Full text: 6.1951 (0006)

OM OER EINHEIT! 
iGEIilERHBEHRFTEN OER ARBEITER. RNGESTELLTEI 
UND HERIRTEN' 
6. Jahrgang 
Saarbrücken, Juni 1951 
Nr. 7 
Unbedingt Arbeitskammer! 
Eiitschliessung des Gewerkschaltsausschusses - Scharfer Protest gegen Verschleppung 
Mahnung an Regierung und Parlament 
•HttiiiiiiiniiimiiiiiiiiinniiiDniiiimiimiiirmiiimiiimimmimiiimfiiiimiminiiiimimmiiitiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiniiiiiituiimmimiiiiiiiiimiiiimiiiiimiiinmimiiimmmiiiimia 
Aus dem Jmhali: 
In seiner Sitzung am 18. Juni 1951 faßte 
der Gewerkschaftsausschuß der Einheits 
gewerkschaft der Arbeiter, Angestellten 
und Beamten des Saarlandes folgende 
Re solution: 
„Mit Befremden hat der Gewerkschafts 
ausschuß der Einheitsgewerkschaft von 
den Schreiben der Industrie- und Han 
delskammer des Saarlances sowie der Ar 
beitsgemeinschaft der Arbeitgteberorgam- 
sationen des Saarlandes an den Herrn 
Präsidenten des Saarländischen Landta 
ges Kenntnis genommen, in denen dieser 
ersucht wird, die Dritte Lesung des Ge 
setzes über die Arbeitskammer zu ver 
tagen, um der Handelskammer und der 
Handwerkskammer sowie den Arbeitge 
berorganisationen Gelegenheit zu geben, 
zu der zur Dritten Lesung vorliegenden 
Fassung des Gesetzentwurfes Stellung zu 
nehmen. 
Besonders im Hinblick auf die Tatsache, 
daß die Kammern wie auch die Arbeit 
geberorganisationen in mehreren Bespre 
chungen Gelegenheit hatüen, grundsätz 
lich zu dem Gesetz über die Arbeitskam- 
mer Stellung zu nehmen, vertritt der Ge- 
■werkschaftsausschuß die Auffassung, daß 
dieses Ansinnen jeglicher Berechtigung 
entbehrt, daß es nur geeignet ist, die Ver 
abschiedung des zur Wahrnehmung der 
titeressen der saarländischen Arbeitneh 
merschaft so dringend notwendigen Ge 
setzes in ungebührlicher Weise über diese 
Landtagssession hinaus zu verschleppen, 
nicht zuletzt in deT Absicht, seinen Inhalt 
zu verwässern. 
Der Gewerkschaftsausschuß ist nicht 
der Ansicht, daß die Interessen der Un- 
mehmer durch das Gesetz in einer nicht 
/eise berührt werden und 
verlangt deshalb vom Saarländisch 3n 
Landtag, daß dem Ersuchen der vorge 
nannten Stellen nicht stattgegeben wird 
und das Gesetz, wie vorgesehen, in der 
Sitzung am Mittwoch, dem 20. Juni 1951, 
vom Saarländischen Landtag verabschie 
det wird. 
Die im Gewerkschaftsausschuß vertre 
tenen Industrieverbände der Einheitsge 
werkschaft sind fest entschlossen, gege 
benenfalls mit allen ihnen zur Verfügung 
stehenden Mitteln ein» Verschleppung des 
Gesetzes über die Errichtung einer Ar 
beitskammer für das Saarland entgegen- 
zu treten.“ 
Der Beschluß des Gewerkschaftsaus 
schusses vom 18. Juni bleibt nach wie vor 
bestehen und kann durch nichts abgeän 
dert werden. Die Arbeitgeber wollen sich 
vor allem gegen den § 19 wenden, der 
der Arbeitskammer die Möglichkeit geben 
soll, über die Entwicklung einzelner Be 
triebe Auskünfte einzuholen. Damit wol 
len die Arbeitgeber auch Sturm gegen 
das Mitbestimmungsrecht laufen. Die Ge 
werkschaft muß aber im Interesse einer 
zielbewußten Tätigkeit der Arbeitskam 
mer auf der erwähnten Fassung des um 
strittenen § 19 bestehen. 
