Full text: 7.1952 (0007)

März 1952 
Seite 3 
l.v. Eisenbahn: 
// 
. * .Wir haben gesiegt! 
// 
„Das Flügelrad“, Mitteilungsblatt des 
I.-V. Eisenbahn der EG, bringt in seiner 
letzten Ausgabe unter dem Titel „CGSs 
Wir haben gesiegt 1“ Feststellungen, in de 
nen cs u. a. heißt: 
Dr. L)r.: Ich aber heimse den Siegeslohn eint 
Wer hat also gesiegt:... 
Ich, der Eisenbahn - Oberinspektor Karl 
Sr-hmidt, Vorsitzender der Christlichen Ge 
werkschaft, — Eisenbahn —! 
Die Regierung des Saarlandes hat mir als Ver 
dienst für die Einbringung des Gesetzes zur 
Regelung der Lohn- und Besoldungsverhält 
nisse der Eisenbahner des Saa^landes und des 
sen Verteidigung mit allen erlaubten und un 
erlaubten Mitteln 
eine fette Pfründe 
geschenkt. 
Irh allein habe der Regierung den Weg geeb 
net. um das berühmte Gesetz einführen zu 
können 1 
Mein Verdienst ist es, daß die meisten Eisen 
bahner des Saarlandes jetzt weniger verdienen 
und die Regierung dadurch erhebliche Mittel 
spart I 
Daher ist es Pflicht der Regierung, mich für 
die von mir geleistete Arbeit auch zu bezah 
len und mir eine hübsche, hohe Summe nach 
zuzahlen und zu schenken. 
Wenn die Beamten-Vereinigung mich auch 
unterstützte und Schmiere bei der Einbrin 
gung des Gesetzes stand, bleibt es doch allein 
mein Verdienst, deshalb teile ich nicht und 
behalte den Gewinn für mich! 
Außerdem war ich es, der dafür gesorgt hat, 
daß die Einheit der Eisenbahner gespalten 
wu rde! 
Wahrlich, das habe ich für meine Arbeit ver- 
dientlll 
Meint Ihr das nicht auch, Ihr Eisenbahner?? 
So ungefähr müßte ein Artikel des Herrn Ei 
senbahn-Oberinspektors in Ruhe und "jetzt zum 
aktiven Amtmann beförderten Karl Schmidt in 
der nächsten Nummer seiner Zeitung lautenI 
„Objektivität" 
der „Saarbrücker Zeitung" 
Die „Saarbrücker Zeitung 1 *, die man poli 
tisch und religiös als neutral bezeichnet, hat 
manchmal das Mißgeschick, daß ihre Berichte 
nicht so ganz den Gegebenheiten entsprechen. 
In Nr. 60 vom Mittwoch, dem 12. 3. 1952, ver 
sucht man die Erhöhung des Haftpflichttarifs 
für die Autobesitzer damit zu begründen, daß 
du ui der Metallindustrie Beschäftigten, wie 
es heißt, vom 1. 4. 1950 bis 1. 2. 1952 eine 
Lohnindexerhöhung von 116 auf 182 Punkte 
gehabt hätten, d. h. eine Erhöhung von 56,9 
Prozent, dagegen sei nur eine Durchschnitts 
preiserhöhung von 116 auf 167,5 Punkten, d. 
b. vt.: 44,4 o/o eingetreten. Uns scheint, daß 
man damit sagen will, daß die Löhne und Ge 
hälter gegenüber den Preissteigerungen weit 
voraus sind. Das kommt ja auch bei jeder Lohn- 
Verhandlung zum Ausdruck, indem die Arbeit 
geber immer versuchen, von den sogenannten 
Inflationslöhnen auszugehen, d. h. die Zeiten 
als Ausgang zu nehmen, in denen durch den 
Krieg und seine Nachwirkungen bedingt die 
Löhne und Gehälter auf einem denkbar niedri 
gen Stand waren. Vergessen wird natürlich 
immer von Arbeitgeberseite und sonstigen Sta 
tistikern, daß die Leistung der Arbeitnehmer 
von diesem Zeitpunkt bis heute um beinahe 
100 o/o gestiegen ist, und das beweisen auch 
die Umsätze der einzelnen Industriezweige. 
