Full text: 20.1892 (0020)

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oft gerade, wenn sie eben anfingen, ihr selbst von 
einigem Nutzen zu sein. Witwen und Waisen wurden 
ganz besonders berücksichtigt, aber auch andere Leute, 
Jünglinge und Männer, wußten, wohin fie sich in 
ihrer Bedrängnis zu wenden hatten, und klopften 
selten vergebens an. Wenn Herr Johann Wilhelm 
auch nicht alle Wünsche und Hoffnungen erfüllen 
konnte, ungetröstet ließ er so leicht keinen Bittsteller 
gehen. Mit weiser Umsicht verwandte er seine Mittel 
und erreichte dadurch bei der damals noch herrschenden 
Genügsamkeit viel. Auch daS schlimme Jahr 1817 
ging seinen Arbeitern glimpflicher vorüber als manchen 
andern. Fortwährend war er zur Hebung ihrer 
geistigen und leiblichen Wohlfahrt aus neue Einrich. 
tungen bedacht, die freilich nicht alle gelangen. Doch 
das beirrte ihn ebensowenig wie gelegentliche — üb¬ 
rigens ganz ehrerbietige — Einwendungen seiner 
schärfer rechnenden Herren Söhne. DaS wußten oder 
ahnten seine Leute, wenn sie auch nicht alles erfuhren, 
und nannten ihn schon längst mit Stolz und Liebe 
den guten alten Herrn. 
Aber mehr noch als seine Wohlthaten selbst wirkte 
die zartfühlende Art, womit er fie regelmäßig erwies. 
Er war vielleicht zu weich für diese rauhe Welt, in 
der eS doch auch viele Dickhäuter giebt, die fest an¬ 
gefaßt werden wollen, von den Böfewichtern ganz zu 
schweigen. Doch er konnte nun einmal nicht grob 
und grimmig sein, eS war ihm nicht gegeben. Er 
tadelte und strafte ungern. Wenn er eS doch einmal 
thun mußte, was ihm natürlich nicht erspart blieb, so 
merkte man ihm an, wie schwer ihm die Erfüllung 
dieser Pflicht fiel. Selbst empfindlich und ehrliebend,
	        

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