Full text: 5.1950 (0005)

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Oktober 1950 
„DIE ARBEIT“ 
Starker Auftrieb in der Lohnbewegung 
(Fortsetzung von Seit« 1) 
<Jen. Wir danken nicht daran, di« Hand« in 
den Schoß zu legen oder unfruchtbaren 
Gedankengängen nachzuhängen. Wir 
marschieren in den jeweiligen Verhältnis 
sen mk und versuchen — wenn es sein 
muß, durch Kampf — die Scheibe Brot zu 
erringen, die uns auf Grund unserer Stel 
lung in Wirtschaft und Gesellschaft zu- 
eteht. Darunter verstehen wir mehr als das 
nackte Existenzminimum. Nur ein Wolken 
kuckucksbewohner träumt deshalb von 
einer „Zuveriässigkeitsbescheinigung“, dis 
in Wirklichkeit eine Bescheinigung des 
Verrats an der gesamten Arbeiterschaft 
ist, die Beamten nicht ausgenommen. 
Der Streik hatte aber auch etwas Er 
freuliches im Gefolge. Er hat den klassi- 
»nnen Beweis für die zwischen Beamten, 
Arbeitern und Angestellten bestehende 
Schicksalsgemeinschaft geliefert, einer 
Tatsache, die nicht überall mit der wün 
schenswerten Klarheit gesehen wurde. Die 
Beamten sind durch die Verfassung des 
Streikrechts beraubt. Es war deshalb eine 
und Angestellten die Sache der Beamten 
Selbstverständlichkeit, daß die Arbeiter 
in ihre Aktion mit einschlossen, um etwas 
zu beschleunigen, was uns allen gleicher 
weise unter den Nageln brennt. Anderer 
seits verpflichtet dies die Beamten — dort 
wo es noch nicht geschehen ist — ihre 
Stellung zur gemeinsamen Gewerkschaft 
einer Nachprüfung zu unterziehen. Wenn 
beide Teile ihre Aufgabe und Verpflich 
tung richtig erkennen und anpacken, ha 
ben wir eine echte Berutsgemeinschaft, 
in der einer dem anderen beispringt. 
Zum anderen versteht sich — und ist 
von uns nie bestritten worden— daß die 
aus der Verschiedenheit des Arbeitsver 
hältnisses entspringenden Belange g3- 
trennt behandelt werden müssen. Wir ha 
ben das schon sehr zeitig erkannt un</ 
immer gesagt, daß unsere Gewerkschaft 
kein großer Pott ist, in dem man alle ver 
senken könne. Aus diesem Grunde wur 
den für die Beamten, Arbeiter und Anga- 
stllten getrennt arbeitende Fachgruppen 
geschaffen und bei der Zusammensetzung 
des Gesamtvorstandes Wert darauf ge 
legt, daß alle Gruppen vertreten waren. 
Selbst der gehässigste Gegner wird zuge 
ben müssen, daß Erfolge errungen wurden 
die einzigartig dastehen. Man denke hier 
nur bei der Post an die Untere Beamtan 
laufbahn. Im Interesse einer allgemeinen 
Befriedigung mußten nach oben, insbe 
sondere in aer Höheren Laufbahn Ein 
bußen hingenommen werden, die von dan 
Verantwortlichen zwar nicht gewünscht, 
aber leider mit Rücksicht auf die Gesamt 
verhaltnisse unumgänglich waren. Es ist 
verständlich, daß die höheren Beamten, 
die auf eine langwierige Ausbildung 
und die zwangsweise damit verbundenen 
hohen Geidausgaben hinweisen können, 
darüber nicht erfreut sind. Auch wir wa 
ten es nicht. Andererseits wissen wii; 
daß viele derjenigen, die selber darunter 
zu leiden haben, keinen anderen Weg zei 
gen konnten. In einer Zeit, in der ein 
Großteil der übrigen Beamten, Angestell 
ten und Arbeiter nicht einmal über das 
nackte Existenzminimum verfügt, ist es 
oberste Pflicht eines Staates, jedem we 
nigstens soviel zu geben, wie er zum La 
ben braucht. Mit 40 000 bis 50 000 Frs. 
läßt sich immerhin leben, selbstverständ 
lich ließe sich mit 70 000 bis 80 000 Frs, 
besser Leben, aber keiner wird bestreiten, 
daß man mit 20 000 Frs. kaum noch einen 
Monat durchkommen kann. 