Seit Jahr und Tag haben alle wesentli 
chen Berufsstände ihre Kammern, nur die 
Arbeitnehmerschaft nicht. Es ist nun end 
lich höchste Zeit, daß auch für die Arbeit 
nehmerschaft eine Kammer geschaffen 
wird. Entsprechend der Entschließung des 
Gewerkschaftsausschusses läßt die Ein 
heitsgewerkschaft nochmals mit aller 
Deutlichkeit erkennen, daß sie von ihrem 
Standpunkt nicht abgehen wird und daß 
sie sich gegen eine Verschleppung mit 
allen Mitteln zur Wehr setzen würde. 
Alle einzelnen Industrievierbände, die in 
der letzten Zeit Tagungen oder Konferen 
zen abhielten, haben die Gelegenheit be 
nutzt, um von sich aus ebenfalls die For 
derung nach alsbaldiger Errichtung der 
Arbeitskammer zu unterstreichen. Auf der 
ganzen gewerkschaftlichen Linie herrscht 
Einmütigkeit darüber, daß das Arbeits 
kammergesetz nun ohne weiteren Verzug 
in der Dritten Lesung des Landtages ver 
abschiedet werden muß. 
Die Haltung der Gewerkschaft ist klar. 
Sie ruft jetzt erneut Regierung und Parla 
ment zu, diese Haltung im entscheidenden 
Augenblick nicht zu übersehen. Eine Ver 
kennung der gewerkschaftlichen Absich 
ten könnte sonst zu Ueberraschu'ngen 
führen. -A- 
WIU der Einzelhandel den Kampf? 
. Unbedingt Arbeitskammerl 
GV. Nahrung und Genuß 
Der junge Gewerkschaftler 
Das merken wir uns noch 
Der neue DGB-Vorsitzende 
V & B Merzig und Mettlach 
Arbeit und Recht 
Neuer Spielplan für die Theatergemieinde 
„Garten und Blumen“ 
wiitimmiimiiiiiiinmiiiiiitiiiiiDHiimiiimiiiiiiiimiiiiHiniHimmiiiiiiiiimii’üwwmwMMMiMiDMiwunMmHM^iiwuwtwtiHtwHiHiiiiiHiiiimiiiwmiimiiiHmtiiwHiiimiiHi« 
Die Losungen des I.V. Metall 
Erfolgreiche Generalversammlung - Der neue Vorstand - Mit festem 
Vertrauen in die Zukunft 
Auf der 3. Generalversammlung, die der I.-V. Metall am 16. und 17. Juni in 
Saarbrücken abhielt, wurden wichtige Entscheidungen getroffen. An Stelle des 
erkrankten bisherigen 1. Vorsitzenden Nik. Fliegler wurde Kollege Richard 
Rauch mit 117 von 182 Stimmen zum 1. Vorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzender 
wurde Kollege Jakob Geiß. Eine Entschließung fordert die Schollung einer Al 
tersversorgung für die Metallarbeiter nach dem Schema der Versorgung der 
Angestellten der öffentlichen Körperschaften. Zu den wichtigen Problemen, 
wie volle Mitbestimmung, Löhne und Preise, Sozialpolitik wurde eingehend 
Stellung genommen. Der Gesamtverlauf der Tagung brachte eine weitere Fe 
stigung der Organisation und der gewerkschaftlichen Solidarität des Verban 
des sowie ein gestärktes Vertrauen in die weitere gewerkschaftliche Aktivität. 
Bereits wochenlang vorher hatte dieser 
Kongreß eine starke Beachtung gefunden. 
