Full text: 8.1954 (0009)

Ajul6 Müi HjQett . . . 
österreichischer Gewerkschaftsbund fordert 
Bekämpfung der Preissteigerung 
Die österreichische Arbeiterschaft leidet un 
ter einer steigenden Teuerung. So sind die 
Lebensmittelpreise im Lande seit April 1953 
um 16 Prozent gestiegen. Im Mai protestierten 
die Vorstände dreier großer Gewerkschaften, 
nämlich der Textilarbeiter, der Metallarbeiter 
und der Gewerkschaft der öffentlichen Dienste 
energisch dagegen, daß nichts gegen die Preis 
steigerungen getan wird und kündigten an, 
daß die Gewerkschaften entsprechende Lohn 
erhöhungen verlangen werden, falls nicht die 
„ungerechtfertigt erhöhten Preise ehebaldigst 
auf ihre ursprüngliche Höhe zurückgeführt 
werden.“ Arbeiterdelegationen aus verschiede 
nen Großbetrieben aus St. Pölten, Liesing, Atz- 
gersdorf u. a. sprachen beim Innenminister vor 
und forderten energische Maßnahmen z. B. ge 
gen die Einlagerung von Fleisch, die man für 
neuerliche Steigungen des Fleischpreises ver 
antwortlich macht. Aus anderen Betrieben 
sandten die Betriebsräte Streikwamungen und 
Proteste an die Bundesbehörden; im Bezirk 
Simmering kam es zu ersten Warnstreiks. 
Tagung des Schweizerischen Gewerkschafts 
bundes 
Am 4. Juni tagte in Bern unter dem Vorsitz 
der Nationalräte Steiner und Arnold der 
Große Ausschuß des Schweizerischen Gewerk 
schaftsbundes. 
Der Ausschuß nahm ein ausführliches Re 
ferat von Nationalrat Steiner über den Ent 
wurf zu einem Bundesgesetz über den Ge 
samtarbeitsvertrag und dessen Allgemeinver 
bindlichkeit entgegen. In einer hierzu einstim 
mig angenommenen Entschließung erklärt er 
sich vom volkswirtschaftlichen Nutzen einer 
Verbesserung der gesetzlichen Grundlage des 
GAV und deren Anpassung an die heutigen 
Bedürfnisse überzeugt und spricht die Erwar 
tung aus, daß hierdurch besonders das Klage- 
und Kontrollrecht der Vertragsparteien ver 
wirklicht werde. Andererseits wird bedauert, 
daß in Verbindung mit dem Gesetz versucht 
werde, die Minderheitsgewerkschaften zu pri- 
vilegieren. Es liege dem Schweizerischen Ge 
werkschaftsbund fern, deswegen Befürchtungen 
um seine Verbände zu hegen. Hingegen wende 
er sich entschlossen gegen alle Bestrebungen, 
die die Vertragsfreiheit einengen. Er werde 
nötigenfalls nicht davon abstehen, das Gesetz 
mit Entschiedenheit zu bekämpfen. 
Anschließend referierte Sekretär Dr. Ed. Wyß 
über die vom Bundesrat beschlossene Er 
höhung des Brotpreises und der Mietzinse. In 
einer hierzu angenommenen Resolution gibt 
der Ausschuß seiner Entrüstung über diese Be 
schlüsse Ausdruck. Weiter wird erklärt, daß 
die organisierte Arbeiterschaft diese Verteue 
rung der Lebenshaltung nicht hinnehmen kann 
und daß Lohnforderungen unvermeidlich.wer 
den. 
v on Bundesrat und Parlament wird erwar 
tet, daß sie die Initiative des Schweizerischen 
Gewerkschaftsbundes zum Schutze der Mieter 
und Konsumenten so rasch als möglich be 
handeln und dem Volk zum Entscheid unter 
breiten. Das Bundeskomitee wird beauftragt, 
die organisatorischen Vorbereitungen für diese 
Abstimmung ohne Verzug in die Hand zu 
nehmen. 
Gemeinsamer Arbeitsmarkf 
der skandinavischen Staaten 
In Verhandlungen, die zwischen Regierungs- 
Vertretern von Dänemark, Finnland, Norwegen 
und Schweden in Kopenhagen geführt worden 
sind, wurde ein Abkommen getroffen, wonach 
ab 1. Juli dieses Jahres jeder Staatsangehörige 
der vier nordischen Länder in jedem der an 
deren nordischen Länder Arbeit nehmen kann, 
ohne um eine besondere Arbeitsbewilligung er 
suchen zu müssen. Im Abkommen heißt es 
u. a., die beteiligten Länder würden selbst 
verständlich bestrebt sein, auf ihren eigenen 
Arbeitsmärkten die Vollbeschäftigung aufrecht 
zu erhalten; sie würden sich aber über diese 
Beschäftigungsmöglichkeiten gegenseitig unter 
richten. Das neue Abkommen gilt nur für Ar 
beiter und nicht für selbständig Erwerbende. 
Grönland und die Färoer-Inseln sind vom Ab 
kommen ausgeschlossen, während Island ein 
geladen wird, sich diesem auf Gegenseitig 
keit anzuschließen. 
Gleichzeitig wurde in Kopenhagen beschlos 
sen, in sämtlichen beteiligten Ländern die bis 
her geltende Verordnung aufzuheben, wonach 
Staatsangehörige der skandinavischen Länder 
nach dreimonatigem Aufenthalt in einem skan 
dinavischen Land um eine Aufenthaltsbewil 
ligung nachzusuchen hatten. Die Abschaffung 
der Aufenthaltsbewilligung gilt für alle Skan 
dinavier und nicht nur für Arbeitsuchende. 
