Title:
Zur Lehre vom Gemüt
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288253
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-289131
Zur Lehre vom Gfemüt. 
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enthalten ist; bisweilen, aber doch mir ausnahmsweise, 
tritt wohl auch aus dem dunklen Hintergründe der Stimmung 
allmählich das oder jenes Sondergefühl hervor und gibt dann 
derselben ein bestimmtes Relief und einen ausgesprochenen 
Charakter, bald von sanfter Melancholie oder unruhiger, mehr 
affektvoller Schwermut, bald von gleichgewogener Heiterkeit 
oder von schwunghafter Beseligung“. Wir müssen gestehen, 
daß diese Worte uns nicht klüger aus dem Rathause heraus¬ 
gehen lassen, als wir hineingegangen sind. Wir verstehen 
nicht, was unter Stimmung überhaupt gemeint sein könne, 
wenn z. B. Melancholie und Heiterkeit „Charaktere einer 
Stimmung“ sein sollen, die ihr erst durch ein „Sonder¬ 
gefühl“, das mitläuft, aufgedrückt werden. Erstens ist 
uns unmöglich zu begreifen und mit irgend einer Tatsache 
aus unserem Bewmßtseinsleben zu belegen, daß in einem und 
demselben Augenblick eine Stimmung und ein „Gefühl“ zu¬ 
sammen sich fänden, was doch Nahlowsky behauptet; 
zweitens aber, wenn wir auch dieses zugeben wollten, könnten 
wir uns nicht klar machen, wras das sein sollte, das als so¬ 
genannte „Stimmung“ doch immerhin schon bestehen soll, auch 
wenn das „Sondergefühl“, das unsre „Stimmung“ angeblich erst 
zu einer melancholischen oder heiteren stempelt, nicht da ist. 
Denn die „Charakterisierung“ der Stimmung als Heiterkeit und 
als Melancholie usf. soll, wie Nahlowsky ausdrücklich betont, nur 
„ausnahmsweise“ sich finden. Nahlowsky und mit ihm Andere 
mögen vielleicht antworten, das sei „unsagbar!“ Auch wir 
sind dieser Ansicht, aber nicht aus denselben Gründen, wie 
jene, sondern aus dem Grunde, weil „Stimmung ohne Charak¬ 
terisierung“ nichts ist, und Nichts ist selbstverständlich immer 
„unsagbar“! Jeder kennt die „heitere“ Stimmung: man nehme 
nun einmal die „Heiterkeit“ weg, die ja nach Nahlowsky der 
Stimmung als ihr Charakter erst nachher, indem „aus dem 
dunklen Hintergründe der Stimmung ein gewisses Sonder¬ 
gefühl hervortritt“, aufgedrückt wird, was bleibt dann noch 
übrig von dem, das man „heitere“ Stimmung nennt, was ist 
mit anderen Worten dieser „dunkle Hintergrund“, den man 
„Stimmung“ genannt wissen will? Es bleibt uns, wenn die 
„Heiterkeit“ gestrichen ist, nichts mehr von der ganzen
        

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