Full text: 5.1950 (0005)

Seite 6 
September 1950 
.DIE ARBEIT* 
Schwarzarbeit im Rampenlicht 
(Fortsetzung und Schluß) 
Di© Beobachtungen der Arbeits- 
Verwaltung hüben ergeben, daß in 
Beritten, deren Lohnniveau für die 
Arbeitnehmer ungünstig liegt, ©in starkes 
Bestreben nach zusätzlichem Verdienst 
vorherrscht. Zumeist wird die „Schwarz 
arbeit“ von. diesem Per&onenkreis in der 
eigenen Berufsart verrichtet. ; 
Aber auch ein anderer Personenkreis, der 
ohne Arbeitnehmereigenschaften zu besit- 
(fzen, ..Schwarzarbeit“ verrichtet, bedarf 
heute einer gewissen Beachtung. Im Saar 
land herrscht bekanntlich noch das System 
der stark beschränkten Cewerbefreihsit 
vor. Es gibt aucn hier zu Lande Personen 
mit mehr oder weniger hohem Fachkön- 
nen, die durch den Krieg, die Evakuierung 
und die Gefangenschaft aus ihrer Lebens 
bahn geworfen wurden, sei es, daß sie an 
anderen Orten des früheren Reichsgebie 
tes ein. Gewerbe unternehmen schon be 
trieben. hatten, oder als Arbeitnehmer vor 
dem Kriege in gutem Verdienst standen. 
Durch mittelbare oder unmittelbare Kriegs 
einwirkungen, oder vielfach auf Grund 
von Kriegsverletzungen können letztere z. 
B. nicht als volleistungsfähige Arbeitneh 
mer angesehen und aus diesem Grunde 
nicht mehr in den Arbeitsprozeß einge- 
xeiht werden. Ein großer Teil von ihnen 
kämpft vergebens um die Erteilung einer 
Gewarbegenehmigung, die es ihnen erlaub 
be i würde, in rechtmäßiger Form ihren 
Leb _ n u uni erhalt zu verdienen. Die meisten 
von ihnen verrichten mehr oder weniger 
„Schwarzarbeit“ — und nicht einmal 
schlechte —! Ein falsch gehandhabter nu- 
jnerus clausus verschließt ihnen für un 
absehbare Zeit eine geordnete Unterneh 
mertätigkeit. Die zum Zwecke der Ge- 
werbege; e'imigung mit der Vorprüfung 
befaßten beiufsvertretungen undkammern 
betre-ben oft e nen sehr frag ichen Mono 
pol- und Konkurrenzschutz, wobei subjek 
tive ErwÜgungen meist im Vordergrund 
stehen. Die Opfer dieser unzeitgemäßen 
Maßnahme wrrden so zwangsweise m die 
Illegalität gebieten. Wenn das Gewerbe 
einen Schutzwall um sich errichtet, darf 
es sich daner nicht wundern, wenn au 
ßerhalb dieses die „Schwarzarbeit“ blüht. 
Es muß cn dieser Stelle auch erwähnt wer 
den, daß die zuvor geschilderten Zustände 
in der amerikanischen Eesatzungszone zu 
der drakonischen Maßnahme des damali 
gen. Müitärgouvemeurs Ursache gaben 4 
daß dieser in seiner Zone zwangsweise 
eine stark aufgelockerte Gewerbefreiheit 
verordnet hot, deren Ausdehnung auf die 
gesamte Bundesrepublik nunmehr aktuell 
wird. 
Die Einschränkung der Erwerbsfreiheit ist 
eines demokratischen Staates unwürdig 
und auch nach Art. 44 und 54 der Landes 
verfassung als verfassungswidrig cnzu- 
©ehen. Man stelle sich auch einmal einen 
numerus clausus auf der Arbeitnehmersei 
te vor, indem beispielsweise durch herme 
tische Absperrung von außen der Zufluß 
von Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt 
tropfenweise durch irgend eine Kammer, 
etwa bloß als Schutzmaßnahme gegen 
Arbeitslosigkeit oder Lchnminderuncr, ge 
steuert würde. Di© Arbeitgeber würden 
empört verlangen: „Freiheit auf dem Ar 
beitsmarkt“. Die Freizügigkeit auf dem 
Arbeitsmarkt ist in der Zwischenzeit zur 
Wirklichkeit geworden. Der klassischen 
„Reserve an Arbeitskräften“ darf aber 
auch getrost eine Reserve an Gewerbe 
betrieben gegenüberstehen. 