Der Wunsch zur Separierung geht an 
der allgemeinen Not vorbei. Wir wollen 
nicht untersuchen, inwieweit ein Beamten 
bund in früheren Zeiten eine Berechtigung 
hatte. Heute hat er sie gewiß nicht und 
wird — konsequent durchgeführt — ein 
Fiasko werden. Das Kräfteverhältnis ist 
sehr ungleich. Niemand wird so vermes 
sen sein zu glauben, daß die Saarländi 
sche Regierung einer kleinen, engherzi 
gen Gruppe ein Inseldasein bereiten kann, 
selbst wenn sie es möchst«. 
Wir sind also nur nackte Realisten, 
noch nichts mehr, wenn wir zu einer Ge 
werkschaft „Ja“ sagen, in der Arbeiter, 
Angestellte und Beamte gemeinsam um 
die Erfüllung ihrer Forderungen ringen. 
Die HsupMeruflgen des i.u.-sergsau 
behandelte Kollege Johann Dreher am ver 
gangenen Sonntag in einem Rundfunkvortrag. 
Verlangt wird die Festsetzung eines Mindest 
lohnes wie für die übrigen Industrien, ferner 
eine allgemeine Lohnregelung entsprechend den 
saarländischen Verhältnissen und ein Tarifver 
trag nach saarländischem Recht unter Zu 
grundelegung des Bergbaustatuts. 
ln Erläuterungen zu den einzelnen Forderun 
gen des Tages schaffte Kollege Dreher grund 
sätzlich Klarheit. Aus den Darlegungen ergab 
sich die dringende Notwendigkeit, den Forde 
rungen des I. V.-Bergbaus ohne lange Ver 
zögerung Rechnung zu tragen. Der Spreche» 
unterstrich die Hoffnung, daß bei gegenseiti 
gem guten Willen in Zukunft eine Situation, 
■vue jene, die zum Warnstreik vom 2. Oktober 
führte, vermieden werden könne. 
Herausgeber: Hauptverwaltung der Ein- 
heitsgewerkschaft, Saarbrücken 3, Brauerstr. 4-fc 
Verantwortlich «ir den Geaaxntinhalt: Heinrich 
Wacker. Redaktion; Sozial- und Wirtschafts 
politik C. Schuhler, tndustrteverbänd«, Jugend 
»owie Feuilleton I. P Wambach. — Druckt 
Druckerei Saar-Zeitung Dt. Nikolaus Fontaine, 
Eiazelverkaufsprels der »Arbeit* 4 fl.— ffrs. 
Aus den bisherigen Lohnverhandlungen 
seit dem Warnstreik sind bis zur Herstel 
lung dieser Nummer folgende 
Teilergebnisse 
zu verzeichnen: 
Der Ind.-Verb. Bergbau steht mitten in 
Lohnverhandiungen. Bisher wurde her 
ausgefunden, daß die Löhne in Lothringen 
durchschnittlich um 73 Frs. höher liegen 
als im Saarland. Eine gewisse Summe 
errechnet sich aus diesem Unterschied, 
die nach Lage der Dinge und zur Errei 
chung der 1. F,tappe, das wäre die Anglei 
chung der Löhne an die in Lothringen, 
eine Besserstellung im Moment ermögli 
chen würde. In den bisherigen Bespre 
chungen konnte lediglich die Ueberprüfung 
der leider sehr lückenhaften Unterlagen 
der Regie des Mines durchgeführt wer 
den. Der Industrieverband erwartet deai 
schnellen Abschluß der ersten VeriiancU 
lungsetappe. 
Bei der Fachgruppe dar Bergbau-Ange 
stellten wird, weil der Kollektiwertrag ab 
läuft, ein neuer fortschrittlicher Tarifver 
trag, der eine Zusammenfassung einiger 
Gehaltskategorien und der Altersstufen 
und eine günstigere Regelung für alle An 
gestellten vorsieht, erstrebt. Ein Tarifver 
trag für die Ingenieure und Gleichgestellt« 
wurde bereits abgeschlossen. 