So hatte unter anderem die eisenschaffende 
Industrie des Saarlandes im Januar 1950 ei 
nen Umsatz von 3 784,0 Mill. Franken und die 
weiterverarbeitende Eisen- und Metallindustrie 
ebenfalls im Januar 1950 einen Umsatz von 
2 768,9 Millionen Franken. Nach dem Bericht 
des Statistischen Amtes erzielte die eisenschaf 
fende Industrie im Dezember 1951 einen Um 
satz von 7 166,6 Millionen Franken und die. 
weiterverarbeitende Eisen- und Metallinstrie 
einen solchen,/von 5 510,5 Millionen Franken. 
Das bedeutet also eine Steigerung der Arbeits 
leistung in der eisenschaffenden Industrie von 
von 89,4 o/o und in der weiterverarheitenden Ei 
sen- und Metallindustrie von 99,01 o/ 0 . 
Auf einen Ausgleich des erhöhten Umsatzes, 
der doch gewissermaßen nur dadurch erzielt 
wurde, indem die saarländischen Arbeitnehmer 
höhere Leistungen vollbrachten, warten die in 
der saarländischen Metallindustrie Beschäftig 
ten heute noch. Der Arbeitgeherverband der 
Eisen- und Metallindustrie des Saarlandes hat 
zu dieser wichtigen Frage bis jetzt noch keine 
klare Antwort gegeben. Es wäre ein dankbares 
Gebiet der sonst so findigen Redakteure der 
„Saarbr.ücker Zeitung“, wenn sie auch einmal 
in dieser Richtung ihre Untersuchungen an- 
stellcn würden. - r. - 
Ein Gerücht bekommt Gestalt! 
Schon seit langer Zeit ging unter unseren 
Eisenbahnern das Gerücht, daß die Regierung 
von der Eisenbahndirektion verlangt habe, den 
am 1. 9. 1950 auf Grund der Erreichung der 
Altersgrenze — wie alle Beamte — in den Ruhe 
stand versetzten EOI. Karl Schmidt wieder in 
den aktiven Dienst zu übernehmen und zum 
Amtmann zu befördern. S )gar der Verwaltungs 
rat hatte sich schon einmal mit diesem Fall zu 
beschäftigen. 
Diese Gerüchte verdichteten sich immer mehr, 
zumal 01- Schmidt selbst des öfteren öffentlich 
erklärte, er sei laut Kabinettsbeschluß immer 
noch aktiver Beamter, wenn dies die ED auch 
nicht zugeben wolle. 
Die Bombe platzt! 
Durch einen Erlaß der Regierung des Saar 
landes. Ministerium für Wirtschaft und Ver 
kehr, Ernährung und Landwirtschaft, ist der 
Eintritt in den Ruhestand des Eisenbahn-Ober 
inspektors Karl Schmidt, zuletzt im EAW Bur 
bach. hinausgeschoben. Schmidt, der seit 1. 9. 
1950 Ruhegehalt bezieht, gilt dadurch ab 1. 9. 
1950 weiter als aktiver Eisenbahn-Oberinspek 
tor. Die Dienstbezüge der Gehaltsklasse 15 sind 
ihm mit Wirkung vom 1. 9. 1950 einschl. aller 
Zulagen, die seit diesem Datum den aktiven 
Bediensteten gewährt worden sind, nachzu 
zahlen. 
Da Schmidt zur weiteren Dienstleistung ab 1. 
9. 1950 bereit’war, die Direktion aber auf seine 
Dienstleistung verzichtete, (da er das 65. Le 
bensjahr erreicht und die Direktion keine Be 
schäftigung für ihn hatte), ist ihm auch die Ver 
waltungsprämio und die Jahresabschlußprämie 
in voller Höhe zu zahlen. 
Außerdem verfügt die Regierung des Saar- 
landes, daß Schmidt rückwirkend zum Eisen 
bahn-Amtmann zu befördern ist. Im Zuge die 
ser rückwirkenden Beförderung ist Schmidt wie 
derum der Unterschied zwischen dem Gehalt 
eines aktiven O.-Inspektors und Amtmannes 
mit allen Prämien und Zulagen ebenfalls nach- 
zu/ahlen. 