Dafür gab es mehrere Ursachen: einmal 
die Bedeutung des Verbandes an sich, 
dann die notwendige Stellungnahme zu 
dem ständig wiederkehrenden Lohn-und 
Preisproblem (hierbei wurde in der Dis 
kussion energisch die Forderung nach ei 
ner gleitenden Lohnskala in den Vorder 
grund gestellt), ferner die ziemliche Ge- 
Revierkonferenz des I.V. Bergbau 
Wichtige Beschlüsse zum Knappschallsgesetz, Mitbestimmung, Arbeitskammer 
- Warnstreik vorgeschJagen 
Der I.-V. Bergbau hatte für Sonntag, den 
24. Juni, eine Revierkonferenz nach Sulz 
bach anberaumt, die sich eingehend mit 
der gegenwärtigen Lage im Saarbergbau 
befaßte. Man sah allgemein dieser Kon 
ferenz mit großem Interesse entgegen, fiel 
sie doch in einen Zeitpunkt, da, wirtschaft 
lich und sozial gesehen, viele Probleme, 
wie solche der Saarknappschaft, Betriebs 
rätegesetz, Mitbestimmung und Arbeits 
kammer dringend einer Lösung harren. Es 
wurde beantragt, daß v die angeschlosse 
nen Industrie verbände geeignete Maßnah 
men ergreifen mögen, um die Forderungen 
nach Mitbestimmung mit Nachdruck 
durchzusetzen. Hierzu wurde ein Warn 
streik vorgeschlagen. 
Die Arbeit der Funktionäre geht deutlich 
aus den einstimmig angenommenen 
Entschließungen hervor, in denen es heißt: 
Die Konferenz protestiert gegen die of 
fensichtliche Verschleppung des Betriebs- 
rätegesetzes an der Saar. Sie ist darüber 
empört, daß Regierung und Landtag des 
Saarlandes dem Einspruch der Industrie- 
und Handelskammer gegen die Verab 
schiedung des Arbeitskamraergesetzes, 
trotz einstimmigen Beschlusses des so 
zialpolitischen Ausschusses, nachgegeben 
hat. 
Die Konferenz betrachtet die Verschlep 
pung des Mitbestimmungsrechtes als eine 
weitere Maßnahme zur Verschärfung des 
Mißtrauens gegen Landtag und Regierung 
des Saarlandes. Sie fordert die ange 
schlossenen Industrieverbände der Ein 
heitsgewerkschaft und die Christlichen 
Gewerkschaften auf, geeignete Kampf 
maßnahmen für die Erzwingung des Mit- 
(Fortsetzung umseitig) 
Weltparlament 
der Arbeit 
Delegierte aus mehr als 60 Ländern begannen 
am 6. Juni im Gebäude der Vereinigten Natio 
nen in Genf mit der für mehrere Wochen vor 
gesehenen jährlichen Voilkonferenz der Inter- 
Blick auf eine Sitzung der 34. Tagung der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf. Mini 
sterialdirektor Martin und Präsident II. Wacker als Vertreter der Saar bei den Beratungen. 
nationalen Arbeitsorganisation. Durch Presse 
und Rundfunk ist bereits bekanntgegeben wor 
den, daß die Deutsche Bundesrepublik mit 
großer Mehrheit als Mitglied aufgenommen 
j wurde. Damit zählt die 
1 IAO 64 Mitgliedsstaaten. 
. , Im Aufträge der Saar 
regierung sind nach 
Genf delegiert: Mini 
sterialdirektor August 
Martin und M. Dratwa, 
als Vertreter der Ar 
beitgeber Dr. Weber und 
als Vertreter der Ar 
beitnehmer H. Wacker. 1 
f Die Verhandlungen dre 
hen sich hauptsächlich 
um die Lösung sozialer 
Probleme. Vor allem 
steht die Frage der 
Vollbeschäftigung zur 
Debatte, wobei es darum 
geht, von einer neuen 
Entwicklung der Wirt 
schaft nicht überrum 
pelt zu werden. — Wir 
betrachten cs als selbst 
verständlich, daß die 
deutsche Sprache nach 
der Aufnahme de.r Bun 
desrepublik wieder of 
fiziell bei der IAO 
zugefassen wird. Boi den 
Sitzungen werden heule 
schon die wichtigsten 
Vorgänge in die deut 
sche Sprache übersetzt. 
wißheit, daß für den erkrankten 1. Vor 
sitzenden ein Nachfolger zu wählen war 
und die Frage des Ausschlusses mehrerer 
Mitglieder aus Anlaß der Vorfälle am 1. 