Die Verhandlungen des Ind.-Verb. Metall 
erbrachten ein bisher nicht zufriedenstel 
lendes Ergebnis. Für die Arbeiter in der 
Schwereisenindustrie sind die Mindestlöh 
ne nur gering erhöht worden. Die Arbeit 
geber wünschen die Anpassung der Löh 
ne an die in Lothringen, di« nur wenig« 
Prozente höher liegen. Der I. V. erstrebt 
eine Erhöhung, die über diese Mindest 
löhne hinausgeht, so daß jeder Arbeit 
nehmer mit einer Lohnerhöhung bedacht 
wird. Die Verhandlungen für die Erhöhung 
der Gehälter der Angestellten brachte ei 
nen Fortschritt für die unteren Kategorien. 
Die Verhandlungen, auch für die weitex 
verarbeitende Industrie, werden fortge 
setzt. 
Die Forderungen des I. V. Eisenbahn 
belaufen sich auf Gewährung einer Wirt 
schaftsbeihilfe von 2500 Frs. für Ledige, 
5000 Frs. für Verheiratete und 1000 Frs. füx 
jedes Kind und auf Einführung einer fort 
schrittlicheren Personalordnung. Die Ver 
handlungen sind, bei Redaktions Schluß 
noch im Gange. 
Die Lohnverhandlungen in der gra 
phischen Industrie zur Neugestaltung 
der Löhne führten am Donnerstag, dem 
28 . 9. 1950, zum Abschluß eines neuen 
Lohntarifvextrages. Der Abschluß sieht 
die Festsetzung eines Ecklohnes vor, von 
welchem dann die Auf- und Abstufungen 
erfolgen. Dieser Ecklohn wurde mit Wir 
kung vom 1. 10. 50 auf 120 Frs. pro Stunde 
festgeLegt (früher 108.50 Frs.). Die Auf- 
und Abstufungen auf diesen Lohn sind 
prozentual festgelegt, so daß bei kom 
menden Verhandlungen nur der Ecklohn 
einer Abänderung unterliegt. Die Gehälter 
der technischen Angestellten unterliegen 
ebenfalls der prozentualen Steigerung. E>i« 
kaufmännischen Angestellten erhalten ei 
ne Erhöhung um 15 o/o auf die Gehälter 
vom 1. 10. 1948. 
In Verhandlungen des Verbandes Oef- 
lentliche Betriebe und Verwaltung«» mit 
der Regierung wurde eine Uebereinstim- 
mung erzielt, wonach die Arbeiter neben 
der 20o/oigen G r u n d 1 o h nerhöhung ei 
ne Stunden Lohnerhöhung von 10—11 o/o 
erhalten. Die Besprechungen für eine Ein 
führung einer einheitlichen monatlichen 
Teuerungszulage sind noch nicht abge 
schlossen. Für die Waldarbeiter, die zum 
öffentlichen Dienst gehören, sind langwie 
rige Verhandlungen notwendig, um sie ln 
den Genuß der Erhöhung wie für die übri 
gen Arbeiter zu bringen. Das gleiche gilt 
für die Fachgruppe des Gesundheitswe 
sens in bezug auf das Hilfst- und Pflege 
personal. 
Die Fachgruppe Banken und Sparkasse» 
hat den Antrag gestellt, für die Angestell 
ten ab 1. September eine einmalige Zulage 
für Ledige von 3000 Frs. und für Verheira 
tete bis zu 7500 Frs. als Vorschuß für den 
im Monat Oktober abzuschließenden Ta 
rifvertrag zur Auszahlung zu bringen. Die 
sem Antrag wurde seitens des Bedin- 
gungsausschusses der Banken und Spar 
kassen entsprochen. 
Die Fachgruppe Versicherungen stellt« 
den gleichen Antrag (wie Fachgruppe Ban 
ken und Sparkassen) an die Berufsvereini- 
gung der Versicherungs-Gesellschaften 
(Syndikat). Bedauerlicherweise lehnten 
diese den berechtigten Antrag ab. Ver 
handlungen über den neuen Tarif finden 
am Freitag, dem 13. 10-, beimSchlichtungs- 
ausschuß statt. Dis Berufsvereinigung der 
Versicherungs-Generalagenten lehnten ei 
nen weiteren Antrag der Fachgruppe Ver 
sicherungen auf Gewährung der Üxlaubs- 
beihilfe, wie bei den Gesellschaften und 
Gruppen von Gesellschaften, ab. Auch 
der Gewährung des 13. Monatsgehaltes 
wurde nicht entsprochen. Der Schlich 
tungsausschuß wird sich am Montag, dem 
16. 10., damit befassen. 
