Full text: 1947 (0002)

Die Betriebsrätewahi im Saarbergbau 
Der Industrieverband Bergbau der 
Einheitsgewerkschaft als Beruf sver- 
, band der Saarbergarbeiter hat in 
. Ausführung des § 1, Anhang Nr. - 2 
des BRG. auf allen Saargruben und 
Annexen , Belegschafts - Versamm¬ 
lungen durchgeführt und damit die 
Vorbereitungen zur Betriebsrätewahl 
eingeleitet. Allübefall v wurde der 
Vorschlag der Einheitsgewerkschaft 
einstimmig qder. mit stärkster Mehr- • 
men. . ■ . ' . ' 
Die „Firma“ Ruffing unter Anfüh¬ 
rung von Herrn Ruffing selbst, 
glaubte mit SA-Methoden einige Be¬ 
legschaftsversammlungen in Gruppe 
. West stören zu können. Herrn Ruf¬ 
fing empfehlen wir besser den An¬ 
hang 2 des BRG zu studieren, um 
der Saarbergarbeiterschaft solche 
Zwischenfälle zu ersparen. Ah sol¬ 
chen Vorkommnissen profitiert, die 
Saarbergarbeiterschaft nicht. Wir 
sehen hier schon klar und deutlich 
die üblen Folgen einer Spaltung. 
v Der Betriebsrat ^ 
Bei den Saargrubeq sind 362 Be- 
.triebsratsmitglieder und 362 Ergän- 
. zungsmitglieder zu wählen. An den 
, Belegschaften der Saargruben liegt 
es nun in den kommenden Wochen, 
wenn die Betriebsrätewahlen statt- 
. ’ finden, die Kandidaten der Einheits*- 
gewerkschaft zu wählen. Das Be¬ 
triebsrätegesetz des Saarlandes gibt 
der Arbeitnehmerschaft viele Mög¬ 
lichkeiten, wodurch eine kluge, ener¬ 
gische Arbeiterschaft sich den Ein¬ 
fluß schaffen kann, der ihr zukommt. 
Die Tätigkeit des Betriebsrates 
darf sich nicht verlieren in Detail¬ 
arbeit, sondern der Betriebsrat muß 
seine Arbeit in größten Zusammen- 
, hängen sehen. Der Betriebsrat ist 
der Gesetzesfaktor im Betrieb, das 
1 Eingangstor zur Wirtschaftsdemo¬ 
kratie. Es soll das Rechts-, aber auch 
das Pflichtbewußtsein der Arbeiter¬ 
schaft gestärkt werden. Am Standort 
der Produktion müssen die Betriebs¬ 
räte als Einheitsgewerkschaftler ihre 
Pflicht als. Diener der Wirtscnaft 
und als Vorkämpfer der Arbeiterbe¬ 
wegung erfüllen. ;•'•••• ‘‘ 
■Von wesentlicher Bedeutung ist, 
daß der Betriebsrat mit der Einheits¬ 
gewerkschaft seine Aufgaben, und *, 
ihre Durchführung selber bestimmt'. 
Das Gesetz zwingt den Betriebsrat 
zur Eigeninitiative-Ist der Betriet«- ' 
rat schöpferisch und aktiv, so ist es 
ein Gewinn für den Betrieb ,und für 
die Belegschaft. Bestimmte Aufgaben 
sind ihm dennoch vorgeschrieben. 
Wenn, der Betriebsrat bei der Eih- 
- führung neuer Arbeitsmethoden för¬ 
dernd sich einsetzen soll, so ist es 
aber auch, seine Pflicht sich schüt¬ 
zend vor die .Arbeiterschaft zu stel- 
'len, wenn ein Arbeitssystem sich 
ausbeuterisch auswirken sollte. 
' Der Gesamtbetriebsrat , 
Eine Fülle von Arbeit, die das Ge- 
samtunternehmen angeht, hat der 
Gesamtbetriebsrat zu bewältigen. Er 
steht in direkter Verbindung zu der 
Hauptverwaltung der Saargruben. 