Mai 1950- 
Viele guten Wünsche der Gewerk- 
schaftskollegen aus anderen Industriever- 
bänden — nicht nur der Vorstände, son 
dern der Kollegenschaft überhaupt be 
gleiteten die vom Metall verband bei ihrer 
verantwortungsvollen Arbeit. Es waren 
nicht Wünsche aus reiner Formalität, son 
dern aus wirklichem Zusammengehörig 
keitsgefühl und echter Kameradschaft. Der. 
gute Stem, den man dem Kongreß 
wünschte, er war auch da. 
Wie auf jedem Kongreß, so wurden 
auch hier zunächst die üblichen Routine 
angelegenheiten erledigt: Berichterstat 
tungen über die abgelaufene Periode, di 
verse Wahlen von Kommissionen und Prü 
fungen. Wenn diese Materie dem Außen 
stehenden trocken erscheinen mag, so er 
gibt sich für den Kenner, wozu ja die 
Delegierten gehören, manches, was be 
sondere Aufmerksamkeit erregt, wie ja 
solche Berichte aus der Vergangenheit die 
interessante Frage klären, ob und wie 
weit die Linie, die der letzte Kongreß vor 
zwei Jahren festlegte, eingehalten wurde. 
Aus dem Geschäftsbericht gingen so 
wohl die Leistungen des Verbandes her 
vor, wie auch die vielen Schwierigkeiten, 
vor die man sich bei der Durchführung 
gestellt sah. In freimütiger Aussprache 
zeigte sich, daß man erkannt hatte, was 
es heißt, als verantwortliche Organisa 
tion gegen tausend Widerstände zu kämp 
fen. Die Delegierten kennen die Schwie 
rigkeiten, denen der einzelne im Wirt 
schaftsleben und in der Gesellschaft be 
gegnet und sie können sich ein Bild von 
den Komplikationen machen, die die Zu 
sammenballung aller Forderungen und 
Wünsche in einer großen Organisation er 
gibt. 
Trotz allem sind praktische und gute 
Ergebnisse der Verbaadsaxbeit nicht aus 
geblieben, und wenn heute das Vertrauen 
besteht, daß .auch in Zukunft Fortschritte 
erzielt werden, so ist das ein Zeugnis da 
für, daß im I.-V. Metall der alte gewerk 
schaftliche Geist, der opferbereit und 
kämpferisch war, mehr und mehr an Bo 
den gewinnt. 
Der Kongreß war eia Erfolg. Rahmen 
und Verlauf können sich sehen lassen. 
Man muß selbstverständlich immer alles 
in allem nehmen. Jetzt sind die Richt 
linien energisch zu befolgen und daboi 
der oft zitierte Geist des Kampfes und der 
Solidarität, den die heutige Zeit so drin 
gend braucht. 
Wer sich die Mühe macht und die Ge 
samtsituation bei I.-V. Metall ohne Vor 
urteil betrachtet, der ist überzeugt, daß 
der Industrieverband als Interessenvertre 
tung der Arbeitnehmerschaft im Metall 
gewerbe weiter der maßgebende Faktor 
sein wird. Auch in Zukunft wird sich m 
diesem Verband die Wahrheit des Geleit 
wortes des Verbandstages manifestieren: 
Vereinte Kraft — Großes schafft! 
-A- 
(Einzelheiten über die 3. Generalver 
sammlung sind für die Mitglieder des 
I.-V. Metall auf der Sonderbeilage im 
Innern des Blattes wiedergegeben.)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.