Jeder kann sich die Höhe dieser zwei voT- 
kommen unberechtigten Nachzahlungen ausrech 
nen. Sie erreicht eine Weltrekordhöhe insofern, 
weil es so etwas bisher auf der ganzen Welt 
noch nicht gegeben hat. Im Zeichen des „olym 
pischen Jahres“ hat Herr Schmidt die erste 
„goldene Medaille“ für sich (oder Saarabien?) 
errungen 1 
Nach Schilderung der Rechtsgrundlage fährt 
das Blatt fort: 
Wir fragen die Regierung: 
Welche dringende dienstliche Rücksichten 
liegen zur Begründung des Erlasses vor? 
Wann hat die Verwaltung die Fortführung 
der Dienstgeschäfte durch Herrn Schmidt 
gefordert? 
2. 
1. 
Wir stellen fest: 
Da Herr Schmidt sich seit 1. 9. 1950 im 
Ruhestand befindet, seit diesem Tage kei 
nerlei Dienstverrichtungen für die Eisen- 
bahnverwaltung geleistet hat, 
sein früheres und letztes Pei^um durch 
Nachfolger vollwertig erledigt wurde, 
nicht die geringste Störung in der Abwick 
lung der Dienstgeschäfte eingetreten ist, 
kann unmöglich ein dringendes dienstliches Be 
dürfnis für die Hinausschiebung der Zurruhe 
setzung des Herrn Schmidt Vorgelegen naben. 
2. Ehe beschäftigende Verwaltung, die schließ 
lieh und endlich die Notwendigkeit einer 
Beibehaltung eines pensionsreifen Beamten 
beurteilen kann, 
hat nicht nur die Beibehaltung abgelehnt, son 
dern sogar ausdrücklich auf weitere Dienstlei 
stungen verzichtet. 
Wir fragen die Regierung weiten 
1. können nicht alle übrigen seit 1, 9. 1950 
pensionierten Eisenbahner die gleiche Be 
handlung fordern? 
2. Wie verhält sich die deutsch-nationalisti 
sche ■ „Heim-ins-Reich-Versammlungspoli- 
tik“ des Herrn Schmidt mit den politischen 
Bestrebungen der Regierung? Spricht Herr 
Schmidt nicht mit zwei Zungen? Fordert 
er nicht in Wort und Schrift Vertrauen 
für diese Regierung, deren Politik er auf 
der anderen Seite untergräbt? 
Verständnis unsererseits. 
Wir verstehen aber die Maßnahmen deB 
Herrn Ministerpräsidenten, wenn er dem Vor 
sitzenden der Regierungsgewerkschaft und sei 
nem Günstling, Herrn Karl Schmidt, für die 
Verdienste, die dieser für die Regierung ge- 
geleistet hat, ein Millionen-Geschenk gibt 11 
In Schriften und Reden hat Herr Schmidt 
die Eisenbahner immer wieder aufgefordert, 
Vertrauen zu der Regierung Hoffmann zu haben. 
Weitere Ungerechtigkeiten! 
Die Spaltung der Arbeiter von den Beamten 
wurde vollzogen. 
Die Gehälter der Beamten wurden ab 1. 1. 52 
provisorisch um 10 o/o erhöht. 
Für 9 000 Arbeiter ist kein Geld vorhanden! 
Ihre Löhne werden nicht erhöht, während 
das Gehalt des Ministerpräsidenten seit 14. 6. 
1949 um 65 o/ 0 ,seine Aufwandsentschädigung um 
100 o/o stieg. 
Herr Karl Schmidt ruft die Eisenbahner auf, 
zu dieser Regierung Vertrauen zu habenll 
Die Einheitsgewerkschaft, I.-V. Eisenbahn, 
kann dieses Vertrauen zu einer Regierung nicht 
teilen, die nach unserer Meinung 
Verfassungs-Bruch übt, — 
das Beamten-Gesetz mißachtet, — 
maßgebliche demokratische Prinzipien ver 
missen läßt, — 
den Bediensteten der öffentlichen Betriebe 
das Recht auf Kollektiv - Vereinbarungen 
(Tarif-Vertragsrecht) verweigert. 
