Title:
Philosophische Forschungswege
Creator:
Driesch, Hans
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321569
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321797
Die Forderung der Vollständigkeit. 
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zwar „zufällig“ liegen, daß aber eine bestimmte Ordnung 
und Rücksicht auf die Atomgruppen besteht. So hat auch 
der Philosoph vorzugehen: er fängt als Naiver an, kommt 
dann immer „näher“, wobei er zugleich „bewußter“ 
wird, und endet als „Mikroskopiker“ —da findet er dann 
die Letztheiten an Ordnung. 
Doch nun zur ersten unserer eigentlichen Sonder¬ 
fragen. 
2. Die Forderung der Vollständigkeit. 
Wie soll eine Möglichkeitserwägung beschaf¬ 
fen sein ? Diese Frage muß vor jeder anderen geklärt 
werden. Daß sie vollständig sein soll, ist hier nun das 
allererste Erfordernis. Sie ist aber dann und nur dann 
vollständig, wenn sie als Möglichkeitserwägung nicht 
über den Haufen geworfen werden kann durch neue Tat¬ 
sachen. Jede denkbare neue Tatsache muß sich ihr als 
einer Möglichkeitserwägung fügen, und neue gefundene 
Tatsachen dürfen, wenn sie wirklich ist, wie sie sein sollte, 
nur innerhalb ihres Rahmens Entscheidungen bringen. 
Sprengen neue Tatsachen diesen Rahmen, so ist das 
selbstverständlich nicht „schlimm für die Tatsachen“, 
sondern schlimm für die nun als mangelhaft nachgewie¬ 
sene philosophische Möglichkeitstheorie. 
Philosophische Möglichkeitserwägungen sind nicht so¬ 
genannte „Arbeitshypothesen“, obschon sie diese ein¬ 
schließen. Ihr Bereich ist viel weiter; er geht, ja muß 
gehen, auf noch ganz Unbekanntes hin, soweit es eben 
„möglich“, d. h. unter den gegebenen Umständen wider¬ 
spruchsfrei denkbar ist. Die Arbeitshypothese, etwa eine 
bestimmte physikalische Theorie, kann ruhig fallen. 
Der gewissenhafte Forscher wußte ja, sollte jedenfalls
        

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