Title:
Zur Lehre vom Gemüt
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288253
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288813
Zur Lehre vom Gemüt. 
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ist so eingebürgert, daß wir an ihm nicht rütteln werden, zu¬ 
mal der dem Worte „Gefühl“ hier beigelegte Sinn durchaus 
Tatsächliches trifft und ferner auch jede Verwechselung mit 
dem Gefühl im Sinne von bloß zu stündlicher Bestimmtheits¬ 
besonderheit durch die Zusätze („der Liebe“, „des Hasses“ usf.), 
die auch auf das Gegenständliche in diesem sogenannten 
„Gefühle“ deutlich hinweisen, ausgeschlossen ist. 
Anders steht es mit der zweiten Weise, in der sich der 
Sinn des Wortes „Gefühl“ weiter, als der zunächst von uns 
erörterte, zeigt; sie läßt Lust oder Unlust nicht ein beson¬ 
deres Stück des „Gefühls“ neben einem gegenständlichen, 
wie die erste Weise es beliebt, sondern sie faßt das Wort 
„Gefühl“ im Sinne einer rein zuständlichen Bestimmtheits¬ 
besonderheit der Seele, also als Lust oder Unlust, jedoch 
kennt sie an diesem Gefühl, an der Lust oder Unlust, noch 
etwas, durch das es sich noch ganz besonders als Lust oder 
Unlust auszeichne, so daß die zuständliche Bestimmtheits¬ 
besonderheit des Bewußtseins als solche, abgesehen von 
Art und Grad noch in einer anderen Eigentümlichkeit auf¬ 
trete. Außer Art und Grad behauptet man, zeige sich noch an 
der rein zuständlichen Bestimmtheitsbesonderheit das, was 
von Psychologen wohl als die „qualitative“ Seite oder als 
die „Färbung“ des Gefühls bezeichnet werde. Wenn wir uns 
aber nach dieser „qualitativen“ Besonderung oder „Färbung“ 
der Gefühle näher erkundigen, so ist die Auskunft, die wir 
erhalten, sehr wenig Vertrauen erweckend. Man erklärt uns, 
die „Färbung“ des Gefühls sei etwas „Unsagbares“, „nicht 
Beschreibbares“, sondern eben „nur Fühlbares“ (s. z. B. 
Th. Ziegler: Das Gefühl, S. 115); damit können wir uns natür¬ 
lich nicht zufrieden geben. Mit dem Privilegium, das man 
dem „Gefühl“ zuerkannt wissen möchte, sich nämlich in seiner 
angeblichen „Unsagbarkeit“ der wissenschaftlichen Polizei ent¬ 
ziehen zu dürfen und das Vagabondieren ungestraft zu be¬ 
treiben, können wir uns nicht befreunden, und was das „Ge¬ 
fühl“ etwa an besonderer Eigentümlichkeit noch aufweist, 
das muß auch zu „sagen“ sein, also in Worten zum Aus¬ 
druck gebracht werden können; denn auch das „Fühlbare“ 
gehört zum Gegebenen oder Bewußten, und alles Ge¬
        

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