Full text: 7.1952 (0007)

Beilage 
Seite 3 
Arbeitsschutz und Arbeitsrecht 
ln der arbeitsrechtlichen Vertretung wurde 
durch unsere Rechtsschutzabteilung in zwei Jah 
ren 270 Fälle bearbeitet und zum Abschluß! ge 
bracht mit einem Gesamtbetrag von über vier 
Millionen. 
Durch die Verhandlungen in Lohnstreitig 
keiten wurden auf betrieblicher Basis und in 
direkten Verhandlungen für unsere Mitglieder 
in der Interessenvertretung ein Gesamtbetrag 
von drei Millionen an die Betreffenden ausge- 
zalilt. 
Die Aktivität unserer Funktionäre machte es 
möglich, in 63 Orten Zahlstellen zu bilden, in 
44 Betrieben die Kassierung durchzuführen. 
Neugründungen von 15 Ortsgruppen sind ge 
plant. 
Daß der gewerkschaftliche Gedanke immer 
stärker wird, beweist die Tätigkeit unserer or 
ganisierten Betriebsratsmitglieder, die in stän 
diger Aufklärungsarbeit neue Mitglieder wer 
ben. Es muß deshalb erkannt werden, daß die 
Gewerkschaft in ihrer Organisationsform von 
der Arbeiterschaft nicht zum Selbstzweck be 
trachtet wird, sondern als Mittel zum Zweck. 
Darum müssen alle Mitglieder aktiv werden, 
denn nur eine starke Organisation garantiert 
ein gesichertes Einkommen. 
Stellungnahme zu weiteten Aufgaben 
Fachgruppen: 
Die neue Form der Gewerkschaftsbewegung 
ist die Schaffung von Industrieverbänden. Das 
bedeutet eine höhere Stufe und erhöhte Schlag 
kraft der organisierten Mitglieder. Om jedoch 
die Interessen der einzelnen Berufsgruppen in 
nerhalb des Industrieverbandes zu wahren, ist 
es notwendig, Fachgruppen zu bilden. Die 
Fachgruppen wählen ihren eigenen Vorstand so 
wie ihre Vertreter zur Tarifkommission, um bei 
den Rabmentarifverhandlungen und Lohnbewe 
gungen als beratende Mitglieder die Interessen 
der Kollegen wahrzunehmen. Bis jetzt beste 
hen sechs Fachgruppen und zwölf sind noch 
zu bilden,. 
Betriebsräte: 
Die Betriebsräte, die durch die Belegschaften 
gewählt werden, sind erst dann gute Betriebs 
räte, wenn sie gewerkschaftlich organisiert sind 
und von den gewerkschaftlich organisierten Ka 
meraden an ihre Aufgaben herangeführt wer 
den. Hier und da versagen Betriebräte in ihrer 
Tätigkeit und verursachen dadurch schlecht© 
Verteidigung auf den Arbeitsplatz und die Iso 
lierung des Betriebsrates gegenüber der Beleg 
schaft. Darum muß es Aufgabe der gewerk 
schaftlich organisierten Kameraden sein, die 
Funktion des Betriebsrates zu übernehmen, um 
die Interessen der Arbeitnehmer und ihrer selbst 
mit der Organisation verteidigen zu können. 
Dort, wo es Betriebsräte auf dieser Grund 
lage gibt, sind die Interessen voll gewahrt. 
Jugend: 
Wir können verzeichnen, daß ein großer Teil 
unserer Mitglieder Jugendliche sind, die r>ich 
sehr stark für die Gewerkschaft interessieren 
und somit neues Blut in das Leben der Orga 
nisation bringen. Darum wird eine ver 
stärke Jugendarbeit durchgeführt werden müs 
sen, um den Nachwuchs der Funktionäre der 
Organisation zu garantieren. Mit dieser Ga 
rantie werden auch die Interessen der Jugend 
gewahrt sein. 
