umstanden, machten dem alten, zittern¬ 
den Weibchen Platz, dasselbe trat näher, legte den 
„Buschen" auf den Toten und brach mit dem Rufe: 
„Heut', Marlin, hab'n wir Hochzeit!" leblos zusammen. 
Drei Tage später bettete man die „Brautleute" in 
ein gemeinsames Grab. — Reserl und Martin waren 
nach langer, langer Trennung vereinigt! Schenk.
	        

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