Volltext: 8.1954 (0009)

nen bei fälligen TarifverKandlungen mit allen 
Kräften den Grundsatz der gleichen Entloh 
nung durchzusetzen. Man versucht, sich dem 
idealen Ziel schrittweise zu nähern, bis die 
Unterschiede zwischen der Entlohnung der 
weiblichen und männlichen Arbeitskräfte völ 
lig beseitigt sind. Der dänische Gewerk 
schaftsbund teilt mit, daß die Löhne der weib 
lichen Arbeitskräfte durch dieses Vorgehen 
schon wesentlich erhöht worden sind. 
Die deutsche Bundesrepublik hat zwar den 
Grundsatz gleicher Arbeit gleicher Lohn in 
ihrer Verfassung eingetragen, jedoch trotz der 
Vorstellungen des DGB die Konvention Nr. 
100 noch nicht ratifiziert. Der letztere ar 
beitet gegenwärtig daran, den Bundestag zu 
einer Entscheidung zu bringen. Der DGB 
hat weiter eine Kommission eingesetzt, welche 
sich mit diesem Problem beschäftigt. Ihr 
gehören Vertreter der Mitgliedsverbände und 
besonders der Frauensekretariate an. Bei den 
Lohnverhandlungen versuchen die deut 
schen Gewerkschaftsverbände den Grundsatz 
zur Anwendung zu bringen. 
In der Schweiz hat der Nationalrat sich 
der lebhaften Vorstellungen des Schweizeri 
schen Gewerkschaftsbundes nicht zur Ratifi 
zierung der Konvention Nr. 100 entschließen 
können. Jedoch wurde das Parlament aufge 
fordert, die Frage der Auswirkung einer glei 
chen Entlohnung der männlichen und weib 
lichen Arbeitskräfte auf die Wirtschaft erneut 
zu überprüfen. 
In Großbritannien ist der Gewerkschafts 
bund TUC bei der Regierung für eine Auto 
risation der obersten Arbeitsbehörde, des 
„Withley Council“ eingetreten, die Frage der 
gleichen Entlohnung zu prüfen und weiter für 
die Ratifizierung der Konvention Nr. 100 vor 
stellig geworden. Ein endgültiges Ergebnis der 
Bemühungen liegt bisher nicht vor. Immerhin 
hat die englische Regierung den Grundsatz 
der gleichen Entlohnung für ihre eigenen An 
gestellten angenommen, erklärt jedoch, daß 
sie unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen 
Verhältnissen das Arbeitsabkommen Nr. 100 
nicht zur Ratifizierung unterbreiten könne. 
In Kanada sind die provinziellen Regie 
rungen für die Fragen zuständig, die die 
Konvention Nr. 100 aufwirft. Die Mehrzahl 
dieser Regierung steht auf dem Standpunkt, 
daß diese Frage eine tarifvertragliche sei, 
nicht eine gesetzgeberische. Jedoch haben 
zwei Provinzen, Saskatchewan und Ontario 
Gesetze angenommen, die die gleiche Ent 
lohnung sichern. Der kanadische Gewerk 
schaftsbund CCL hat seinen Mitgliedsverbän 
den auf seinem letzten Kongreß empfohlen, 
dafür zu sorgen, daß in den zukünftigen Ar 
beitsverträgen kein Unterschied zwischen der 
Entlohnung der Arbeiter und der Arbei 
terinnen erscheint. 
Während in den Vereinigten Staaten auf 
der einen Seite die Aussichten für eine Rati 
fizierung der Konvention Nr. 100 sehr 
schwach sind, sichern auf der anderen Seite 
eine große Anzahl von Tarifverträgen zwi 
schen Arbeitgebern und Gewerkschaften den 
gleichen Lohn für die gleiche Arbeit. 
In Mexiko enthält die Verfassung den Grund 
satz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Der 
mexikanische Gewerkschaftsbund stellt fest, 
daß dieser Grundsatz voll in Kraft ist, seit 
dem ’ie Verfassung verkündet wurde. Wahr- 
scheii uch aus diesem Grunde hat die mexi 
kanische Regierung sich entschlossen, die 
Konvention Nr, 100 zu ratifizieren. 
