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freudig aufgeregten Silberwäscherin in die Hant>
gleiten.
So — für die HexenbouquetS.
Unv die Erzählung dazu gab er nun auch noch un¬
aufgefordert feiner aufmerksamen Zuhörerin zum Besten.
Seit langer, langer Zeit herrscht am Hofe der
Könige von Preußen der Brauch, daß die Mädchen
der Königlichen Silberkammer ihren Königlichen Herr-
schäften am Morgen des ersten Mai BlumenbouquetK
überreichen lassen, über deren freundliche Annahme
ihnen von den hohen Herrschaften eine goldene Em¬
pfangsbescheinigung, für jeoes Bouquet einen Fried-
richsd'or erteilt wird.
Wie lange der Brauch besteht, woher er stammt,
ob er noch in den altgermanischen Neligionsgebräuchen
wurzelt, oder ob er einem Zufall seine Entstehung
verdankt, ist nicht mehr festzustellen. Daß er aber
entstehen und sich in aller Stille erhalten konnte,
sogar, wie wir gesehen, vom Könige selbst gepflegt
wird, ist ein ehrendes Zeugnis mehr für die Herzens-
güte der Hohenzollern, ein Zeugnis mehr für den
patriarchalisch, familiären Sinn, mit welchem das edle
Fürstenhaus sich die Herzen seines Volkes zu gewinnen
und zu erhalten weiß.
Ursprünglich waren eS nur zwei Bouquets, welche
mit den Farben des Königs und der Königin geschmückt,
diesen überreicht wurden, und diese BouquetS waren,
weil nach dem altgermanischen Glauben in der ersten
Mainacht sämtliche Hexen und Hexenmeister ihr greßeS
Frühlingsfest auf dem Blocksberg feiern, unter dem
Namen Hexenbouquets bekannt. Und weil die könig¬
lichen Herrschaften am ersten Mai, mit sehr seltenen