Lehrlinge: 
Der Verband versucht mit dem Einsatz seiner 
ganzen Kraft die Interessen der Lehrlinge in 
sein Aufgabenbereich miteinzu beziehen, da die 
Art und Weise in der Behandlung der Lehr 
linge Verhältnisse zeigen, daß sie iin ersten 
Jahre als billige Hilfsarbeiter, im zweiten Jahre 
als billige angelernte Arbeiter und im dritten 
Jahre als billige Gesellen geführt werden, und 
dadurch wird die gute handwerkliche Ausbil 
dung vernachlässigt. 
Wir werden keinen Rahmentarif abschließen, 
ohne die Lehrlinge mit aufgenommen zu ha 
ben. Die Erziehungsbeihilfe war ein Beispiel 
dafür, daß sie im September 1948 eingeführt 
und am 29. 2. 52 neu verfügt wurde. Dies 
führte dazu, daß mehrere Lehrverträge ge 
kündigt wurden, da die Erziehungsbeihilfe noch 
nicht einmal ausreichte, um das Fahrgeld zu 
bestreiten. 
Wir wollen für die Lehrlinge die prozen 
tualen Sätze gegenüber dem Facharbeiter mit 
dem Arbeitgeber selbst vereinbaren. Die Stel 
lungnahme der Organisation geht dahin, keine 
Lehrlingszüchterei, sondern gute handwerkliche 
Ausbildung, entsprechend dem Beruf die Ar 
beitsvergütung, bessere Voraussetzung in der 
Berufsschule zur Erweiterung des theoretischen 
Wissens und keine Lehrlingsmißhandlung. 
Landesstock: 
Die Ausfallvergütung während der Schlechtwet 
terzeit voml5. 10. bis 31.3. fällt in eine Periode, 
Ln der die Arbeiter am stärksten durch höhere 
und am 29. 2. 52 neu verfügt wurde. Dies 
bedeutet eine Verschlechterung im Einkommen 
und führt zu unangenehmen Situationen in der 
Familie. Für die Sommerzeit, in der Lohn 
ausfall entsteht, muß dann festgesteilt werden, 
daß das Durchschnittseinkommen eines Fach 
arbeiters weiter unter dem Mindestlohn liegt. 
Darum besteht die Forderung: Lohn ausfallver 
gütung auf das ganze Jahr zu übertragen m’t 
dem Vergütungssatz von 75 o/o. 
Zur Arbeitskammer: 
1947 wurde d'e Errichtung der Arbeitskam 
mer durch die Einheitsgewerkschaft angeregt. 
Auf dem Kongreß 1949 wurde in stärkster 
Form auf die Bildung der Arbeitskammer hin 
gewiesen, da alle übrigen Institutionen, die ei 
nen Interessenkreis zu vertreten haben, eine 
Körperschaft des öffentlichen Rechts sind und 
als beratendes Mitglied bei der Regierung fun 
gieren. 
Durch die Arbeitskammer wird der jeweils 
bestehenden Regierung die Interessenpunkte der 
Arbeiter und Angestellten durch diese neutrale 
Institution übermittelt, so daß bei Gesetzes 
erlaß die Vorschläge Berücksichtigung finden. 
Der Kassenbericht 
Dem Kollegen Diederich oblag es, den 
Kassenbericht zu geben. Er führte u. a. aus: 
„Als wir am 26. 3. 1950 im Lokale Kegler 
heim zu Saarbrücken unsere zweite ordent 
liche Generalversammlung des damaligen In 
dustrien erbandes Baugewerbe abhielten, stan 
den wir finanziell in einer außerordentlich un 
günstigen Lage. Dieser Zustand war an er 
ster Stelle auf die Währungsumstellung im 
Jahre 1947 zurückzu führen. Wir sahen uns ver 
anlaßt eine vollkommene Umstellung auf die 
Hauskassierung vorzunehmen. Das bedingte eine 
Aenderung der Satzungen, um dem Vorstand 
die Möglichkeit zu geben, eine im Interesse der 
Mitglieder liegende Arbeit durchführen zu 
können. 
