Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Teil A: Industrialisierung, Urbanisierung und Migration: Die 
Herausbildung der Hüttenstädte Neunkirchen und Düdelingen 
I Industrielle und urbane Entwicklung: Neunkirchen 
und Düdelingen im Zeitalter der Industrialisierung 
Neunkirchen und Düdelingen durchliefen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
einen fundamentalen ökonomischen, sozialen und demographischen Wandlungspro¬ 
zess, in dessen Verlauf die lokale Hüttenindustrie und die darin wirtschaftenden Men¬ 
schen immer mehr an Gewicht gewannen. Vor dem Hintergrund der industriellen 
Expansion vollzogen sich jene soziodemographischen Umwälzungsprozesse, in deren 
Gefolge die städtischen Lohnarbeiterschaften überhaupt erst entstanden. Die Geschich¬ 
te der lokalen Hüttenarbeiterpopulationen, die im Mittelpunkt der vorliegenden Studie 
steht, kann nur vor dem Hintergrund der in den folgenden Kapiteln zu skizzierenden 
Ökonomischen und urbanen Entwicklung gesehen werden. Beide Städte wuchsen dabei 
in einem regionalen Kontext: Ihr spezifisches Gepräge verdankten sie nicht zuletzt auch 
ihrer Einbindung in ein übergeordnetes Industrierevier.1 Stadtgeschichte verläuft nicht 
isoliert, sondern eingebettet in regionale Zusammenhänge. Überdies erlaubt die An¬ 
bindung an den regionalen Kontext die Identifizierung städtischer Besonderheiten. Aus 
diesen Gründen sollen im Folgenden zunächst die sozioökonomischen sowie demogra¬ 
phischen Strukturen und Entwicklungen im Saarrevier und im luxemburgischen Mi¬ 
nettebassin während des Untersuchungszeitraums in ihren Grundlinien nachgezeichnet 
werden. 
1 Die Industrialisierung des Saarreviers 
und des luxemburgischen Minettebassins 
In einem jüngst erschienenen und von Ludwig Linsmayer herausgegebenen Sammel¬ 
band zur Geschichte der Region Saar-Lor-Lux werden nicht zuletzt die historischen 
1 Gérard Gayot operiert mit dem Konzept des „Gewerbereviers“ („industrial district“), das sich un¬ 
ter anderem durch die Dominanz eines oder zweier Produkte, ein in den führenden Branchen konti¬ 
nuierlich wirtschaftendes Unternehmertum, eine in den entsprechenden Industriezweigen erfahrene 
Arbeiterschaft sowie eine allmählich entstehende Revieridentität auszeichne. Zwar bezieht sich Gayot 
eher auf gewerbliche Zentren der Frühen Neuzeit, das Konzept ließe sich aber ohne weiteres auf die In¬ 
dustriereviere an der Saar und in Luxemburg ausweiten. Vgl. Gayot, Gérard: Das Gewerberevier - ein 
nützliches Konzept für die regionale Wirtschaftsgeschichte?, in: Brakensiek, Stefan/FLÜGEL, Alex 
(Hrsgg.): Regionalgeschichte in Europa. Methoden und Erträge der Forschung zum 16. bis 19. Jahrhun¬ 
dert (Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 34), Paderborn zooo, S. 17-2.3. 
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