Title:
Zur Lehre vom Gemüt
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288253
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288926
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Zur Lehre vom Gemüt. 
Wenn es sich nun um die Einteilung des Gefühlsbegriffes 
handelt, die ja Schwierigkeiten zu bieten scheint, so ist in 
erster Linie festzulegen, in welchem der zwei Sinne das Wort 
Gefühl zugrunde gelegt sein soll. Meint man das Gefühl im 
Sinne der bloß zuständlichen Bestimmtheitsbesonderheit, so ist 
die Einteilung einfach und klar: Lust und Unlust sind die 
beiden Hauptglieder, von denen wiederum ein jedes die Ein¬ 
teilung nach dem Grade zuläßt Eine andere Einteilung 
dieses Gefühlsbegriffes ist nicht möglich, und wrenn man da¬ 
nach auch andere Einteilungen des Gefühls meinte ausführen 
zu können, so verfiel man diesem Scheine nur aus dem Grunde, 
weil man diesem Gefühlsbegriffe, ohne sich darüber klar zu 
werden, jenen anderen Gefühlsbegriff unterschob. Man faßte 
dann entweder das „maßgebende“ Gegenständliche im Be¬ 
sonderen ins Auge, wie z. B. bei der Einteilung des Gefühls 
in „sinnliches“ und „ideelles“, in „niederes“ und 
„höheres“ Gefühl,1) in Inhalts- und Beziehungsgefühle;2) 
oder man hatte im Besonderen das „begleitende“ Gegen¬ 
ständliche im Auge und sprach nunmehr vom Gefühl der Be¬ 
klemmung und der Erleichterung, der Kraft und der 
Schwäche, der Spannung und der Lösung, oder aber man 
richtete das Augenmerk auf „maßgebendes“ und „be¬ 
gleitendes“ Gegenständliches zusammen und kam dann zu 
der Einteilung des Gefühls in „vages“ und „fixes“3) und 
zu Einteilungsgliedern wie „Gefühl der Langeweile, der Be¬ 
sorgnis“ u. a. m. 
Ob es je gelingen werde, eine einwmndsfreie Tafel der 
„Gefühle“ zu gewinnen, mag berechtigtem Zweifel begegnen; 
dem wirren Zustande aber, in dem sich heute die Psychologie 
gerade in dieser Frage befindet — ich weise zum Beleg nur 
hin auf die Versuche, das „Gefühl“ einzuteilen und die Ein¬ 
teilungsglieder aufzuzählen, die von Nahlowsky und A. Bain 
gemacht sind, — diesem wirren Zustande in etwas abzuhelfen, 
*) Nahlowsky, „Das Gefühlsleben“, § 14; Th. Ziegler, „Das Ge¬ 
fühl“, S. 113. 
2) Lehmann, a. a. 0. S. 338. 
3) Volkmann, Lehrb. der Psychol., 2. Auf!., II, § 132,
        

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