Bei der Fachgruppe Bühne, Kunst und 
Film wurde vor kurzem ein neuer Tarifver 
trag abgeschlossen. Eine weitere Anglei 
chung an die Teuerung wird erstrebt. Für 
die freischaffenden Musiker kam es noch 
zu keinem Abschluß, obwohl ein Entwurf 
bereits vor 6 Monaten eingereicht wurde. 
Ein Tarifvertrag für das Personal des 
Rundfunks ist unverständlicherweise nach 
eineinhalbjähriger Verhandlung noch nicht 
in Kraft gesetzt. Vom Verwaltungsrat, der 
bisher wenig soziales Verständnis zeigte, 
wird die endliche Inkraftsetzung eines dsn 
derzeitigen Verhältnissen entsprechenden 
Tarifvertrages erwartet. 
Im Baugewerbe wurde durch 
Schiedsspruch am 4. 10. eine Lohnerhö 
hung, abgesehen von den schon erfolg 
ten Erhöhungen, von 12 o/ 0 erwirkt. Auch 
die gesetzlichen Gehälter sind am 1. Ok 
tober um 12 o/o erhöht. Durch diesen 
Schiedsspruch werden die noch in Kraft 
befindlichen tariflichen Bestimmungen so 
wie di« Verordnung über die Festsetzung 
der Mindestlöhne vom 27. 8. 1950 nicht 
berührt. Diese Regelung gilt bis zum Ab 
schluß neuer Tarifverträge. 
Die Vertreter des I. V. Hol* erreichten 
durch Verhandlungen mit dem Arbeitge 
berverband der Holzwirtschaft eine Erhö 
hung der Löhne und Gehälter in der Sä 
ge-Industrie und im Holzhandel. Di« Re 
gelung für Löhne tritt mit Wirkung vom 25. 
September in Kraft, die für Gehälter mit 
Wirkung vom 1. Oktober und beträgt für 
letztere rund 15 o/o. (Einzelheiten sind aus 
den in dieser Nummer veröffentlichten Ta 
bellen zu ersehen.) 
Der Ind.-Verb. Fabrikarbeiter steht al 
lerorts in Lohn Verhandlungen. Teilergeb 
nisse sind bereits bei den Firmen Ville- 
roy & Boch in Merzig, Glashütte St. Ing 
bert, Dynamitwerk Saarwtellingen und in 
der chemischen Industrie erzielt worden. 
Die gesamten Verhandlungen gestalten 
sich sehr zeitraubend, da in dieser Be 
rufsgruppe 19 Tarifverträge zu behandeln 
sind. 
Beim Ind.-Verb. Leder und Bekleidung 
ist es verschiedentlich zur Auszahlung 
von Ueberbrückungsgeldem gekommen. 
Gemäß dem Ergebnis der ersten Lohnver 
handlungen mix dem Arbeitgeberverband 
sind alle Betriebe dieser Branche ange 
wiesen, bis zum endgültigen Abschluß von 
neuen Tarifverträgen diese Ueberbrük- 
kungsgelder auszuzahlen. In einer Ver 
handlung am 6. 10. mit der Arbeitsgemein 
schaft des Srearl. Handwerks wurde von 
dieser eine absolut ungenügende Lohner 
höhung angeboten, die von den Vertretern 
der Gewerkschaften ab gelehnt wurde, die 
30 o/o fordern. 
Der Verband Groß- und Einaelhandel 
teilt mit, daß die Lohnverhandlungen in ei 
nigen Tagen abgeschlossen werden kön 
nen. Der Arbeitgeberverband für Handel 
und Gewerbe erkennt die Forderungen 
des Berufsverbandes der Einheitsgewerk- 
Die Einheitsgewerkschaft der Arbeiter, Ang 
estellten und Beamten, Verband Oeffentliche 
etriebe und Verwaltungen — Ortsverwaltung 
Saarbrücken —- lud für Montag, den 9. 10. 
1950, ihre Mitglieder zu einer Versammlung 
im Lokal „Keglerherm“ ein. Zur Tagesord 
nung stand ein Referat des Vorsitzenden 
des Industrieverbandes Graphik, Kollege An 
selm S t ö r k , über Lohn- und Preispolitik. 
