Full text: 5.1950 (0005)

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.DIE ARBEIT“ 
August 1950 
Ist meine inuallden- liezui. ßRgesielltenuersiGherung in Ordnung? 
Als Mitglied des Betriebsrates einer grö- 
Besen Baufinna m Saarbrücken habe ich 
yrdph u. a. um die Sozialversicherungs- 
fcmgelegenheiten meiner Beruiskollsgen 
bekümmert. Hierbei habe iah feststellen 
müssen, daß diesem Gebiete viel tu ws- 
(iig Beachtung geschenkt wird. Fast straf 
bar an sich selbst und gegenüber seinen 
Angehörigen wird in dieser Beziehung ge 
handelt. Teils ist es Leichtsinnigkeit, teils 
Ist es Nachlässigkeit, aber oft auch ver 
kehrte Bequemlichkeit. Und sehr oft und 
nicht zuletzt ist es die Unwissenheit, die 
taut diesem Gebiet bei einer Vielzahl un 
serer Kollgen herrscht. Wie wichtig ge 
rade dieses Gebiet für jeden Berufstätigen 
Ist, werden die älteren Kollegen gelegent 
lich der Beantragung ihrer Rente schon er 
fahren haben. Und die jüngeren werden 
es auch noch erfahren, wenn sie eines 
Tages ihre Rente oder Ruhegeld beantra- 
S en werden. Diesem Uebel vorzubeugen 
ezw. abzuhelfen, soll der Sinn der heu 
tigen Abhandlung sein. 
Hier soll zunächst mal einiges über die 
notwendigste Grundlage jeder Beantra 
gung irgendeiner Leistung aus der Sozial 
versicherung gesagt werden. Es sind die 
Aufreehnungsbescheinigunge.i, also der 
Nachweis jedes Berufstätigen über die an 
die Sozialversicherung im Laufe seiner 
Jahrelangen Arbeit eingezahlten Beiträge. 
Bis zum 30. 
lung: 
Das Versicherungsamt seilte für jeden 
Berufstätigen eine Versicherungs- oder 
.Quittungskarte aus, die für mehrere Jahre 
galt. In diese Karte wurden die Beitrags 
marken je nach Höhe des Verdienstes ein 
geklebt. War die Karte voll, so wurde die 
selbe aufgerechnet, eine Aufrechnungsbe- 
scheimgung erteilt sowie eine neue Karte 
ausgestellt, die laufend numeriert wurde. 
Ab 1. 7. 1942 werden keine Marken mehr 
geklebt, sondern die vom Verdienst ein- 
behhaltenen Beiträge werden vom Arbeit 
geber direkt an den Versicherungsträger 
(Sozialversicherung) abgeführt. Eine be 
sondere Bescheinigung in der Art der frü 
heren Aufrechnungsbescheinigung wird in 
der Regel nicht mehr erteilt, jedoch auf 
der Versicherungskarte vermerkt. 
Nun zurück zu den früheren Aufrech- 
dungsbescheinigungen. 
Der Berufstätige hat mit diesen Beschei 
nigungen vorerst nichts anderes anzufan 
gen, als sie sorgfältigst aufzubewahren. 
Ein lückenloser Nachweis dieser Beschei 
nigungen, die wiederum laufend numeriert 
*md, ist bei der späteren Rentenbeantra 
gung unbedingte Voraussetzung, um sich 
vor Schaden zu bewahren. Zwar hat die 
6. 42 bestand folgende Rege- 
Verwaltung der Sozialversicherung die 
Origmal-Klebekarten zu den Aufrech« 
nungsbescheinigungen in Aufbewahrung« 
Jedoch können auch bei dieser Stelle der 
artige Unterlagen in Verlust geraten. Wir 
haben dieses ja zur Genüge im letzten 
Kriege infolge kriegerischer Einwirkungen 
erlebt. Die Aufrechnungsbescheinigung 
hat also den Wert und die Bedeutung ei 
nes Sparbuches und ist darum wie ein 
solches sorgfältigst aufzubewahren. 
Prüfe daher ein jeder mal seine derar 
tigen Unterlagen nach! 