* 
Man hat in den letzten Jahren schon man 
ches arbeiter- und gewerkschaftsschädiger.de 
Verhalten iin gegnerischen Lager beobachten 
müssen. Hier liegt nun ein Fall vor, der wohl 
alles in den Schatten stellt, was bisher zum 
Vorschein gekommen ist. Organisierte und un 
organisierte Arbeitnehmer, nicht nur der Ei 
senbahn, sondern in allen Berufsschichten, wer 
den sich ein solches Verhalten wohl merken 
und ihre Schlüsse daraus ziehen. Bei vielen, die 
bisher gleichgültig blieben oder falsch unter 
richtet waren, wird die Stimmung Umschlägen, 
ja sie ist bei manchen schon uuigeschlagen, und 
sie werden den W'eg zu d e r Arbeitnehmerver 
tretung finden, die in den wahren gewerkschaft 
lichen Prinzipien fegt verankert ist. 
Versammlung der Angestellten 
Oie Tagesordnung des 
Landeskongresses in Sulzbach 
Nicht nur einen interessanten, sondern auch 
einen bedeutsamen Einblick in das Gefüge der 
Saarländischen Eisenbahnen und damit der 
saarländischen Wirtschaft vermittelte eine 
Versammlung, die kürzlich von der Einheits 
gewerkschaft, Fachgruppe Angestellte der Ei 
senbahnen, einberufen worden war. 
W as die Veranstaltung von ähnlichen Zusam 
menkünften unterschied, was vor allem die 
Sachlichkeit, um die sich der Versammlungs 
leiter, der Referent und die Diskussionssprecher 
bemühten. Dies ist um so mehr hervorzuheben, 
als aus dem gesamten vorgetragenen Material 
die tiefe Erregung, ja Erbitterung spürbar 
wurde, welche die Angestellten der Saarländi 
schen Eisenbahnen seit 1947 erfaßt hat. 
Die Angestellten der Saarländischen Eisenbah 
nen sind trotz der enormen Steigerung der Le 
benshaltungskosten, und obwohl die Direktion 
dem wirtschaftlichen Notstand in bezug auf 
Arbeiter und Beamte Rechnung trug, auf ihren 
Juli-1951-Gehältern stehen geblieben. Sie ver 
langen jetzt mit Nachdruck, daß man sich end 
lich daran erinnert, nicht nur Arbeiter und Be 
amte, sondern auch Angestellte zu betreuen und 
zu versorgen. 
In einer Entschließung, die am Ende der 
Versammlung einstimmig angenommen wurde, 
wird gefordert, daß man mit der bisherigen 
Behandlung der Angestellten Schluß macht, daß 
man ihnen die ihren Leistungen entsprechenden 
Gehälter zahlt und durch eine Neueingruppie 
rung alte Ungerechtigkeiten beseitigt und neue 
vermeidet. 
Kollege Weber umriß in kurzen Zügen 
Programm der Fachgruppe der Angestellten. 
und 
Des- 
brachte zum Ausdruck, daß gründliche 
sachliche Arbeit geleistet werden müsse, 
halb bat er die Anwesenden, mit allen Kräften 
mitzuhelfen. An diese Worte schloß er sein 
Bedauern über die gewerkschaftliche Spaltung 
an der Saar. Diese Spaltung hat sich nicht 
zum Wöhle der Arbeiter und Angestellten aus* 
gewirkt. 
