Full text: 8.1954 (0009)

Tarifvertrag mit den Versicherungsgesellschaften 
Wie uns der Industrieverband Handel, Ban 
ken, Sparkassen und Versicherungen mitteilt, 
wurde am 15. Januar 1954 mit der Berufs- 
Vereinigung der im Saarland tätigen Ver 
sicherungsgesellschaften ein Tarifvertrag ab 
geschlossen, der rückwirkend ab 1. 10. 1953 in 
Kraft tritt. 
Neuordnung der Gehälter 
In diesem Tarifvertrag erfahren auch dis 
Gehälter mit Wirkung vom 1. 10. 1953 ab 
ein« Neuordnung. Der Geldwert für den 
Koeffizienten 100 wird auf 18 500.— frs. mo 
natlich festgesetzt bei einer 48stündigen 
Wochenarbeitszeit, 
Für jede Tätigkeit sind in 4 Hauptgruppen 
Koeffizienten festgelegt, mit deren Hilf® der 
Geldfaktor zu ermitteln ist, der als Mindest 
lohn in der einzelnen Kategorie nach Vollen 
dung des 21. Lebensjahres auf jeden Fall zu 
zahlen ist. 
Angestellte vom vollendeten 18. bis zum 
vollendeten 21. Lebensjahr erhalten 90 % des 
Tarifgehaltes, jedoch mit der Maßgabe, daß 
der gesetzliche Mindeststundenlohn nicht un 
terschritten werden darf. 
Angestellte, die zur Arbeitsausübung fort 
dauernd die gründliche Kenntnis einer Fremd 
sprache verwenden müssen, erhalten eine mo 
natliche Zulage von 3 000.— frs., die bed 
nichtgründlicher Kenntnis bis auf 1 000.— frs. 
herabgesetzt werden kann 
Jugendliche Angestellte eifahren die üb 
lichen Minderungen ihres Gehaltes, doch er 
halten abweichend von der üblichen Regelung 
die Angestellten unter vollendetem 18. Lebens 
jahr, die eine Lehre abgeschlossen haben, 
eine Zulage von mindestens 10 °/o. 
Jeder Angestellte erhält nach je 2jähriger 
Tätigkeit im Betrieb jeweils 2% Dienstalters 
zulage bis zu einer Höchststeigerung von 20%. 
Erfreulich ist die Tatsache, daß der neue 
Tarifvertrag eine gewisse Durchbrechung des 
Patronatsprinzipes bringt, indem Angestellten, 
die vorher in einer anderen Versicherungsge 
sellschaft, bed Versdcherungsgeneralagenten 
einer Sparkasse oder bed der Sozialversiche 
rung tätig waren, nach 3jähriger Tätigkeit im 
Betrieb, die im früheren Betrieb zurückgeleg 
ten Dienstzeiten angerechnet werden müssen. 
Für die einzelnen Kategorien ergeben sich 
unter Berücksichtigung der Dienstalterszulagen 
folgende Mindestgehälter ab 1. 10. 1953: 
Die ab 1. 1. des Jahres beschäftigten An 
gestellten erhalten im Monat Dezember ein 
13. Monatsgehalt. Die während des Jahre® 
eintretenden oder ausscheidenden Angestellten 
erhalten das, den geleisteten Dienstmonaten 
entsprechende Zwölftel ihres Monatsgehaltes. 
Urlaub 
Detr Jahresurlaub steigert sich abweichend 
von der gesetzlichen Regelung nach 3, 0, 9 
bzw. 12 Dienstjahren bei der Gesellschaft, 
oder Grupp® von Gesellsdxaften, wo sie be 
schäftigt sind, auf 15, 18, 21 bzw, 24 Tag® 
Urlaub. 
Für folgende Fälle wird den Angestellten 
ein bezahlter Sonderurlaub gewährt, der nicht 
von den Tagen des bezahlten Jahresurlaubs 
in Abzug gebracht wird: bei eigener Hoch 
zeit, Niederkunft der Ehefrau oder Tod in 
der Familie. In anderen Fällen, insbesondere 
bei der Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten, 
Prüfungen auf Verlangen des Unternehmers, 
Überschwemmungen und Bränden, die den 
Besitz des Angestellten gefährden, kann eben 
falls bezahlter Sonderurlaub gewährt werden. 