Mancher Kollege wird dann bei dieser 
Nachprüfung ieststellen, daß mehrere Auf 
rechnungsbescheinigungen mit der glei 
chen laufenden Nummer vorhanden sind, 
Das ist weniger wichtig; dagegen ist zu 
prüfen, ob die ganze Zeit seiner Berufs 
tätigkeit durch diese Bescheinigungen be 
legt isr. Hier sind, falls Lücken in den Ein 
tragungen sich zeigen sollten, folgende 
Ueberlegungen .anzustellen: 
a) Ist dem Betreffenden bekannt, daß er 
die Bescheinigung einmal besessen 
und durch irgendeinen Umstand ver 
loren hat, so gehe er zum Versiche 
rungsamt und beantrage die Ausstel 
lung einer Duplikat-Bescheinigung, die 
von der LVA, falls die Onginalkart® 
vorhanden ist, ausgestellt wird, 
b; Ist dem Betreffenden bekannt, daß er 
in der offenstehenden Zeit tatsächlich 
in Arbeit gestanden, aber nie eine 
Auirechnungsbescheimgung besessen 
hat, so versuche er sich zu erinnern, 
wo, bei wem und als was er in der 
fraglichen Zeit gearbeitet hat. Ist der 
Arbeitgeber bekannt und auch jetzt 
noch erreichbar, dann muß er sich 
sogleich mit ihm in Verbindung set 
zen, um die Ausstellung einer Be 
scheinigung zu erhalten, aus der her 
vorgehen muß: 
1. Dauer des Aibeitsverhältnisses 
2. Art der Beschäftigung 
3. Höhe des monatlichen Verdienstes 
und 
4. ob Beiträge zur Invaliden bzw. An 
gestellten-Versicherung entrichtet 
wurden und an welche Stelle. 
Diese Bescheinigung ist dem Versi 
cherungsamt zur weiteren Regelung 
zu übergeben. 
c) Verweigert der Arbeitgeber die Aus 
stellung der erbetenen Bescheinigung 
unter igrendemem Vorwand oder rea 
giert er aut entsprechende Anfragen 
nicht, so melde man dieses sogleich 
dem Versicherungsamt, das alsdann 
die Angelegenheit aui dem amtlichen 
Wege regelt. 
d) Ist der damalige Arbeitgeber xwar 
bekannt, jedoch nicht mehr erreich 
bar, was bei Flüchtlingen und insbe 
sondere bei den Ostflüchtlingen der 
Fdli ist, so überlege man mal in Ruhe 
bezw. suche in anderen Schriftstücken 
nach oben genannten Angaben. Das 
Versicherungsamt wird dann die so 
gewonnenen Angaben in Form einer 
eidesstattlichen Versicherung zu Pro 
tokoll nehmen. Kann der Verdienst 
aus dieser Zeit nicht mehr genau an 
gegeben werden, so wird er amtlich 
geschätzt entsprechend der damals 
ausgeübten Tätigkeit. 
Sehr wichtig ist bei allen früheren Wehx- 
machtsangehörigen die Frage: Wie und in 
welcher Weise wird die Zeit des Wehr 
dienstes bezw. der Kriegsgefangenschaft 
angerechnet? 
Die Zeiten des Wehrdienstes bezw. 
Kriegsgefangenschaft werden voll und 
ganz angerechnet. Sie müssen jedoch 
nachgewiesen werden. Dieses kann durch 
Vorlage diesbezüglicher Unterlagen wie 
Soldbuch, Bescheinigung des Kriegsge- 
Jangenenlagers, Bescheinigung des zu 
ständigen Einwohnermeldeamtes u. a. m. 
oder durch Abgabe einer eidesstattlichen 
Versicherung erfolgen. Di« Ausstellung 
der Bescheinigung erfolgt gebührenfrei. 
Weiter Interessiert sehr die Frage: 
Nach welchem Maßstabe erfolgt nun 
die wertmäßige Anrechnung der Zeit des 
Wehrdienstes bzw. Kriegsgefangenschaft? 
Die wertmäßige Anrechnung für den 
Kriegsdienst erfolgt nach der Höhe der 
zuletzi geklebten Marke bzw. des Ver 
dienstes unmittelbar vor der Einberufung, 
F, S. 
Auf fcohec iahet l 
Fast möchte man sagen, daß die Grup 
pe Metall Brebach jährlich ihre schon xui 
Tradition gewordenen Ausflüge durchführt, 
die sich immer eines großen Teilnehmer 
kreises erfreuen. So war es auch am 23. 