Alsdann umriß Kollege Weber das vor den 
Angestellten liegende Aufgabengebiet, dem er 
dem im Schumanbrief verankerten Grundsatz 
der „Wahrung des Besitzstandes“ zugrunde 
legte. Der Vortragende erinnerte an die Unzu 
länglichkeiten auf dem Gebiete der Angestell 
tenversicherung, der Krankenversicherung, der 
Altersversorgung. Ebenso verlangte er den 
Punkt „Ueberführung von langjährigen be 
währten Angestellten in das Beamtenverhältnis“ 
in das Arbeitsprogramm aufzunehmen. „Die 
Angestellten der Saarländischen Eisenbahnen 
lassen sich in bezug auf Diensteifer, Pünkt 
lichkeit und fachliches Wissen von niemandem 
übertreffen.“ 
Die Aufgabe der neu zu bildendien Kommis* 
sion sei es, ihm bei der Neueinstufung der An 
gestellten zur Seite zu Stehern Wörtlich führte 
er aus: „Ich habe so viel Vertrauen zu Ihrer 
Einsicht, daß Sie nicht wahllos und uftbegrün- 
dete Wünsche vortragen werden. Geben Sie 
mir in jedem einzelnen Falle stichhaltige Be-< 
gründungen, mit denen ich gegenüber dem Sach 
bearbeiter der Eisenbahn wirksam operieren 
lind endlich auch durchdringen kann. Ich kann 
Ihnen versichern, daß uns keine Mühe zu vkn 
sein wird, um allen gerechten Forderungen mm 
Siege zu verhelfen.- 4 * 
I.V. Fabrikarbeiter: 
Der Vorstand teilt mit: 
1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Konstituie 
rung des Landeskongresses: a) Wahl der Kon- 
grcßleitung, b) Wahl der Kommissionen. 3, 
Berichte: a) des Landesvorstandes, b) Kassen 
bericht, c) Bericht der Revisionskommission, d) 
Bericht der Rechtsschutzabteilung, e) Bericht 
der Sozialabteilung, f) Bericht der Wirtschafts 
abteilung, g) Bericht des Jugendsekretariats. 4. 
Aussprache. Beratung und Beschlußfassung über 
satzimgsänderndc Anträge. 6. Wahl des Vor 
standes. 7. M ahl der Revisionskommission. 8. 
Beratung und Besehlußfassung iiher sonstige 
Anträge. 9. Scbltißanspraelie des 1. Vorsitzen 
den. 
Wir teilen den Mitgliedern unseres Verban 
des mit, daß der Aufnahmeantrag des Herrn 
Josef Görgen, beschäftigt bei der Firma Vil- 
leroy & Boeh, Merzig, vom Vorstand abge 
lehnt worden ist. G. hatte vor der Arbeitskam 
merwahl Flugblätter verteilt, deren Inhalt ge 
gen die Arbeilskatnmer gerichtet war. Leute, 
die gewerkschaftliche Erfolge sabotieren wol 
len, haben in unseren Reihen keinen Platz. 
Gegen Verschleppung von 
Verhandlungen. 
Der Vorstand des I.-V. der Fabrikarbeiter hat 
sich in einer am 12. 3. 1952 stattgefundenen 
Sitzung mit der Verzögerung von äußerst wich 
tigen Arbeitsg^richtsprozessen seitens dgr Ar 
beitsgerichte befaßt. Der Vorstand hat festge-, 
stellt, daß Betriebsobmänner, die fristlos ent 
lassen worden sind, zu lange auf eine Ver 
handlung beim Arbeitsgericht warten mußten. 
In einem Falle dauerte es über ein Jahr. Dies 
ist umso bedauerlicher, als gerade in der heu 
tigen Zeit jeder Mensch — besonders wenn er 
Familienvater ist — auf ein Arbeitsverhält 
nis angewiesen ist. Umso unverständlicher ist 
es, wenn seitens der Arbeitsgerichte nicht alles 
versucht wird, solche Fälle vordringlich zu 
bearbeiten, damit kein Schwebezustand son 
dern klare Verhältnisse geschaffen werden. 
Das walue Gesicht der CGS 
Eine Zuschrift der Betriebsgewerkschafts 
gruppe bei Villeroy & Boch, Merzig. 
Der Gesamtverband der Christlichen Gewerk 
schaften versuchte am Samstag vor den Ar 
beitskammerwahlen ein Flugblatt unter die Ar 
beitnehmer zu bringen. Man brandmarkte uns 
Einheitsgewerkschaftler dort als sozialistisch- 
kommunistische Gewerkschaft und als Entleerer 
einheitsgewerkschaftlicher Schmutzkübel. 
Von der CGS können wir dagegen folgendes 
feststellcn: Als Betriebsgewerkschaftsgruppe der 
Einheitsgewerkschaft haben wir das Beweisma 
terial in Händen, daß die Vertreter der Christ 
lichen Gewerkschaft hier in einem großen Werk 
mit 1500 Arbeitnehmern bis jetzt so gut wie 
gar nichts getan haben. Im Gegenteil, es ist 
sogar den Christlichen Gewerkschaftlern und 
allen Arbeitnehmern bekannt, daß Spitzenfunk 
tionäre der Christlichen Gewerkschaft an den 
Arbeitgeber herangetreten sind und dort erklärt 
haben, eine Lohnerhöhung sei nicht notwendig. 