Diese kurze Aufzählung von Beispielen aus 
einzelnen Ländern zeigt, wie kompliziert die 
Verhältnisse sind und wie groß noch die 
Schwierigkeiten, die den gewerkschaftlichen 
12 
Organisationen bis zur Erreichung ihres Zie 
les entgegenstehen. Aber diese sind gewohnt, 
Schwierigkeiten auf ihrem Wege zu finden 
und sie zu besiegen. Die Sicherheit, eine ge 
rechtere Zukunft vorzubereiten, bildet für sie 
eine Ermutigung, ebenso im Kampf für die 
Ratifizierung der Konvention wie in der täg 
lichen Auseinandersetzung für die Durch 
führung dieses Grundsatzes in den verschie 
denen Berufen. 
Es bleibt noch eine große erzieherische 
und aufklärerische Arbeit zu leisten. Möge in 
gewissen Ländern die Zahl der organisierten 
Frauen relativ hoch sein, so ist doch in 
anderen die Gleichgültigkeit der Frauen ge 
genüber der gewerkschaftlichen Organisie 
rung noch sehr verbreitet. Es muß ihnen zum 
Berufstheater 
Mit der Geschichte der Menschheit be 
ginnt auch die wechselvolle Geschichte des 
Theaters: denn der Ursprung des Theaters ist 
im Spieltricb des Menschen zu suchen. — Bei 
vielen Naturvölkern ist er- erhalten geblie 
ben bis auf den heutigen Tag. — Der Spiel 
trieb erwacht im Menschen mit der Stunde 
seiner Geburt. Beobachten wir unsere Kinder: 
in ihnen steckt noch etwas von dem Spiel 
trieb aus den Urzeiten der Menschheit. Die 
kindliche Phantasie gibt ihnen wundervollste 
Spiele ein. 
Mit der Verfeinerung und Überspitzung 
unserer Zivilisationsbedürfnisse betrachteten ■ 
die Erwachsenen diesen Spieltrieb mit Beschä 
mung und verbannten ihn aus ihrem Dasein 
Mit weiser Nachsicht duldeten sie ihn noch 
gerne beim Kinde. 
Unter den Erwachsenen sind heute fast 
ausschließlich d i e Menschen zu großem und 
freiem Spiel in der Lage, die sich noch etwas 
von der göttlichen Reinheit unverbildeter 
Phantasie in ihr Erwachsenenalter hinüberge 
rettet haben. Bei vielen von ihnen ist die 
gnadenvolle Berufung zum Schauspieler zu 
spüren. 
Und diese wirklich Berufenen werden nach 
einer sorgsam vorbereiteten Auslese und 
Ablegung einer strengen Prüfung in beson 
deren Ausbildungsstätten mit strenger Zucht 
auf ihre, dem ganzen Volke dienende Auf 
gabe vorbereitet. Sie müssen lernen, ihre 
Sprache in vollendeter Reinheit und ihren 
Körper mit magischer Sicherheit zu beherr 
schen. Sie müssen Geist und Seele schulen, 
um fremde Schicksale bis in die letzten Ver 
ästelungen geheimster Empfindungen in sich 
aufzunehmen und auf der Bühne in selbst 
sicherer Überzeugung darzustellen. Durch sie 
können Dichter und Dramatiker ihre Er 
kenntnisse vom Wert und Unwert vieler Dinge 
des Lebens den Völkern vermitteln. 
Aus einer hervorragenden Zusammenarbeit 
zwischen den einzelnen Schauspielern, die der 
Regisseur leitet und nach seiner Erkenntnis 
und seiner, vom Autor beeinflußten Intuition 
führt, entstehen dann bedeutende Theater 
aufführungen, die das Publikum im Sinne des 
Dichters beeindrucken. 
Es gibt aber noch viele andere Menschen, 
die sich im eingangs erwähnten Sinne ihre 
Freude am Spiel erhalten haben und deswegen 
auf vieles verzichten und ebenfalls bemüht 
sind, ihren Mitmenschen die Freude am Spiel 
zu erhalten. 