Der Gesamtbetriebsrat muß, eine 
Sachliche Aktivität entwickeln kön¬ 
nen; nur sie allein ist ein Gewinn 
für die Gesamtbelegschaft. Aus den 
einzelnen Betriebsräten : • kommend 
müssen es Betriebsräte sein mit 
Weitblick und Selbstständigkeit des 
Urteils, die auch den Massenwillen 
der Belegschaften formen und bilden 
'•können. ' -1 / 
r Der Aufsichtsrat '< . 
Das Betriebsrätegesetz sieht vor, 
daß bei Unternehmungen,' für die 
ein Aufs ich ts rat besteht, mindestens 
2 Betriebsratsmitglieder dem Auf¬ 
sichtsrat angehören müssen... Wir 
sind realistisch genug um zu wissen, 
daß nur selten für besondere Be¬ 
schlüsse hier eine Mehrheit zu er¬ 
reichen ist. Hier sind aber die Auf- 
sich'tsratsmitglieder als Vertreter der 
Arbeitnehmerschaft Forscher in 
einem Neuland. In der Erfüllung 
ihrer gesetzlichen Aufsichtsrats-, 
pflichten muß den Aufsichtsratsmit¬ 
gliedern Einblick u.nd Aufschluß 
•über die inneren Vorgänge gegeben 
werden. Nicht mehr wie in der Ver¬ 
gangenheit steht die Arbeitnehmer¬ 
schaft im Dunkeln, sondern sie be¬ 
schreiten den Weg der Annäherung 
an die Produktionsmittel. Bei der" 
Entsendung bester, befähigter Ge¬ 
werkschaftler mit den Rechten der 
Aktionär - Aufsichtsrats - Mitglieder 
/ 
nicht bange sein. Wenn der Betriebs¬ 
rat es versteht auf seinem vorge¬ 
schobenen Posten eine einheitliche 
Belegschaft hinter sich zu bringen, 
und gegebenenfalls den gewerk¬ 
schaftlichen Druck noch einspannt, 
dann dürfte die Interessenvertretung 
der SaarbeTgarbeiter in besten Hän¬ 
den seirt. .... 
Das Schulungsprogramm 
1. Grundlage der ganzen Ausbildung 
ist das Betriebsrätegeseta, Seine 
genaue Kenntnis ermöglicht erst 
die erfolgreiche Tätigkeit des Be¬ 
triebsrates, Der Unterricht über 
das Gesetz muß erweitert werden 
durch Einführung in: 
a) das Arbeits- und Tarifrecht, 
b) das Sozialversicherungsreeht, 
c) das Betriebsbilanzwesen, 
Fritz Kuhnen f 
Der frühere 
„Gewerkverein 
Bezirksleiter vom 
christlicher Bergar¬ 
beiter Bezirk Saar“ Fritz K u h n e n 
ist am 25. September 1947 verstor¬ 
ben. Fritz Kuhnen war der einzige 
Gewerkschaftssekretär vom Gewerk¬ 
verein christlicher Bergarbeiter Saar, 
der sich 1934 einer Gleichschaltung 
widefsetzte, und dafür fn die Emi¬ 
gration gehen mußte. Louxemburg 
war sein Domizil. Als <^ie Deutschen 
im Jahre 1940 Louxemburg • über* • 
fielen, wurde Kuhnen verhaftet und 
zu anderthalb Jahren Gefängnis ver¬ 
urteilt. Während seiner Haft wurde 
er von den Nazischergen mißhandelt 
und gequält. An den Folgen dieser 
Mißhandlungen ist Fritz Kuhnen nun 
verstorben. .• 
Fritz Kuhnen bekannte sich — 
wir’ sind im Besitz eines Briefes — 
wie es nicht anders zu erwarten war, 
zur gewerkschaftlichen Einheit, zur 
Einheitsgewerkschaft. E3 dürfte die 
jüngeren' und „auch .älteren Ver¬ 
bandsmitglieder interessieren wie 
sich damals die „zwei großen christ¬ 
lichen Berufsverbände zu Nazi- 
cfeutschland stellten. 
Der Christliche-Metallarbeiterver¬ 
band, unter Führung von Otto Pick 
widersetzte sich der Nazigleichschal¬ 
tung. Otto Pick ist in der Emigration 
verstorben _ und die Mehrzahl der 
damaligen christlichen Metallarbei¬ 
ter-Gewerkschaftssekretäre mußten 
Not und Entbehrungen erdulden. Sie 
bekennen sich heute restlos zur Ein¬ 
heitsgewerkschaft. 