Ich bin mir bewußt, daß ich hiermit nicht 
im Sinne vieler Unternehmer und ihrer Be 
ls gibt Genossenschaften 
vieler Art 
St« dienen, je nadi ihrer Aufgabe, 
diesen oder jenen Interessen 
Den Interessen der 
Verbraucher 
dient jedcdi nur die 
Kansuflsgefiossensihnft 
Das Vert/duen, das die Verbraudier In 
'steigendem Maße dieser Genossen 
schaft entgegenbringen, beweist allein 
schon die von Jahr zu Jahr 
wachsende Mitgllederzahl» 
1946: 8000 
1947: 31000 
1948: 40000 
1949: 49000 
1950: 57000 
Dies« Mitgliederfamilien haben die Vor 
teile erkannt, die ihnen ein genossen 
schaftlicher Zusammenschluss bei Ihrer 
HaushaltfOhrung bietet. 
SAARBRÜCKEN 
NFUNKIR CH EN-HEIN ITZ 
lulsvertretungen schreibe, aber es sind 
Unumstößliche Tatsachen, die, wie man 
sieht, buch anderswo schon entsprechen 
de Reaktionen ausgelöst haben. 
Ein© weitere Ursache der „Schwarzarbeit“, 
die für den Empfänger der „Schwarzar 
beit“ von Bedeutung ist, ist die Preisge 
staltung. Man braucht nur mit offenen 
Augen und Ohren umherzugehen und wird 
erstaunt sein, wieviele Personen Empfän 
ger von „Schwarzarbeit“ sind. Ja, auch 
Handwerker lassen sich durch „Schwarz 
arbeit“ untereinander Dienstleistungen 
verrichten aus der Ursache, weil sie es 
dabei billiger haben. Demnach spielt der 
Preis für die normalgeleistete Dienstlei 
stung eine wichtige Rolle. Ja, mancher 
von uns läßt sich — wenn auch hin und 
wieder — „Schwarzarbeit“ aus preislichen 
Gründen verrichten. Zum Beispiel die 
Zuleitungsschnur des Bügeleisens ist de 
fekt, des Nachbars Sohn, Lehrling in einer 
Eiektrowerkstatt, repariert das Ganze in 
kurzer Zelt, erhält ein Trinkgeld, und die 
Sache ist erledigt. Unter Umständen 
macht man es auch selbst und ist stolz 
darauf, Die Summe all dieser kleinen Ver 
richtungen, die unter Umständen auch 
größere Ausmaße annehmen können, stel- 
leh praktisch einen Generalangriff gegen 
die Preisgestaltung dar. Fxägt man diesen 
oder jenen, warum er diese oder jene Ar 
beit nicht von zugelassenen Fachgeschäf 
ten ausführen läßt, erfolgt bestimmt die 
Antwort: „Das ist mir zu teuer.“ Zugege 
ben, daß die heutigen allgemeinen Ab 
gaben mit einen erheblichen Kostenfaktor 
darstelllen, der auch die Preisgestaltung 
stark beeinflußt, bin ich andererseits da 
von überzeugt, daß hier manches- noch 
nicht in normalen Bahnen verläuft. So 
z. B. das handwerkliche Leistungsniveau. 
Bis vor kurzem war es sehr angenehm, 
wenn man nicht zu kalkulieren brauchte, 
und der Kunde lediglich die Arbeitsstun 
den bezahlte. Heute muß man wieder ei 
nen Preis berechnen, muß Termine ein- 
halten können. Der Auftraggeber inter 
essiert sich für den Preis des Fertigpro 
duktes, die dafür aufgewandte Zeit ist ihm 
nebensächlich. Die Praxis bestätigt auch 
die Uneinheitlichkeit in der Preisgestal- 
tun. Für ein und dieslbe Dienstleistung 
werden oft Angebote unterbreitet, die bis 
zu 100 o/o von einander abweichen. Das 
gleiche gilt sinngemäß für den Handel, 
der noch allzu gerne seine Verteilerrolle 
weiterspielen möchte. 
In diesem Zusammenhang darf auch 
eine besondere Art von „Schwarzarbeit“ 
nicht unerwähnt bleiben, die dadurch ver 
ursacht wird, daß handwerkliche Betrie 
be, die infolge Fehlens von Grundstoffen 
im Kriege und in der ersten Nachkriegs 
zeit heute mit Aufträgen überlastet sind, 
die Auftraggeber grundsätzlich auf einen 
weit hinausgeschobenen Liefertermin ver 
trösten oder die Auftragsannahme sogar 
ablehnen. Der so behandelte Kunde will 
aber nicht warten, bis er an der Reih© 
ist und sucht sich selbst eine Person, die 
seinen Lreferwünschsn eher gerecht wird. 