Das sind unsere Laienspieler! Auch sie 
haben sich das „Kindscia“ mit in ihre Er- 
Bewußtsein gebracht werden, daß ihre Ar 
beitsbedingungen und ihre Aufstiegsmöglich 
keiten nicht verbessert werden können, ohne 
daß sie seihst sich in die freigewerkschaft 
lichen Reihen eingliedern. Je mehr die Anteil 
nahme der Frauen am Gewerkschaftsleben 
wächst, desto mehr sind die einzelnen Ver 
bände in der Lage, Frauenforderungen durch 
zusetzen. Die arbeitenden Frauen können end 
gültig die Ungleichheit der Arbeitsbedingun 
gen und Entlohnung zwischen Arbeitern und 
Arbeiterinnen verschwinden lassen, indem sie 
sich den freien Gewerkschaften anschließen, 
aktiv an deren Kämpfen teilnehntcn und so 
lernen, ihr Rechte als arbeitende Frau zu 
verteidigen. 
FREIE GEWERKSCHAFTSWELT 
- Laienspiel 
wachsenenjahre hiniibejgerettet. Bei ihnen ist 
die Freude, die sie dem mimischen Gedanken 
entgegenbringen so recht im wahrsten Sinne 
des Wortes ursprünglich. Auch sie ringen um 
die hohen Werte der Darstellung. Es ist eine 
bedeutende Aufgabe, die sie in ihren Hei 
matgemeinden zu erfüllen haben. Sie sollen 
altes, schönes, von den Vätern ererbtes 
Brauchtum pflegen und in ihrer Mundart all 
gemeingültig zum Ausdruck bringen was ihre 
Volksdichter den Menschen der Heimat zu 
sagen haben. Das ist eine große und verant 
wortungsvolle Kunst. Und nur wer in der Er 
füllung dieser Kunst ganz aufgeht, kann 
Großes leisten. Denken wir nur an die 
„Schlierseer-" und „Tegernseer-Bauernbühne“ 
oder gar an die berühmte „Exl-Truppe“, die 
nie etwas anderes im Sinne hatten, als in 
ihren heimatlichen Kreisen das altverehrte 
Brauchtum zu pflegen. Und gerade weil sie 
nur das taten, wurde ihre Kunst so groß, 
daß auch andere Volksstämme auf sie auf 
merksam wurden und zu sich einluden; denn 
auch sie wollten die Volkskunst der Menschen 
aps den entfernten Teilen ihrer Heimat ken 
nen lernen. Und dann wurden sie sogar zu 
anderen Völkern geholt und kündeten dort 
von den Sitten und Gebräuchen ihrer Fleimat. 
Ja, alle diese Truppen haben sogar Bedeuten 
des geleistet im Sinne der Völkerverständi- 
Immer sind sie Laienspieler geblieben, selbst 
der Film, der ihre Kunst festhielt, hat sie 
nicht anders machen können. Und nie hat 
man gehört, daß diese Truppen sich an Dra 
men der Weltliteratur oder Opern und Ope 
retten gewagt hätten. Sie wußten: diese 
Kunstgattung zu pflegen, ist Aufgabe des 
Berufstheaters. Wenn wir uns auf diese Ab 
wege begeben, gehen wir in die Irre und wer 
den bald nicht mehr anerkannt. 
Jede Laienspicltruppe sollte aus einem 
ganz natürlichen Empfinden heraus die Gren 
zen ihres Könnefis erkennen und nur im 
Rahmen ihrer Möglichkeiten tätig sein. Freuen 
sollen sie sich, wenn das Berufstheater zu 
ihnen kommt, Denn aus den Wechselbezieh 
ungen zwischen beiden entsteht eine be 
glückende Vertiefung der darstellerischen 
Möglichkeit. 
Niemals darf auch nur im geringsten der 
Gedanken im Hintergründe stehn, daß es 
Konkurrenten sein könnten! 
Die Kunst ist allgcmeingültig. Sie kommt 
aus dem Volk und ist für das ganze Volk,
	        

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