Der Gewerkverein „Christlicher 
Bergarbeiter“ unter Führung ' von 
Kiefer und Lehnhart dagegen 
ging bedingungslos ' zur Deutschen 
Arbeitsfront über. Dehnhart, 1932 
schon Pg, führte seinen Parteiauf¬ 
trag durch. Der Lohn blieb nicht 
aus. Kiefer wurde im Redchskohlen- 
rat, hoher Staatsbeamter, Lehnhart 
wurde hoher Beamter bei der Saar¬ 
grubenverwaltung. 
Fritz Kuhnen, von Kiefer schon 
frühzeitig aus dem Gewerkverein 
ausgebootet, mußte ein Leben voller 
Entbehrungen und einen frühzei¬ 
tigen Tod hinnehmen. 
. Fritz Kuhnen war 1 mit seinem 
Bekenntnis zur Einheitsgewerkschaft 
einer der Unseren. 
Das geht jeden an! 
R.P.-Bezugscheine: Die Gültig¬ 
keitsdauer der im Monat März 1947 
erstmalig ausgegebenen R.P.-Bezug¬ 
scheine wird ausnahmsweise 
um drei Monate verlängert. Zu 
diesem Zweck ist von den Gruben 
auf der Rückseite der infrage kom¬ 
menden R.P.-Bezugscheine das neue 
Verfallsdatum einzutragen und mit 
Stempel und Unterschrift zu beglau¬ 
bigen. . 
Fettzuteilung an Aufsicbtspersonal 
der Elektro- und Maschinenbranche: 
Sämtliche technischen Angestellten 
der Elektro- und ‘Maschinenbranche, 
welche direkt Arbeiter beaufsichti¬ 
gen, von denen nachweisbar min-' 
destens 50 Prozent ständig in pro¬ 
duktiven Abteilungen tätig sind, er¬ 
halten ab Monat September 1947 ein- 
Schließlich eine monatliche Fettzutei¬ 
lung von 750 Gramm. 
Werksküche: Miti Schreiben vom 
17. September 1947 teilt die Saar¬ 
grubenverwaltung dem Verband mit, 
daß die Gruppendirektoren beauf¬ 
tragt worden sind, auf einer Grube 
in jeder Gruppe praktische Vor¬ 
schläge zur Einführung des^neuen 
Systems der Lebenmittela usgabe zu 
barbeiten. '■ - ' 
Einkömmenspfliehtige Sozialbe¬ 
züge: ln letzter Zeit häufen sich die 
Anfragen darüber, ob die „Bezüge 
aus der Sozialversicherung“ steuer¬ 
frei seien. Man stützt sieh hierbei 
offenbar auf -den" § 3 des Einkom¬ 
mensteuergesetzes, der zunächst ganz 
allgemein diese Bezüge als steuerfrei 
erklärt.. Die richtige Auslegung die- 
(Fortsetzung Seite 6) 
kann den* Wünschen und Forde¬ 
rungen der Belegschaft „höheren 
Orts“ Gehör verschafft werden., 
V ' Schulung der Betriebsräte 
Das Betriebsrätegesetz ist, wie alle 
Gesetze, trocken und uninteressant, 
es bedarf darum des gründlichsten 
Studiums, Eis ist als solches noch 
kein Vorteil für die Arbeiterschaft, 
sondern erst dann; wenn wir es ver- 
' stehen, dem Gesetz Leben zu geben, 
es nutzbringend anzuwenden. Darum 
ist der Ausbildung der Betriebsrats¬ 
milglieder von seiten der Einheits¬ 
gewerkschaft allergrößte Aufmerk¬ 
samkeit zu schenken. ... 