- Aus „Neue Zürcher Zeitung“ - 
Erfolg der freien Gewerkschaften in Italien 
Die italienischen freien Gewerkschaften, 
CISL und UIL, die dem löFG angeschlossen 
sind, erzielten einen großen Erfolg. Ein mit 
den Arbeitgebern am 13. Juni unterzeichnetes 
Abkommen bereinigte den schon lange schwe 
benden Streit über die Festlegung der Löhne, 
es bringt eine Angleichung der in den ver 
schiedenen Zonen des Landes voneinander ab 
weichenden Lohnsysteme und eine allgemeine 
Anpassung der gleitenden Lohnskalen. 
Nach der Unterzeichnung dieses Abkom 
mens kündigte CISL die Absicht an, an einer 
Erneuerung des Tarifabkommens, für die Bil 
dung gemeinschaftlicher Schlichtungsausschüsse, 
für die Einführung der Rechtsverbindlichkeit 
der Tarifverträge und die Stabilisierung der 
Preise zu arbeiten. CISL will weiter einen 
umfassenden Propagandafeldzug zur Gewin 
nung der Massen der Arbeiter für die freien 
Gewerkschaften durchführen. 
Universitätskurse für italienische Arbeiter 
Unter den Auspizien des CISL fand vom 
13. bis 15. Mai der erste gewerkschaftliche 
Kursus auf Universitätsbasis in Rom statt. Das 
Thema des Kursus war: „Wirtschaftlicher Fort 
schritt und seine sozialen und verfassungsmäßi 
gen Seiten“. Die einleitenden Referate hielten 
die Professoren Dito (Mailand) Piettre (Paris) 
und Parenti (Florenz). Unter anderen promi 
nenten Persönlichkeiten nahm der Premier 
minister Scelba an der Eröffnungszeremonie 
teil. 
Wohnungsbauplan 
italienischer Gewerkschaften 
Der italienische Gewerkschaftsbund CISL 
hat einen Plan für die Beschaffung der 2^2 
Millionen Wohnungen entworfen, die nach’ 
vorgenommenen Schätzungen zur Beseitigung 
der Wohnungsnot in Italien in den nächsten 
zehn Jahren erstellt werden müßten. Der in 
allen Einzelheiten ausgearbeitete Plan sieht 
den Bau von 200 000 bis 250 000 Wohnungen 
jährlich mit einer Investitionssumme von 1 bis 
V/i Milliarden Lire vor. Er schließt die Ent 
eignung von Bauplätzen und Beibehaltung i 
einer ausgedehnten Mietkontrolle für weitere 
zehn Jahre ein. Für die Finanzierung soll eine j 
Steuer von 10 bis 15 % auf Wohngrundstücke 
und 20 % auf Geschäftshäuser erhoben wer- ; 
den. 
Vollbeschäftigungskonferenz 
des amerikanischen Gewerkschaftsbundes 
In Washington trafen sich kürzlich über | 
500 CIO-Funktionäre aus allen Gegenden der [ 
Vereinigten Staaten zu einer Vollbeschäfti- 
gungskonferenz des CIO. Präsident Reuther I 
hob die Notwendigkeit hervor, die reaktionä 
ren Mitglieder des US-Parlaments bei den 
kommenden Novemberwahlen auszuschalten 
und legte die Vorschläge zur Belebung der ! 
amerikanischen Wirtschaft vor, welche die lei- { 
tenden Instanzen des CIO ausgearbeitet haben. I 
Frauen in der indischen Industrie 
Aus einem Bericht des indischen Arbeits 
ministeriums geht hervor, daß der Schutz dep^ 
weiblichen Arbeiter seit den ersten Versuche^! j 
einer Arbeitsgesetzgebung im Jahre 1881 lang 
same aber stetige Fortschritte gemacht hat. 
Fast unbeschränkte Arbeitszeiten wurden be 
seitigt, und Indien hat heute die Konventio 
nen der IAO über Nachtarbeit und die Un- 
tertage-Beschäftigung von Frauen ratifiziert. 
Eine Gesetzgebung für Mutterschaftszulagen 
ist sowohl zentral, wie in den Einzelstaaten 
geschaffen worden, wenn auch die Konvention 
der IAO über Mutterschaftszulagen noch nicht 
ratifiziert wurde. 
Eine vollständige Angabe über die Anzahl 
der arbeitenden Frauen ist nicht möglich, da 
es für die Landwirtschaft keine vollständigen 
Informationen gibt. Die größte Anzahl weib 
licher Arbeiter ist jedoch in der Textilindustrie 
beschäftigt, besonders im Süden ctes Landes, 
wo 33,8% der in der Textilindustrie Beschäf 
tigten weibliche Arbeiter sind. In bezug auf 
die Löhne zeigt der Bericht, daß die Frauen 
allgemein niederiger bezahlt sind als Männer, 
aber der Unterschied schrittweise verschwindet. 
Die letzten Lohnregelungen führten zu glei^M 
chen Grundlöhnen für Männer und Frauen. ™ 
Aus „Mitteilungsblatt des BIFG“ 
und „Auslandsnachrichten des DGB‘‘ 
Ende des Streiks 
der amerikanischen Hutmacher 
Der fast elfmonatige Streik der Hutmacher 
gegen die „Hut-Corperation von Amerika“ 
konnte zugunsten der Streikenden mit dem 
Abschluß eines versuchsweisen dreijährigen 
Übereinkommens abgeschlossen werden. 
aus 
frischen 
F rü chten 
hergestellt 
10
	        

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