7. 1950 wieder. Schon frühzeitig waren 
Männlein und Weiblein zum Bahnhof Bre 
bach gepilgert. Pünktlich um 7,20 Uhr 
setzten sich die 4 Omnibusse in Richtung 
Saargemünd in Bewegung und schon hin 
ter Güdingen grüßten uns Paddler und 
Wanderer. In schneller Fahrt nähern wir 
uns der Grenze. Hinter Saargemünd nimmt 
uns eine schöne Gegend auf, große Wie 
sen, dazwischen hier und da Kartoffel 
oder Getreidefelder. Programmgemäß tref 
fen wir um 9,20 Uhr auf dem Marktplatz 
in Pfalzburg ein, wo die erste Unterbre 
chung zur Einnahme des Frühstücks statt- 
findet. Ein herrliches Glockengeläute ent 
bietet uns den ersten Gruß und manche 
Teilnehmer verzichteten lieber auf ihr 
Frühstück und gingen in die prächtig aus- 
gestatbete Kirche, andere wieder suchten 
Erfrischungsräume auf um den ersten El 
sässer „Zwetsch“ zu trinken. Als man 
wieder zur Weiterfahrt Platz nahm, war 
Stimmung, auch wenn die Sonne ver 
schwand und am Himmel drohend 
schwarze Wolken aufzogen. Am Rande 
der mächtigen Berge, hinter Pfalzburg, 
stehen die schmucken Häuschen der Be 
wohner, die fernab von der Industrie, 
wahrhaftig zu beneiden sind. Unsere Bus 
se schlängeln sich mühsam durch die 
ses herrliche Tal. Von links und rechts 
grüßen herrliche Nadelwälder. Unsere 
Busse müssen nun die hohen Pässe zur 
Dachsburg bezwingen und für alle Teil 
nehmer war gerade die Fahrt ein Erlebnis. 
Durch große Wälder nehmen wir in 
schwieriger Fahrt Links- und Rechtskur 
ven, die Wolken bedecken förmlich das 
Tal und vor uns grüßt schon die Dachs 
burg. Als sich unsere Busse dem Ziel 
näherten, hatte der Wettergott keine Ein 
sicht, denn unaufhörlich regnete es, so 
daß ein Aufstieg zur Dachsburg unmög 
lich wurde und wir schweren Herzens 
unserm nächsten Ziel, Obersteigen, ent 
gegenfuhren. Die regenschweren Wolken, 
blieben immer wieder an den hohen Fel 
sen hängen und wie dicke Nebelschwa 
den bedecken dipse das soeben von uns 
durchfahrene Ted. Hier lebt die Bevölke 
rung durchweg vom Ertrag ihrer Scholle, 
oder aber die großen Wälder geben der 
Bevölkerung Arbeit und Brot. Die wenig 
vorhandenen Gaststätten sind auf Frem 
denverkehr eingestellt und in ihrer 
schmucken und sauberen Aufmachung 
mehr als einladend. In mehreren Gruppen 
verteilte man 6ich, um das Mittagsmahl 
einzunehmen. Am Nachmittag ging unse 
re Fahre durch das Engenthal. In Wan- 
genburg war es noch schöner als zuvor, 
xumal nun wieder herrliches Ausflugswet- 
ter war. Zwischendurch machte man noch 
hier und da eine kurze Rast und vergaß 
aber auch dabei nicht das Tanzbein zut 
schwingen. In froher und ausgelassener 
Stimmung, bei Gesang und Humor ging 
es am Abend in schneller Fahrt unserer 
Heimat entgegen und als unsere 4 Omni 
busse Saar-Union passierten, waren viele 
in tiefem Schlaf versunken. Kurz vor 22 
Uhr kamen wir wieder wohlbehalten, in 
Brebach an. Für alle Fahrtteilnehmer war 
diese Fahrt mehr als ein Erlebnis, denn 
wir haben ein Stückchen Erde mit all sei 
nen Sehenswürdigkeiten kennen gelernt« 
wie wir es nicht schöner im Schwarzwald, 
oder in den bayr. Alpen usw, finden kön 
nen. 
Nachruf 
Am Dienstag, dem 25. 7. 1950, verschied plötzlich .und 
unerwartet der Obervertrcuensarzt der Landesversiche- 
rungsanstalt für das Saarland, 
Herr Dr. Eugen Gruenberg 
Herr Dr. Gruenberg war seit Juli 1946 mit der Leitung 
des Obervertrauensarztbezirkes Saailouis-Merzig-Völk- 
lingen betraut, nachdem er bereits früher lange Jahre 
als Vertrauensarzt bei der Landesversichenmgsanstalt 
Berlin tätig war. 
Im Verkehr mit den erkrankten Versicherten sowie mit 
der Aerzteschaft ist jederzeit sein vornehmes und 
gütiges Wesen in Erscheinung getreten. 
Die Landesversichenmgsanstalt für das Saarland hat 
durch das Ableben von Herrn Dr. Gruenberg «inen ge 
wissenhaften und tüchtigen Beamten verloren, der 
schwer zu ersetzen ist 
Saarbrücken, den 27. Juli 1950. 
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Redaktion: Sozial- und Wlrtichaft*- 
pollttk C Schuhler, Industrtevcr- 
binde, Jugend fowla Feuilleton 
J. P, Wambach. - Drudt: Drucker# 
Saar-Zeitung, Dr. Nlkolau* Fontaine, 
Saarlouls — Etnzalverkaufsprel» der 
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