In ’ der Auswahl der Kandidaten, 
bzw. bei der Wahl der Kandidaten 
ist zu beachten, dafr zur Voraus¬ 
setzung eines besten Betriebsrats¬ 
mitgliedes mehr' gehört als Klagön 
und Jammern und Kampfrufe gegen 
den Kapitalismus auszustoßen, son¬ 
dern es müssen befähigte, aufge-' 
schlossene Männer sein,- die bereit’ 
sind sich einer Schulung 'zu unter- " 
ziehen. Wenn die Betriebsräte durch 
Selbststudium, Besuch von Kursen 
und Benützung von Aufklärungsma¬ 
terial ’sich das erforderliche Wissen 
erarbeiten, dann darf es uns um die 
Anwendung des Betriebsrätegesetzes 
d) den schriftlichen Verkehr, der sich 
, aus der ■ Betriebsrätepraxis ergibt, 
e) die Volks- und Betriebswirt- ' 
schaftslehre, 
f) das Arbeitsgerichtsgesetz. 
‘ Lehren aus der Vergangenheit 
Sprechstunden des Industgieverban- 
des ^ Bergbau der Einheitsgewerk¬ 
schaft ' 
Montag3 jeder Woche: 8—12 und 
14—18 Uhr Illingen-Saar, Gebäude 
des Arbeitsamtes. 
Montags jeder Woche: 9—12 Uhr 
St. Wendel, Eisenbahnbetriebsamt, 
Mummstraße.' . 
Montags jeder Woche: 13—17 Uhr 
Neunkirchen, Lokal Müller, Welles- 
weiler Straße. - • ■> 
Dienstags jeder Woche: 9—12 Uhr 
Saarlouis, Alte Brauereistraße, Ge¬ 
werkschaftsbüro. 
Dienstags jeder Woche: 14—17 Uhr 
| Völklingen, Poststraße 10, Gewerk-. 
* schaftsbüro. 
Mittwochs jeder Woche: 9—12 Uhr 
Homburg, Gewerkschaftsbüro am 
Bahnhof. ■ \ . 
Mittwochs jeder Woche: 13—17 Uhr 
St, Ingbert, Gewerkschaftsbüro, 
Kaiserstraße. •. ' * 
Donnerstags jeder Woche: 9—12 
Uhr, Dudweiler, Lokal Kopp, 
Büchelstraße 10. 
Donnerstags jeder Woche: 13—17 
Uhr, Sulzbach. Volkshaus. 
Samstags jeder Woche: 8—12 Uhc, 
Riegelsberg,v Lokal-Gabriel (Paulus). 
Wir bitten alle Verbandsmitglie¬ 
der, von den Sprechstunden regen’ 
Der neu gebildete Betriebsrat darf 
keine Weiterführung der alten Be¬ 
triebsvertretung sein. Oft war. die 
alte Betriebsvertretung " nur der 
Prellbock für die ‘Verwaltung. Der 
neue Betriebsrat mtiß sich seiner 
Doppelstellung bewußt sein, einmal - Gebrauch zu machen 
als betriebssachverständiger Berater —- 
der Betriebsleitung, aber auch als 
konsequente Interessenvertretung 
der Belegschaft. Der Betriebsrat 
übernimmt eine Reihe von Pflichten, 
aber auch Rechte. Diese gesetzlich 
verbrieften Rechte gilt es unter allen 
Umständen zu wahren. , a ' 
Das Gesetz des Handelns. . 
Die Arbeiterschaft will unmittelbar, 
die Mitwirkipiff im wirtschaftlichen 
vernünftigen Wirtschaft. Die erste 
Voraussetning dazu ist die Einheit 
der Arbeiterschaft. Sie wurde leider 
an der Saar zerschlagen. Noch ist es 
in die Hand der Belegschaft gegeben, 
die ^inheit zu wählen. Keine Stimme 
bei den Betriebsrätewahlen den 
Spaltern, den Todfeinden der Arbei¬ 
terschaft. An den Verbandsmitglie- 
dem milß es liegen, notwendige Auf¬ 
klärung zu geben und für eine große 
und sozialen Leben. Sie will aus dem Wahlbeteiligung Sorge zu • tragen. 
Schatten,' aus dem Verdammtsein 
heraus zum Licht. Sie will -mehr 
sein, als Nur-Lohnarbeiter. Sie ver¬ 
langt umfassenden Einblick, sic will 
teilnehmend mitgestalten an einer 
Die Betriebsrätewahl 1947 muß ein 
Sieg der Einheitsgewerkschaft wer¬ 
den, zum Nutzen der Belegschaften 
der Saargruben. M / --- . 
, Aloys Schmitt,
	        
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