Daß diese so dringend erforderliche Maß 
nahme in den Mitgliederkreisen großen Wider 
spruch erweckte, war uns als Vorstand voll 
kommen klar. 
In der Generalversammlung 1950 erwies sich 
jedoch, daß ein Großteil der Delegierten sieh 
von der dringenden Notwendigkeit dieser An 
gelegenheit überzeugen ließ und die neuen Sat 
zungen beschlossen. 
Um den Mitgliedern jedoch unter Beweis zu 
stellen, daß der Vorstand mit der Erhebung 
dieser Beiträge auch gewillt war, Leistungen 
zu vollbringen, führten wir gleichzeitig ein 
satzungsgemäßes Sterbegeld ein, was zur da 
maligen Zeit für den Verband eine außeror- 
Zur Nachahmung empfohlen 
Wie uns bekannt wurde, hat der Betriebsrat 
der Firma Philippen, Heizungsbau, Saarbrük- 
ken 3, Försterstraße, für einen erkrankten Kol 
legen Nikolaus Schneider, Heizungsmonteur, 
eine Sammlung bei der Belegschaft unternom 
men und konnte mit einer Spende von seiten 
der Firma der Frau des erkrankten Kollegen 
durch den 1. Beauftragten ein Betrag von Frs. 
25 500.— ausgehändigt werden. 
Es freut uns als Organisation ganz besonders, 
daß wir immer noch in einigen Betrieben die 
Feststellung treffen können, daß es Arbeitska 
meraden gibt, die bedacht sind, ihren erkrank 
ten Arbeitskollegen durch eine solche Samm 
lung die Notlage überbrücken zu helfen. 
Wir sagen aus diesem Grunde dem Betriebs 
rat und der Belegschaft einen herzlichen Dank 
für ihre soziale Tat Lm Aufträge des erkrank 
ten Kollegen Schneider. 
dentliche Belastung darstellte. Die eigentli 
chen Schwierigkeiten zwecks Erhebung dieser 
satzungsgemäßen Beiträge machte uns gerade 
kein leichtes Arbeiten. Dieses war nur darauf 
zurückzuführen durch die verschiedentliche Bei- 
tragserhebung anderer Industrieverbände die, 
entgegen der Satzungen der Einheitsgewerk 
schaft ihren Mitgliedern einen sehr geringen 
Beitrag einräumten. Bedauerlicherweise sind 
auch heute noch Industrieverbände da, die nur 
Wert auf Mitgliederzahlen legen, jedoch keine 
ordnungsgemäße Beitragsabführung verlangen, 
was eine Einschränkung der Aktionsfähigkeit 
bedeutet, sodaß gerade unser Vorstand sich ver 
anlaßt sah, dem zweiten Landeskongreß der 
Einheitsgewerkschaft einen Antrag zu unter 
breiten, wonach der Kongreß beschließen soll, 
daß alle Industrieverbände verpflichtet sind, 
diese Mindestbeiträge zu erheben. Dieser An 
trag wurde auch einstimmig von dem Kongreß 
angenommen, jedoch muß abgewartet werden, 
welche Beschlüsse der neugewählte Landesvor 
stand zur Durchsetzung dieses Antrages faßt. 
Daß unser Vorstand den allgemein richtigen 
Weg gegangen ist, beweist sich heute auf un 
serem 1. ordentlichen Verbandstag. Der I. V. 
Baugewerbe wurde mit dem I. V. Holzgewerbe 
zusammengelegt. Als bestes Beispiel haben sich 
die Auswirkungen der Beitragsleistungen bei 
dem von uns übernommenen Industrieverband 
Holz gezeigt, dem keinesfalls die Möglichkeit 
gegeben war, auf die Dauer lebensfähig zu sein 
und eine Betreuung der Mitglieder so vor 
nehmen zu können, wie es der Art der Orga 
nisation entsprechen muß. 
