Title:
Philosophische Forschungswege
Creator:
Driesch, Hans
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321569
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321651
VORREDE. 
Die Philosophie in Deutschland befindet sich seit eini¬ 
gen Jahren in einer kritischen Lage, und zwar in einer ge¬ 
fährlichen Krisis; denn wir leben in einer Zeit steigen¬ 
den philosophischen Interesses und sinkender philoso¬ 
phischer Gewissenhaftigkeit. Große Errungenschaften 
der Vorzeit drohen verloren zu gehen, ja sind in gewissen 
Kreisen schon verloren. 
Die Gefahr für den Philosophiebetrieb in Deutschland 
kommt von drei Seiten: 
Zum ersten ist da eine üppig wuchernde Popularphilo- 
sophie, die sich vornehmlich auf dem sogenannten „kul- 
tur- und geschichtsphilosophischem“ Boden bewegt. 
Daß ich hier nicht an die Werke Schelers, Litts, Spran- 
gers, Breysigs, Th. Lessings, H. Schneiders und einiger 
anderer verdienstvoller Männer denke, ist selbstverständ¬ 
lich. Ich denke an die „viel zu vielen“. Schießen die von 
mir gemeinten Bücher doch wie Pilze hervor: ja sie über¬ 
wuchern auch pilzartig das wenige Gute und verwirren 
dem Laienleser den Blick dafür, was gediegen ist und was 
nicht. Jedem Einfall gibt man nach; „geistvoll“ und 
„modern“ um jeden Preis, — das ist die Losung. Da war 
die darwinische populäre Naturphilosophie des vorigen 
Jahrhunderts viel harmloser: hier wollte man ehrlich in 
langsamem Vorrücken wissen; wenn auch der Wille nicht 
sein Ziel erreichte. Heute dient die genannte Art der Po¬ 
pulärphilosophie dazu, den jeweiligen Autor in möglichst 
effektvoller bengalischer Beleuchtung erscheinen zu
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.