Full text: 20.1892 (0020)

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Krämern, Kaufleuten und Fabrikanten: Klagen, fast 
nichts als Klagen! Ja, vor zehn, zwölf Jahren, da 
war noch eine andere Zeit, da ließ sich noch 'waS 
verdienen — aber heutzutage! Man weiß nicht, wie 
man sich drehen und wenden soll. um ehrlich durch¬ 
zukommen. Das Geschäft liegt darnieder. ES geht 
schlecht und schlechter. Nur die Steuern wachsen, be¬ 
sonders die Gemeindesteuern — wir haben auch frei¬ 
lich die rechten Kerle im Stadtrat sitzen, die Hoch- 
wohlweisen, die den Verstand mit dem Schaumlöffel 
gegessen haben! Es ist kein Geld unter den Leuten, 
sie lasten nicht bauen und arbeiten, und wenn's je 
geschieht, so bezahlen sie nicht, sondern borgen. Wo 
daS noch hinaus will, daß weiß kein Mensch. 
So schallt es fast von allen Seiten, und ein ängst¬ 
liches Gemüt könnte recht bange werden, wenn nicht 
die Gewohnheit uns auch gegen diese jedenfalls über¬ 
triebene Klagen allmählich abstumpfte. Denn besinne 
Dich, lieber Leser: sind sie erst von gestern her, oder 
schon früher gehört? Ich hab's. In meinem ganzen 
langen Leben hab ich nur ein einzig mal aus dank¬ 
barem Herzen daS unumwundene Geständnis vernom¬ 
men: „Ich bin glücklich!" und die es gethan, ist schon 
seit Jahren tot und wird nun hoffentlich erst recht 
glücklich sein. Ich habe seit mehr als dreißig Jahren 
einen teuren Freund, der jetzt schon etwa ein Viertel¬ 
jahrhundert lang an der Spitze eines großen Geschäftes 
steht, und in all der Zeit hab' ich ihn nur einmal 
rühmen hören: „Jetzt stimmt'S! Es geht gut!- Da¬ 
war nach dem glorreichen Kriege im Herbst 1871. 
Seit Jahren schweigt er, oder schüttelt den Kopf und 
klagt. Allein er lebt und webt noch immer, Gott
	        

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