Wir haben gerade bei den Mitgliedern des 
I. V. Holz einen schweren Weg zu gehen ge 
habt, nämlich diese von einem Beitragsstand 
von 80.— bis 150.— Frs. in wenigen Monaten 
auf den jetzigen Beitragsstand zu bringen. Fest 
gestellt werden muß, daß gerade diese Mit 
glieder, die wahren Vorteile der Zusammenle 
gung voll und ganz erkannt haben. 
Die Aufnahmetätigkeit unseres Verbandes in 
den zwei letzten Jahren von über 4000 Mit 
glieder stellt unter Beweis, daß wir als Or 
ganisation den Zuspruch der Bau- und Holz 
arbeiter haben und daß ein Teil der Arbeit-: 
nehmer von der Arbeitsweise unseres Verban 
des sich überzeugen ließ. Auf der anderen 
Seite haben wir gerade in dem Industriezweig 
der Bauwirtscbaft den Umstand zu verzeichnen, 
indem Mitglieder in nicht saisonbedingte In 
dustriezweige überwechseln. 
Kollege Diederich gab nun einige kas 
sentechnische Zahlen bekannt und führte wei 
ter u. a. aus: 
Gerade die Vielzahl der Betriebe und Bau 
stellen in unseren Industriezweigen zwingt uns 
dazu, den Außendienst mit den drei Angestell 
ten aufrechtzuerhalten. Er ist darüber hinaus 
notwendig, daß regelmäßig ein Beilag^hlatt in 
der „Arbeit“ erscheint. Der Verband und an er 
ster Stelle der Verbandsausschuß und Vorstand 
haben keine Unkosten gescheut, um den Wün 
schen der Mitglieder gerecht zu werden. 
Was den Satzungsentwurf betrifft, so können 
die Kollegen die Feststellung treffen, daß wir 
erstens das Sterbegeld weit verdoppelt und 
desweiteren eine Krankengeldunterstützung ein 
geführt haben. Die Sätze für Krankengeld ha 
ben wir so gehalten, daß sie für den Ver 
band erträglich sind, da wir zuerst die Aus 
wirkungen dieser Unterstützung in den näch 
sten beiden Jahren abwarten müssen, um dann, 
wie im Falle der Sterbeunterstützung, eine ent 
sprechende Erhöhung vornehmen zu können. 
Eine Erhöhung der Beiträge für Lehrlinge, 
Kranken, Invaliden und jugendlichen Hilfsar 
beiter ist nicht erfolgt, nur haben wir ledig 
lich eine weitere Staffelung der Beitragsmar 
ken bis zu 700.— Frs. vorgenomraen. Die Er 
höhung der zuerst genannten Gruppen mußte 
erfolgen, da wir bereits einen Kopfbeitrag von 
25.— Frs. an die Hauptverwaltung der Ein 
heitsgewerkschaft entrichten müssen und des 
weiteren einen 10 o/oigen Anteil an die Haus 
kassierer zahlen, sodaß nur ein geringer An 
teil zur Bestreitung der anlaufenden Verwal- 
tuugsunkosten übrig bleibt. 
Wenn wir von einer generellen Erhöhung 
der Beiträge in unserem Satzungsentwurf Ab 
stand genommen haben, so geschah dieses, um 
den weiteren Aufbau der Organisation nicht 
zu hemmen, jedoch müssen wir uns jetzt schon 
darüber im klaren sein, in den zwei nächsten 
Jahren zu diesem Ziel zu gelangen, einen Bei 
trag einzuführen, wie es der Tradition der 
Bau- und Holzarbeitergewerkschaft entspricht, 
uähmlich Zahlung eines Stundenlohnes pro 
Woche. Es wird den Kollegen doch verständlich 
sein, daß gerade wir hier im kleinen Saar 
land, vollständig auf uns angewiesen sind und 
somit über Gelder verfügen müssen, uin unsere 
Forderungen gegenüber den Arbeitgebern 
durchsetzen zu können. Die Kollegen mögen 
bedenken, daß ohne einen gut gefüllten Kas 
senschrank in der Gewerkschaftsbewegung noch 
nie ein unbegrenzter Streik gewonnen werden 
konnte. Das Opfer welches das Mitglied in 
Form seines Beitrages der Organisation zur 
Verfügung stellt, muß so hoch liegen, daß diese 
die Möglichkeit hat, einen entsprechend der 
Mitgliederzahl erforderlichen Kamnffond an 
zulegen, um auch gewährleisten zu können, 
seine Mitglieder, einschl. seiner Frau und Kin 
der bei einem evtl. Streik zu unterstützen.“ 
Die Diskussionen 
Als erster Diskussionsredner sprach Kollege 
Koble. 