Dienstfreie Tage 
Außer den gesetzlichen Feiertagen sind di® 
Sonnabende vor Ostern, Pfingsten, der 24. De 
zember und cler Nachmittag des Fastnacht- 
Dienstag jeden Jahres als dienstfrei zu be 
trachten, ohne daß dieser Arbeitsausfall auf 
andere Arbeitstage verteilt werden darf. 
Krankheit mit Unfall 
„Bei durch Krankheit oder Unfall verursach 
ter Arbeitsunfähigkeit erhalten die kranken- 
versicherungspftichdgen Arbeitnehmer ihre Be 
züge für die Dauer von 6 Wochen und vom 
Beginn der 7. Wo die an einen Zuschuß zum 
Krankengeld; und zwar bei einer ununter 
brochenen Betriebsziugehörigkeit 
von mehr als 2 bis 5 Jahren bis zum Ablauf 
der 13, Wodie; 
von mehr als 5 Jahren bis zum Ablauf der 
20. Woche. 
Der Zusdruß wird so berechnet, daß er 
zusammen mit dem Krankengeld den Betrag 
der Gesamt-Netto-Bezüge erreidit. 
Die Zahlung des Zuschusses erstreckt sich 
auf ein® Krankheit oder einen Unfall, 
eingeschlossen die evtl. Rückfälle nach einer 
Wiederaufnahme der Arbeit. 
Als Dienstjahre gelten nur die bei dersel 
ben Gesellschaft oder Gruppe von Gesell 
schaften geleisteten Jahre. 
Abschließend dürfen wir noch auf eine Be 
stimmung des Tarifvertrages hinweisen, di« 
der Lehrlingszüchterei in den Betrieben einen 
Riegel vorsdiiebt: 
Bis zu 20 Festangestellte darf auf je 5 Fest 
angestellte 1 Lehrling beschäftigt werden. Für 
je 10 weitere Festangestellte kann ein wei 
terer Lehrling eingestellt werden. Nach be 
standener Prüfung haben Lehrlinge einen An 
spruch auf bevorzugte Einstellung in ihrem 
Lehrbetrieb. 
Wie wir nodi erfahren, ist der Tarifvertrag 
mit den Generalagenten ebenfalls zum Ab 
schluß gekommen und tritt ab 1. 1. 54 in Kraft 
Hierüber werden wir in einer späteren Num 
mer der „Arbeit“ berichten. 
Bekanntmachung 
über die Steuerpflicht der 
saarländischen Grenzgänger 
Gehälter, Löhne und sonstige Vergütungen 
werden in dem Staat versteuert, in dessen 
Gebiet die persönliche Tätigkeit ausgeübt - 
wird, aus der die Einkünfte herrühren. 
Personen, die eine unselbständige Tätig 
keit in Frankreich ausüben und ihren Wohn 
sitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Saar 
land haben (Grenzgänger), werden im Saar 
land für die Gehälter, Löhne und sonstigen 
Vergütungen nur zur persönlichen Steuer auf 
das Gesamteinkommen (Staffelsteuer) heran 
gezogen, wenn sie in Frankreich keinen Auf 
enthalt haben. Wenn der Steuerpflichtige und 
die mit ihm zu veranlagenden Personen (Ehe 
frau und Kinder) neben Arbeitslohn noch 
andere Einkünfte von mehr als 90 000.— 
Franken beziehen, sind für die anderen Ein 
künfte Feststeuer und für die Gesamtein 
künfte Staffelsteuer geschuldet. Steuerver 
günstigungen, die einem im Saarland beschäf 
tigten Arbeitnehmer zugute kommen, werden 
auch den saarländischen Grenzgängern ge 
währt. Die Gemeinschaftshilfeabgabe und die 
Kirchensteuer werden aus der im Saarland za 
erhebenden Einkommensteuer berechnet. 
