Title:
Zur Lehre vom Gemüt
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288253
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-289424
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Zur Lehre vom Gemüt. 
Für die hier untersuchten Bestimmtheitsbesonderheiten 
der Seele, die wir in die beiden Gruppen des „Gefühls“ (den 
Affekt eingeschlossen) und der Stimmung geschieden haben, 
bietet unser Sprachgebrauch die gemeinsame Bezeichnung 
„Gemütszustand“. Sie kennzeichnen sich allesamt dadurch, 
daß ein jeder Gemütszustand sich als ein besonderes Zusammen 
von Gefühl und bestimmtem Gegenständlichen unseres Bewußt¬ 
seins darstellt. „Gemütszustand“ bezeichnet demnach die 
augenblickliche1) Beschaffenheit der Seele, die sich als 
das Zusammen von besonderem Gefühl und besonderem 
Gegenständlichen erweist. 
Nachdem wir nun dieses eigentümliche Zusammen in seinen 
verschiedenen Besonderungen untersucht und diese in ihrer 
Zusammensetzung und Begründung zu verstehen gesucht haben, 
wird es uns wohl auch gelingen, das „Gemüt“ dessen „Zu¬ 
stände“ dieses verschiedene Zusammen von Gegenständlichem 
und Gefühl (Lust oder Unlust) genannt wird, seinem Sinne 
nach zu begreifen. 
Sicherlich ist das Einzelwesen, dessen augenblickliche Be¬ 
schaffenheit als „Gemütszustand“ bezeichnet wird, die Seele 
d. i. das mit einem Körper in stetiger Wirkenseinheit ver¬ 
bundene Bewußtsein; von „unbewußten“ Gemütszuständen 
darf demnach nicht die Rede sein, wir hören auch gottlob 
davon nicht reden. In welchem besonderen Sinne nun das 
Wort „Gemüt“ auch verstanden werden mag, wir finden in 
unserem Sprachgebrauche, daß niemals von mehreren zu¬ 
gleich auftretenden Gemütszuständen des einzelnen Bewußt¬ 
seins die Rede ist. Darin also scheinen Alle einig zu sein, 
daß nur immer ein Gemütszustand die augenblickliche Ge¬ 
mütsbeschaffenheit des Bewußtseinsindividuums bilde. Wir 
sehen hierin die Bestätigung unserer Auffassung, daß immer nur 
ein einfaches Gefühl die zuständliche Bestimmtheitsbesonder- 
x) Der „Augenblick“ kann natürlich, wenn er nach der Uhr gemessen 
wird, oft einen recht langen Zeitraum umspannen, sein Bestehen dauert 
eben so lange, als bis ein anderer „Gemütszustand“ d. i. ein neues „Ge¬ 
fühl“ oder eine neue Stimmung eintritt.
        

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