Full text: Relativitätstheorie und Philosophie

Physiker, nur möglich sein, wenn alle Maßstäbe in dem 
gegen die Lichtquelle L bewegten System, dem Glaswagen 
mit seinem Beobachter B, ihre Maße verändern, B glaubt 
mit demselben Meter und derselben Sekunde wie A zu 
messen, tut es aber nicht. Alle Maße im ,0-System 
haben sich durch seine Bewegung gegen den absolut ruhenden 
Äther verändert. Eine seltsame, aber logisch mögliche 
Theorie, welche, wohl gemerkt, angesichts des ursprüng¬ 
lichen Resultates von Michelson nicht erforderlich wäre, 
sondern nur seine sogenannte „Erweiterung“ — (die man 
für selbstverständlich hält!) — betrifft. Denn der Michel- 
son’sche Versuch redet ja nur davon, daß das von einer 
dem in Frage stehenden System selbst angehörigen Licht¬ 
quelle ausgesandte Licht sich unbekümmert um irgend¬ 
welche translatorische Bewegung des Systems nach allen 
Richtungen relativ zum System gleich schnell fortpflanze, 
und hier käme man mit der Lehre vom „mitgeführten 
Äther“ aus. 
Als seltsam, aber logisch zulässig, haben wir die An¬ 
nahme von Lorentz bezeichnet. Seltsam ist sie, erstens, 
weil sie mit dem Begriff der absoluten Bewegung, nämlich 
relativ zum absolut ruhenden Äther, geradezu praktisch 
rechnet, und eine solche Bewegung nicht nur denkend setzt, 
zweitens aber, weil sie die bloße Tatsache des „sich ab¬ 
solut Bewegens“ als Ursache physikalischer Wirkungen, 
nämlich der dimensionalen Verkürzung einführt, So etwas 
kannte man nicht. Aber es würde nicht den Satz des 
Widerspruchs verletzen, und deshalb ist die Theorie logisch 
zulässig. Nun gibt es aber gerade hier noch eine andere 
Theorie, und mit ihrer Erwähnung kommen wir endlich zu 
unserem eigentlichen Thema. 
2. Einsteins Theorie. Einstein geht über die physi¬ 
kalischen Paradoxien von Lorentz hinweg zu viel funda¬ 
mentaleren. Er sagt nicht: wegen Veränderung seiner 
Driesch H., Relativitätstheorie und Philosophie. 2 
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