Anstatt nun solche Betriebe (z. B. das 
mode schaffende Handwerk) dem Auf 
tragsbestand entsprechend, zusätzliche 
Arbeitskräfte einstellen, wird dies nicht 
nur ab gelehnt, sondern seltsamerweise 
auch aur eine weitere Beschränkung der 
Betriebe hingearbeitet und dazu ein u» 
günstiges Lohnniveau für die Arbeitneh 
mer angestrebt, wodurch alle vorauf ge 
führten Ursachen zur Förderung von 
„Schwarzarbeit“ Zusammenwirken. Die so 
geschaffene „schwarze Konkurrenz“ übt 
natürlicherweise einen starken Druck ouf 
die Preisgestaltung des zugelassenen Un 
ternehmens aus. Es erhellt daraus, daß im 
umgekehrten Falle, nämlich durch ver 
mehrte Einstellung von Personal mit aus 
reichenden Tariflöhnen und Zulassung 
weiterer Geschäfte in diesen Gewerben 
eins wirksame Möglichkeit der Verminde 
rung von „Schwarzarbeit“ besteht. So wie 
die Dinge jetzt liegen, treiben diese Gewer 
be die Kunden mit Gewalt zur „Schwarz 
arbeit“ und fördern diese. 
Die Mittel zur Bekämpfung der „Schwarz 
arbeit.“ 
In der Vorkriegszeit erlassene Maßnah 
men zur Bekämpfung von „Schwarzar 
beit“ sehen wirksame Mittel nur bei den 
Beziehern von Erwerbslosenunterstützung 
und bei Arbeitslosen vor. Ich glaube es 
aber verantworten zu können, wenn ich 
erkläre, daß im Saarland der Kreis der 
Schwarzarbeit verachtenden Personenein 
anderer ist als dieser. 
Nach der bisherigen Praxis kommen zur 
Bekämpfung der Schwarzarbeit staatliche 
Maßnahmen und Selbsthilfemaßnahmen in 
Betracht. Von den staatlichen Maßnah 
men sind zu nennen die kriminellen und 
Ordnungsstrafen. Sie sind ihrem Charak 
ter nach uneinheitlich und in den verschie 
densten gesetzlichen Bestimmungen ver 
ankert. Während des Krieges sind weit 
gehende Erleichterungsbestimmungen er 
lassen worden, u. a. weitgehende Straf 
freiheit ber Ausübung von Arbeiten, die 
heute wieder als „Schwarzarbeit“ ange 
sehen werden. Selbst wenn diese Bestim 
mungen aufgehoben würden, ist es frag 
lich, ob die alten Vorschriften noch als 
wirksam anzusehen sind. Ja, es ist über 
haupt fraglich, ob man mit einer speziel 
len Gesetzgebung eine wirksame Bekämp 
fung der Schwarzarbeit erreichen kann, 
»Wie aus dem Vorgetragenen ersichtlich 
Ist, zeichnet sich die Schwarzarbeit von: 
der konzessionierten Unternehmertätigkeit 
nicht scharf genug ab, Infolgedessen ist 
eine Abgrenzung durch .einen Gesetzes 
text sehr schwierig, oder der Text wird 
derart kompliziert, daß der freien Ausle 
gung nach dieser oder jener Seite Tür und 
Tor geöffnet ist, der man wiederum durch 
ein© Kette von Durchführungsverordnun 
gen begegnen müßte. Man käme dabei 
unter Umständen zu Kuriositäten, denn im 
Grunde genommen liegt bereits Schwarz 
arbeit vor, wenn z. B. ein Schreinerge 
sell« seinem Nachbarn bei der Anferti 
gung eines KaninchensiaUes hilft und da 
für eine Vergütung erhält. Insoweit 
Schwarzarbeit von Beziehern der Erwerbs 
losenunterstützung verrichtet wird, besteh! 
di© Möglichkeit des Entzuges der Unter 
stützung. Nicht so scharf emd die Be 
stimmungen für die Rentner, bei denen 
unter Umständen nur ein Teil der Rente 
mit zusätzlichem Verdienst kompensiert 
wird. Für Beamte bestehen Disziplinar- 
bestimmungen, die auch für die sonstigen 
Bediensteten des Staates, der Gemeinden 
und der übrigen Verwaltungen bestehen. 
Für alle sonstigen Vernähter von Schwarz 
arbeit besteht für Betriebsangehörige die 
Möglichkeit der Entlassung durch den Ar 
beitgeber und die Anwendung steuerge- 
setzlicher Bestimmungen (Steuerhinterzie 
hung), sowie auch sozialversicherungsge 
setzliche Bestimmungen. Alle diese Vor 
schriften können auch auf den Empfänger 
von Schwarzarbeit zur Anwendung ge 
langen. 