Eine Staffelsteuer ergibt sich erst bei einem 
Bruttoarbeitslohn 
in Steuerklasse I von ungefähr monatlich ^ 
28 000.— Franken 
ln Steuerklasse II von ungefähr monatlich 
54 000,— Franken 
in Steuerklasse III von ungefähr monatlich 
62 000.— Franken 
in Steuerklasse IVT von ungefähr monatlich 
67 000.— Franken 
ln Steuerklasse IV/2 von ungefähr monatlich 
81 000.— Franken 
in Steuerklasse IV/3 von ungefähr monatlich 
92 000.— Franken. 
Zur Festsetzung der Vorauszahlungen auf 
die Einkommensteuer, Gemeinschaftshilfeab- 
gabe und Kirchensteuer für 1954 fordern die 
Finanzämter des Saarlandes in den nächsten 
Wochen von den Grenzgängern mit Wohnsitz 
oder Aufenthalt im Saarland Einkommenser 
klärungen an. Zur Abgabe der Erklärungen 
ist jeder verpflichtet, der dazu vom Finanz 
amt aufgefordert wird. Bei Ausfüllung der 
Erklärungen sind alle Fragen zu beantworten. . 
Die Finanzämter setzen nach Abschluß ihrer 
Ermittlungen die zu leistenden Vorauszah 
lungen in einem Steuerbescheid fest. Nach 
Ablauf des Jahres werden die Grenzgänger 
zur Einkommensteuer veranlagt. 
Die Finanzämter des Saarlandes. 
Dienstjahre 
i 
0 
2 
-j- 2% 
4 
+ 4% 
6 
+ 6% 
8 
+ 8% 
10 
+ 10% 
12 
+ 12% 
14 
+ 14% 
10 
4-16% 
18 
4-18% 
20 
+20% 
Koeffizient: 
100 
18.500 
118 
21.830 
22.267 
22.703 
23.140 
23.576 
24.013 
24.450 
24.886 
25.323 
25.759 
26.196 
123 
22.755 
23.210 
23.665 
24.120 
24.575 
25.031 
25.486 
25.941 
26.396 
26.851 
27.306 
128 
23.680 
24.154 
24.627 
25.101 
25.574 
26.048 
26.522 
26.995 
27.469 
27.942 
28.416 
140 
25.900 
26.418 
26.936 
27.454 
27.972 
28.490 
29.008 
29.o26 
30.044 
30.562 
31.080 
150 
27.750 
28.305 
28.860 
29.415 
29.970 
30.525 
31.080 
31.635 
32.190 
32.745 
33.300 
160 
29.600 
30.192 
30.784 
31.376 
31.968 
32.560 
33.152 
33.744 
34.336 
34.928 
35.520 
165 
30 525 
31.136 
31.746 
32.357 
32.967 
33.578 
34.188 
34.799 
35.409 
36.020 
36.630 
175 
32.375 
33.023 
33.670 
34.318 
34.965 
35.613 
36.260 
36.908 
37.555 
38.203 
38.850 
185 
3L225 
34.910 
35.594 
36.279 
86.963 
37.648 
38.332 
89.017 
39.701 
40.386 
41070 
190 
35.150 
35.853 
36.556 
37.259 
37.962 
38.665 
39.368 
40.071 
40.774 
41.477 
42.180 
200 
37.000 
37.740 
38.480 
39.220 
39.960 
40.700 
41.440 
42.180 
42.920 
43.660 
44.400 
210 
38.850 
39.627 
40.404 
41.181 
41.758 
42.735 
43.512 
44.289 
45.066 
45.843 
46.620 
225 
41.625 
42.458 
43.290 
44.123 
44.955 
45.788 
46.620 
47.453 
48.285 
49.118 
49.950 
240 
44.400 
45.288 
46.176 
47.064 
47.952 
48.840 
49.728 
50.616 
51.504 
52.392 
53.280 
250 
46.250 
47.175 
48.100 
49.025 
49.950 
50.875 
51.800 
52.725 
53.650 
54.575 
55.500 
275 
50.875 
51.893 
52.910 
53.928 
54.945 
55.963 
56.980 
57.998 
59.015 
60.033 
61.050 
300 
55.500 
56.610 
57.720 
58.830 
59.940 
61.050 
62.160 
63.270 
64.380 
65.490 
66.600 
über 300 
Angestellte in 
besonders verantwortlicher Stellung 
ia
	        

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