Diese Erklärung wurde abgegeben zn einer Zeit, 
in der der brutalste Arbeitgeber die Notwen 
digkeit einsah, eine Lohnerhöhung durchzufüh 
ren- Der hiesige Arbeitgeber hat aber diesen 
Spitzenfunktionären der Christlichen Gewerk 
schaft in diesem Werk jeglichen Stoff genom 
men und sie eines Besseren belehrt. Darum un 
ser Standpunkt: Das ist das wahre Gesicht, 
Christliche Gewerkschaftsfunktionäre, und Hut 
ab vor dem Arbeitgeber, der es wohl versteht, 
wenn es notwendig ist, für die Durchführung 
einer Lohnerhöhung zu plädieren. 
Des weiteren stehen wir auf dem Standpunkt, 
daß alle auf diesem Flu glatt gegen uns ge 
starteten Angriffe durch das Ergebnis der Ar- 
bekskammerwahl restlos entkräftet wurden. Die 
übergroße Mehrzahl der Arbeitnehmer lirßsich 
nicht beeinflussen. ' 
Wir stellen fest, daß man uns fälschlich als 
sozialistisch-kommunistische Gewerkschaft be 
zeichnet. Es dürfte auch der Christlichen Ge 
werkschaft bekannt sein, wie wir zu allen poli 
tischen Parteien stehen, die unsere Forderungen 
unterstützen. Unser Boden ist absolut neutraR 
I.V. Graphik: 
Generalversammlung in Saarbrücken 
Im Lokal „Treffpunkt“ versammelten sich 
am 8. 3. zahlreiche Mitglieder des Ortsvereins 
Saarbrücken zu ihrer diesjährigen Generalver 
sammlung. Nach dem Gedenken an die ver 
storbenen Mitglieder referierte der Vorsitzende, 
Kollege Ahrend, über die Tätigkeit des Vor 
standes im verflossenen Jahr. Seinen Ausfüh 
rungen war u. a. zu enthehmen, daß die Ar 
beit des gesamten Vorstandes für die Mitglieder 
ersprießlich war. Dank der finanziellen Kraft 
sei es möglich gewesen, auch für die Renten 
empfänger an Ostern und Weihnachten Son- 
derunterstützungen zu zahlen. Insgesamt seien 
ca. 80 000.— Fr. an ältere Kollegen ausgezahlt 
worden. Abschließend teilte der Sprecher mit, 
daß die kürzlich vereinbarten Tarife gedruckt 
worden seien. Zahlreiche Exemplare stünden 
den Mitgliedern für 25.— Fr. noch zur Ver 
fügung. Nach dem Kassenbericht des Kollegen 
Becker und vor Eintritt in die Diskussion 
wurde den Versammelten der Tod des Alt 
kollegen Emil Schüler mitgeteilt, der in der 
Versammlung anwesend war und wegen eines 
Anfalles aus der Versammlung zuvor nach 
Hause gebracht werden mußte. Zum Angeden 
ken erhoben sich die Versammelten von ihren 
Plätzen. Kollege Emil Schüler war 73 Jahre 
alt und früher als Schriftsetzer im Presse 
verlag tätig. 
Die Diskussion entwickelte sich durchaus po 
sitiv. Es wurden dem Vorstand für seine kom 
mende Tätigkeit wervolle Hinweise gegeben. Tn 
den neuen Vorstand wurden folgende Kollegen 
berufen: Vorsitzender Frey, 2. Vors. Ährend, 
Schriftführer Kranke, Kassierer Becker; als 
Beisitzer die Kollegen Abbe!. Volker, Maus, 
Spieß, Müller, Lauer, Wilhelm. Kassenrevisoren 
sind Roderieh und Röhrig. Zum Schluß der 
Tagung wurden 23 Kollegen für den Außer 
ordentlichen Delegiertentag aus allen Betrieben 
f swählt. Anträge wurden besprochen, „auf die 
ir im Rahmen des Berichtes der Delegierten 
tagung, die in diesem Monat in Saarbrücken 
für das gesamte Saargebiet stattfindet, näher 
eingehen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.