Der Verbandstag ist ein Rückblick auf das, 
was die Gewerkschaft geleiset hat. Wir haben 
das Gefühl, daß nicht intensiv genug gearbei 
tet wurde. Wir sind informiert worden, was 
der Verband getan hat. Wir müssen feststel 
len, daß die Löhne um mindestens 50 ojo ge 
sunken sind. Gerade das war unser Verlust 
von 15—18 Mark im Monat. Dies ist alles 
Geld, was die Unternehmer zusätzlich verdie 
nen. Hier gilt es, was einmal war, wieder zu 
erlangen. Außerdem verlangen wir eine inner 
gewerkschaftliche Demokratie. Wir müssen 
feststellen, daß diese nicht gewahrt ist. Im 
mer und immer wieder wurde das Betriebsräte 
gesetzt, was ein Fortschritt für die Arbeiter 
darstellt zurückgestellt, wogegen andere Ge 
setze innerhalb 14 Tage erledigt wurden. Un 
sere soziale Gesetze müßten weiter ausgebaut 
werden, darunter die Arbeitslosenunterstützung 
und das Krankengeld. Aenderung des derzeiti 
gen Zustandes an der Saar. Das ist die Frage, 
die für uns von Wichtigkeit ist. 
Ernst Krämer: Am 23. April hatten 
wir einen 24stündigen Streik mit einer Groß 
kundgebung, bis jetzt wurde nichts erreicht. 
Ich bin der Meinung nur Gesamtaktionen ha 
ben Sinn und Zweck. Im Moment ist es nicht 
mehr am Platze, Rücksicht zu nehmen. Kolle 
ginnen und Kollegen, ich rufe Euch zu „Nur 
ein Generalstreik bringt uns Erfolge.“ 
Schwarz Peter: Ich stelle fest, daß das 
Organisationsverhältnis schlecht ist. Die gro 
ßem Unternehmen sind erfaßt, die kleinen 
nicht. Bei den großen Firmen werden die Kol 
legen sofort beim Eintritt organisiert und die 
Beiträge gezahlt. Bei den kleinen Betrieben 
werden keine Ueberstunden bezahlt und die 
Leute wissen es nicht einmal, daß sie das zu 
bekommen haben. Auf der einen Seite sparen 
sie 400 Frs. Beitrag und dort verlieren sie 
3000 bis 4000 Frs. an Ueberstunden. Hier ist 
an der Zeit alle Kräfte mobil zu machen. 
Buchmann : Man hat alles wieder müh 
selig aufgebaut und die ArbeitskSmmerwahl 
stellt uns nicht zufrieden. Das Betriebsrätege 
setz liegt schon mehr als 2 Jahre beim Land 
tag and ist bis heute noch nicht verabschiedet 
und ohne Generalstreik werden wir es auch 
nicht bekommen. Wir haben 1947 die Betriebs 
räte gewählt und es wäre an der Zeit, daß 
eine Neuwahl stattfindet. Wir haben ein Ja 
gendschutzgesetz. Wenn ein Jugendlicher mit 
14 Jahren erst um 10 Uhr heimkommt so 
dürfte es nicht heißen, Jugendliche dürfen 
nicht mehr als 8 Stunden beschäftigt werden, 
sondern der Arbeitgeber müßte seinen Betrieb 
geschlossen bekommen. Ich bin für die Ab 
schaffung der Konventionen. 
