Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
53 
gebende“ Gegenständliche), sondern das znständliche (d. i. das Ge¬ 
fühl) mit solcher neuen Besondernng belastet wird, erklärt 
sich zu einem Teile wohl aus der Unklarheit jener Körper- 
empiindungen, die es hindert, daß sie dem klar vorliegenden 
„maßgebenden“ Gegenständlichen, das überdies ja auch zu¬ 
meist außer dem menschlichen Körper Gegebenes bedeutet, zu¬ 
geteilt werden. Zu einem anderen Teil aber ist daran, daß sie 
überhaupt nicht dem Gegenständlichen zugelegt, sondern viel¬ 
mehr mit einer gewissen Sicherheit ohne weiteres dem Gefühl 
d. i. der Lust oder Unlust als Besonderung zugeschrieben werden, 
die hergebrachte Auffassung schuld, daß auch das Gefühl d. i. 
Lust und Unlust sich „in uns“ d. i. „im Innern des menschlichen 
Körpers“ befinde. So undeutlich auch manche Körperempfindung 
noch sich bieten mag, alle bedeuten immerhin etwas „im 
menschlichen Körper“, „in unserem Innern“ Gegebenes, und 
da eben das „maßgebende“ Gegenständliche doch durchweg 
„außer uns“ d. i. „in der näheren oder ferneren Umgebung 
des menschlichen Körpers“ Gegebenes ist, so verstehen wir, 
wie man dazu gekommen ist, jene Körperempfindung, da sie 
als eine besondere noch nicht ist erfaßt worden und doch 
als Gegebenes irgendwie untergebracht werden soll, dem 
Zuständlichen jenes Zusammens d. i. dem angeblich auch, wie 
die Körperempfindung, „in unserem Innern“ befindlichen 
Gefühle als eine Besonderung, als sogenannte „Färbung“, 
neben Art und Grad zuzulegen. Und wir begreifen dann 
auch, daß die angebliche „Färbung“ des Gefühls „unbeschreib- 
bar“ und nur „fühlbar“ sein soll, denn die unleugbare „Un¬ 
deutlichkeit“ jener Körperempfindungen, die für die so¬ 
genannte „Färbung“ die tatsächliche Unterlage ausmachen, 
läßt das Beschreiben dieser „Färbung“ zu einem schwierigen 
Geschäfte werden, so daß man sich wohl gerne bei dem Ge¬ 
danken beruhigt, jedem sei das, was man mit dem Worte 
„Färbung des Gefühls“ meine, im „Gefühle“ unmittelbar be¬ 
kannt und zur Genüge gegenwärtig. 
Wir leugnen eine neben Art und Grad noch gegebene 
andere Besonderung des Gefühls d. i der Lust oder Unlust. 
Die Verteidiger der „qualitativen“ Gefühlsbesonderung werden 
aber nun ihrerseits an uns die Forderung stellen dürfen, den
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.