Anschließend gab der Geschäftsführer des In 
dustrieverbandes „Oeffentliche Betriebe und 
Verwaltungen“, Kollege Wilhelm Heckler; 
einen Bericht über die bis jetzt geführten Ver 
handlungen mit der Regierung des Saarlan 
des zwecks Abschluß einer neuen Lohnanord 
nung für die Arbeiter im öffentlichen Dienst 
und Gewährung einer Teuerungszulage für die 
Angestellten und Beamten, 
Schon lange vor Versammlungsbeginn wa» 
das Tagungslokal so besetzt, daß die Versamm 
lung in die nebenan liegenden größeren Loka 
litäten verlegt werden mußte. Aber, auch diese 
reichten nicht aus, um die erschienenen Mit 
glieder alle zu fassen, so daß durch eineLaut- 
sprecheranlnge die Referate in das nebenan 
liegende Lokal übertragen werden mußte. So 
gestalteten die Bediensteten des öffentlichen 
Dienstes diese Mitgliederversammlung zu einer 
machtvollen Kundgebung. Sowohl die präzisen, 
markanten Ausführungen des Kollegen Stork 
als auch die sachlichen Darlegungen des Kolle 
gen Heckler wurden mit Beifall aufgenommen 
und in der anschließenden Diskussion nur noch 
da und dort ergänzt. 
Das Ergebnis dieser Kundgebung fand seinen 
Niederschlag in der nachstehenden Entschlie 
ßung, die von den 500 anwesenden Mitgliedern 
einstimmig angenommen wurdet 
„Die in der Einheitsgewerkschaft de» ArbeW 
ter, Angestellten und Beamten, Verband Oef- 
fentliehe Betriebe und Verwaltungen — Orts- 
Verwaltung Saarbrücken —, organisierten Be 
diensteten protestieren in einer überaus gut- 
besuchten Versammlung gegen die von de» 
Regierung des Saarlands immer wieder ves* 
schaff als berechtigt cm und ist bemüht 
eine für all« Teile befriedigende Lösun'a 
zu finden. 
Beim I, V. Nahrung und Genuß wurden 
in den einzelnen Fachgruppen 
Lohnerhöhungen erzielt. Di« Erhöhungen 
betragen: Fleischwaren-Industrie 10 
Brauereien ab 1. 6. 8 o/ 0 , Tabak-Industrie 
ab 1. 5. 5—8 Frs. auf die Stundenlöhn« 
und ab 1. 10. Erhöhung der Arbeiter-Stun 
denlöhne um 10—15 o/o, Milchgenossen 
schaften 8 o/o für gewerbliche Arbeiter ab 
1. 6., Müller-Syndikat 15 o/ 0 aut Mindest 
löhne ab 1. 6., Nahrungs- und Genußmit- 
tel-Industrie ab 1. 8. 10 <y 0 für gewexbl. 
Arbeiter und 3 o/o für gewexbl. Arbeiterin 
nen und ab 1. 9. für gewerbl. Arbeiter und 
Arbeiterinnen 10 o/o, Konsum-Genossen 
schaften Löhne und Gehälter 8—10 o/ 0 ab 
1. 6. Die Forderungen belaufen sich bei 
fast allen Fachgruppen auf Erhöhung der 
gesetzlichen Löhne und Gehälter von 20 o/ 0 
und werden zum Teil in weiteren Verhand 
lungen, die vor dem 15. 10. stattfinden., 
und vor dem Schlichter vertreten. 
Ind.-Verb. Verkehr und Transport Die 
Arbeitnehmer' der Straßenbahnen erwar 
ten von der Regierung dein baldigen Ab 
schluß der Verhandlungen und annehm- 
gebnisse. Für das Transportgewerbe ist 
der Verband am 6. 10. in Lohnverhand 
lungen eingetreten. 
Die Verhandlungen des I- V. Post und 
Fe rameläewesetn mit der Regierung, di« 
für Donnerstag, den 5. 10., angesetzt wa 
ren, mußten infolge der dienstlich begrün 
deten Abwesenheit einiger Minister bis zu 
einem späteren Termin verschoben wer 
den. Aber noch in dieser Woche wird ein 
zufriedenstellendes Ergebnis in der Lohn 
frage erwartet. 