Britz : Ich möchte feststellen, daß nur V« 
der gesamten Arbeitnehmerschaft bei der Ar 
beitskammerwahl gewählt hat. Woher nimmt 
die Kammer sich das Recht, gesetzliche Bei 
träge zu erheben. Ich würde e^Xegrüßen, wenn 
man auch für die Einheitsgewerkschaft den 
Beitrag gesetzlich festlegen würde, denn die 
sind wichtiger. Ich stelle den Antrag, daß eine 
Entschließung, die ich Ihnen vorlege, von den 
Kollegen angenommen wird. Darin heißt es, 
daß die Bauarbeiter gegen den Beitrag für die 
Arbeitskammer sind. 
L e h n e r t : Ich komme aus der Holzverar 
beitenden Industrie. Es wurden die Löhne fest 
gesetzt für die Hilfsarbeiter. Als Grundlage 
wurde der Mindestlohn genommen. Diese Ab 
machung soll *eine Lohnerhöhung darstellen. 3 
Stellen sind allein bei den Hilfsarbeitern vor 
gesehen, Da heißt es, das kann gezahlt wer 
den. Wir haben uns dann gleich zusammenge 
setzt und dem Verband eine Eingabe einge 
reicht, daß wenigstens die Lohnzonen wegfal 
len und wir eine einheitliche Stufe für Ange 
lernte Arbeiter bekommen. Der Betrieb muß 
! 'a seine angelernten Arbeiter haben. Wir ver- 
angten ferner eine Kategorie Facharbeiter. Zur 
Arbeitskammer: Wir brauchen keine Kommis 
sionen, die unsere Interessen doch nicht ver 
treten. Wir sind gegen die Arbeitskammer. 
B i e s : Schon viermal wurde gesprochen 
über die Arbeitskammer. Auch ich möchte sa 
gen, die Arbeitskammer brauchen wir nicht. 
Wir haben letzte Woche 48 Arbeitslose in der 
Holzfaserfabrik in Losheim. Nun muß man sieh 
fragen, warum darf Deutschland kein Holz lie 
fern, daß die Entlassungen aufgehalten wer 
den können. „Aenderung des derzeitigen Zu 
standes an der Saar.“ Wir bekommen heute 
von Frankreich 42 Frs. für die Tonne Kohle. 
500 Frs. müssen wir für einen Zentner bezah 
len. Wir müssen dafür sorgen, daß der Staat 
im Staate die Regie des Mines seine Macht 
stellung verliert und die Bergarbeiter ihr Ta 
rifvertragsrecht bekommen. Regierung erkennt 
den staatlichen Schlichter nicht an. Was tut 
das Arbeitsministerium in dieser Angelegen 
heit.? Für uns kann es nur bedeuten: „Weg 
mit den Konventionen.“ Das Handwerk leidet 
auch unter diesem Zustand weil man die Steuer 
immer nachträglich hochsetzt. Welches Recht 
räumt sich eine Arbeitskammer ein, wenn 
sic einfach die Beiträge einbehält. Es ist 
für uns beschämend, daß sich eine Arbeits 
kammer so zusammensetzt. Es müßte deshalb 
unsere Aufgabe sein, den Leuten zu sagen, daß 
sie immer in unserm Sinne ihre Pflicht tun. 
Kameraden wegen dem Betriebsrätegesetz 
müßte man die Kollegen auf die Straßen füh 
ren und dafür kämpfen. Die Schulung muß 
jetzt erfolgen, ehe das Gesetz da ist. 
M u n a r i : Kollege Munari machte die 
Kollegen darauf aufmerksam, daß sie einen 
Geschäfts- und Kassenbericht gehört hätten 
und daß es angebracht sei, daß man sich hier 
über unterhält und diskutiert und dem Vor 
stand neue Richtlinien für die Zukunft gibt. 
