Full text: 1.1873 (0001)

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junges, lebhaftes Mädchen heimzuführen, die cs mit 
ihren blitzenden Augen und rothen Wangen, ihren 
prächtigen Zöpfen upd bunten Kleidern um die schlanken 
Glieder feinem ehrlichen Herzen angethan. Und wer 
will ihn deßhalb tadeln? „Jung gefreit hat Niemand 
gereut," sagt ein deutsches Sprüchwort, und „Späte 
Heirathcn, frühe Waisen," sagt der kluge Amerikaner 
Franklin. Der Handarbeiter beneidet zuweilen den 
Kopfarbeiter, und ist ihm doch in einem Hauptpunkte 
entschieden voraus: während der Beamte, der Gelehrte 
oft mit dem Heirathen warten muß, bis er fast zu 
alt oder zu kalt-dazu ist, kann der ordentliche Tage¬ 
löhner, der Bergmann, der Handwerker meist kühn 
seinen eigenen Hcerd gründen, sobald er den „bunten 
Rock" ausgezogen hat. Freilich, auch er muß die Augen 
aufthnn, sonst kann er gründlich betrogen werden; das 
Geschäft ist noch kritischer als der Pserdehandel. 
Martin hatte mit seiner schönen Elise ein paar 
köstliche Honigmonate verlebt. Aber allmählig merkte 
er mit Schrecken, daß er keine Hausfrau an ihr besaß. 
Sie kannte das Rechte wohl, denn sie hatte eine Zeit¬ 
lang in einem ordentlichen Hause in der Stadt gedient. 
Aber bald ward sie lässig und bequem, vergnügungs¬ 
süchtig war sie schon und viel rechnen hatte sie nicht 
gelernt. Dazu kam das zweite Bübchen an, che das 
erste auf den dicken Beinchen laufen konnte. Die durch 
das Wochenbett entschuldigte Unordnung ward leider 
zur Gewohnheit. Was der' Mann verdiente, ging drauf, 
und doch war sein Haus nicht gemüthlich. 
Seine alte Mutter, die bisher mit ihnen gelebt, 
mußte des lieben Friedens willen weichen. Daß er sie 
fortwährend unterstützte, sah seine junge Frau, die recht 
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