Als Selbsthilfemaßnahmen sind anxu- 
sehen: 
1. Belehrung und Aufklärung des Publi 
kums, 
2. Ueberwachung durch die Gewerbe 
polizei, 
3. die Möglichkeit der Strafverfolgung 
wegen unlauteren Wettbewerbs, 
4. Entlassung schwarzarbeitender Beleg 
schaftsmitglieder. 
Ob die aufgeführten Maßnahmen jeweils 
den erstrebten Zweck erreichen, muß da 
hingestellt werden. , > 
Sollte jedoch ein eigenes Gesetzeswerk 
alle Einzeibestimmungen ablösen, müßte 
notwendigerweise ein eigener Beamten- - 
körper geschaffen werden, dem die Durch 
führung obläge. Dabei stellt ©ich die Fra 
ge, ob es zweckmäßig ist, einem rein dy 
namischem Prinzip entgegenzuwirken, das 
doch eines Tages in irgend einer Form ei 
ne Legalisierung erhalten muß und bei 
gutem Willlen schon heut© unter Beach 
tung der angezogenen Ursachen berei 
nigt werden könne. 
Eines ist gewiß, Schwarzarbeit, ganz 
gleich, in welcher Form sie errichtet wird, 
bedeutet für die Landesfmanzen eine er 
hebliche Steüereinbuße. Dabei wäre auch 
zu untersuchen, ob die Finanzbehörde — 
Und damit zugleich auch die Versiche- 
xungsbehörden — bei einer bedingten Le 
galisierung gewisser Arten von „Schwarz 
arbeit“ nicht unter Umständen besser ab- 
»chneiden werden, L. H. 
^Briefkasten 
(Die Redaktion erteilt den Gcwerkschaftamitglie« 
dem an dieser Stelle oder »chriftllch aul schrift 
liche Anfragen kostenlos Auskunft.) 
400. Völklingen. „Ohne Obligo" ist die soge 
nannt* Angstklausel beim Wechsel. Sie stellt 
einen Vermerk dar, der die Haftung ausschließt. 
Kurt. Wadern. Postscheckämter gibt es bei 
uns seit 190?. 
X. F. Losheim. Der wichtigste Strom Afrikas 
ist der 6 500 km lange Nil. Er wird gebildet aus 
dem weißen und blauen Nil. 
Hein. Ottweiier. Immunität (aus dem Lat, im- 
munitns — Unantastbarkeit) kann folgende Be 
deutung haben: 1. im Staatsrecht: rechtliche 
Sonderstellung von Personen (Straffreiheit der 
Abgeordneten). 3. medizinisch-biologisch: bei 
Menschen, Tieren und auch Pflanzen die Un- 
«mpfänglichkeit gegen Infektionen. 
300. Eiweiler. Welches Volk liest die meisten 
Zeitungen, welches hört am meisten Radio? Zur 
Frage 1); Das englische, denn die Gesamtauf 
lage der englischen Zeilungen beträgt rd. 24 
Millionen Exemplare, sodaß auf je 2 Engländer 
eine Zeitung kommt. Zur Frage 2): Die Bevöl 
kerung der USA, denn auf je 1000 Einwohner 
kommen 566 Radioapparate, während auf 1000 
Einwohner in Schweden 298, in Dänemark 285, in 
Norwegen 251 und in Großbritannien 227 Radio 
apparate entfallen. 
K. Homburg. Es stimmt, einige Länder Europas 
werden bald in der Lage sein, die Windenergie 
neben der Kohlen- und Wasserenergie zur Ge 
winnung von «lektr. Strom, Wärme und Licht 
auszunützen. 
I C. G. Saarbrücken, Den in Frankreich be 
schäftigten Deu! sehen wird, wie den Franzosen, 
bei ihren Urlaubsfahrten einmal im Jahr eine 
Fahrpreisermäßigung von 300'o gewährt, gleich 
gültig ob zur Rundreise innerhalb des Landes 
©der zur Fahrt nach Deutschland. 
i M. R. Merzig. Im Jahre 3926 hatte Korea 
34 561 000 Einwohner. Bei der Volkszählung im 
Jahre 1940 wurden 24 326 237 Einwohner gezählt. 
Die größte Stadt des Landes ist Söul (Keijo); 
eie zählte 1946 rd. 1 146 000 Einwohner. 
Herausgeber; Hauptverwaltung der Ein 
heitsgewerkschaft, Saarbrücken 3, Brauerstr. 6-8. 
Verantwortlich für den Gesamtinhalt: Heinrich 
.Wacker. Redaktion i Sozial- und Wirtschafts 
politik C. Schuhler, Industrieverbände, Jugend 
sowie Feuilleton J. P, Wambach. — Druck; 
Druckerei Saar-Zeitung Dr. Nikolaus Fontaine, 
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