Bis jetzt sei niemand auf die beiden Berichte 
eingegangen und es sehe aus, wie wenn nichts 
gearbeitet worden sei. Er bittet die Kollegen 
über Geschäfts- und Kassenbericht sich zum 
Wort zu melden. 
Ecker: Ich möchte mich zunächst mit dem 
Geschäftsbericht und der Zusammenlegung von 
Bau und Holz beschäftigen. Bei der letzten 
Generalversammlung des I. V. Baugewerbe wa 
ren wir als Holzarbeiter noch nicht bei I. V. 
Bau. Es war aber ein unglücklicher Umstand, 
daß die beiden Gruppen, die zusammen ge 
hörten, nicht zusammen waren. Es war damals 
mein Bestreben, daß beide Industrieverbände 
zusammen kommen. Im Juni vorigen Jahres 
war es dann endlich soweit. Wir hatten aber, 
wie Kollege Munari in seinem Bericht erwähnte, 
für Holz einen tariflosen Zustand. Man hatte 
versäumt bei den Abschlüssen von Lohnverträ 
gen darauf hinzuweisen, daß die tariflichen 
Bestimmungen in Kraft bleiben. Dies betraf 
ungefähr 2000 Betriebe der Holzbranche. Dem 
entsprechend war auch das Organisationsver 
hältnis. Die Leute waren in den Betrieben auf 
genommen und konnten nicht mehr kassiert 
werden, weil keine Kassierung bestand. Orts 
gruppen waren keine vorhanden. So gingen 
uns viele Fachkräfte verloren. Nun kam die 
Zusammenlegung und wir konnten sagen, daß 
unsere Sache mit einem Schwung aufwärts ging. 
Unser Vorstand hier hat die Eingaben gemacht 
und die Verhandlungen mit aller Energie ge 
führt. Ich war selbst in vielen Verhandlun 
gen anwesend und kann nur sagen sie waren 
in den besten Händen. Aber alle Verhandlungen 
wurden vom Vorstand geführt. Es war keine 
Eingabe da, die von den Mitgliedern gekommen 
ist. Und wir können sagen wir haben gut ab 
geschlossen. In manchen Gruppen waren es bis 
zu 50 o/o Erhöhung. Jedoch bereiten nns bei 
unserem Kampf um unsern Lohn die Indiffe 
renten die meisten Schwierigkci en. Es bleibt 
uns als Funktionäre noch ein schönes Stück 
Arbeit zu leisten bis wir d“n letzten in un 
sern Reihen haben. 
Lauer: Ich bin der Ueberzeugung, daß 
es Sinn und Zweck der Gewerkschaft ist, die 
Interessen wahrzunehmen und zu vertreten. Tch 
komme von Losheim. Schon mehrmals waren 
die Vertreter von Bau bei uns draußen. Sie 
mußten jedesmal hören, warum man nicht ge 
gen die Lohnzonenreduzierung Stellung nimmt. 
Wenn einer glaubt, wir würden billiger leben 
als die Kameraden in Saarbrücken- so irrt er 
sich. Es ist deshalb notwendig, daß man das 
zur Diskussion stellt. Es ist eine Ungerechtig 
keit den Arbeitern von diesen Gebieten gegen 
über. Ich möchte die Vertreter der Gewerk 
schaft bitten, in Zukunft unsern Betrieb be 
sonders zu unterstützen und öfters nach dem 
Rechten sehen. Wir haben in den letzten Wo 
chen Entlassungen zu verzeichnen. In den letz 
ten Tagen bleiben auch die Bestellungen aus. 
Die Firma sieht sich auf Grund des Absatzman- 
gels nicht mehr in der Lage, die Leute zu hal 
ten. Es ist aus diesem Grunde wichtig, daß 
wir ein gesundes Mitbestimmungsreoht erhalten. 
Binder von der Industriegewerkschaft 
Bau-Steine Erden: Als Bezirksleiter von Bau-
	        

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