Ja, es ist schon viel geredet, geschriei- 
ben und verhandelt worden über Löhne, 
Preise, Tarife und Existenzminimum, und 
es wird noch viel mehr geredet, geschrie 
ben und verhandelt werden müssen, bis 
es soweit ist. Aber noch nie war es so 
lebendig, wie seit dem Warnstreik vom 2. 
Oktober. Die Arbeitnehmer blicken jetzt 
gespannt auf die positiven Ergebnisse der 
Verhandlungen und weniger auf Begleiter 
scheinungen der Initiative, die sich man 
che Betriebe bei einigen Verhandlungs 
partnern auf mehr oder weniger überflüs 
sige Belehrungen erstrecken. Die Gewerk 
schaftsvertreter stehen bei den Verhand 
lungen auf einem festen Fundament. Nicht 
nur der Rückgang des Reallohnes liegt 
in der V/actgschale, sondern auch andere 
Gewichte, nicht zuletzt die enorme Lei 
stungssteigerung der letzten Jahre. Man 
wird bei der Krise den Einfluß jener Kreise 
nicht aus dem Auge verlieren dürfen, 
mit ihrem fatalen einseitigen Hang zu 
überlebten Formen der liberalistischen 
Wirtschaft überall dem Fortschritt hem 
mend im Wege stehen und gerade in ei 
ner Krisenzeit wie der heutigen nur von 
Schaden sein können. 
Von der Gewerkschaft wird auch wei 
terhin die Tatsache klar eingeschätzt, daß 
es im Rahmen der Verantwortung stets 
heißen muß: Wille und Kraft •— Erfolge 
schafft I 
schleppten Lohn- und GehaltsvcrhandlungenJ 
Sia verweisen mit Nachdruck, daß eine Re 
gierung, die bei jeder sich bietenden Gele 
genheit an die Loyalität dieses Berufsstandes 
appelliert, auch die sittliche Pflicht hat, die 
sen den Verhältnissen entsprechende Lohn-; 
Gehalts- und Arbeitsbedingungen zu gewäh 
ren. Man kann nicht erwarten, daß bei der 
bisher gezeigten Verhandlungsbereitschaft die 
Bediensteten des Oeffentlichen Dienstes ta 
tenlos Zusehen. Sie werden sämtliche gewerk 
schaftlichen Mittel einBetzen, wenn nicht bi# 
Donnerstag, den 12. Oktober 1950, Ihren be 
rechtigten Forderungen der gewünschte Er 
folg beschieden ist. 
Mit der gleichen Entschlossenheit fordern 
sie die alsbaldige Verabschiedung des Be 
triebsrätegesetzes und des TarifvertragsgeJ 
setzes für die Angehörigen des öffentlichen 
Dienstes.“ 
Aus dieser spontanen Willenskundgebung ist 
zu ersehen, daß die Arbeiter, Angestellten und 
Beamten des öffentlichen Dienstes genau so ge 
schlossen wie ihre Kollegen anderer Berufsgrup-! 
pen gegen die in letzter Zeit heraufhesehworene 
Preistreiberei Stellung nehmen. Darüber hin 
aus erwarten sie von der Regierung, daß sie 
den besonderen Verhältnissen im öffentlichen 
Dienst, die so oft von ihr herausgestellt wer 
den, Rechnung tragt und auch, wie schon in 
allen Zweigen der übrigen Wirtschaft gesche 
hen, Löhne nnd Gehälter den derzeitigen Prei 
sen anpaßt. Für den öffentlichen Dienst muß 
gesagt werden, daß er seit dem wirtschaft 
lichen Anschluß mit der Angleichung seiner 
Bezüge um Monate den anderer Berufsgruppea 
nachhinkt. 
Die sehr lebhaft aber diszipliniert verlauf 
fen« Versammlung wurde von dem 1. Vor* 
sitzenden der Ortsverwaltung Saarbrücken, Kol*) 
leg# Franz Wagner, geleitet und mit einem 
Appell an die Erschienenen der Organisation; 
genau wie heute auch in der Zukunft mit de» 
gleichen Begeisterung im Interesse de» eigene» 
Wohles zu dienen, geschlossen. 
Imposante Kundgebung 
Stellungnahme des Verbandes öffentlicher Betriebe und Verwaltungen
	        

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