Title:
Zwischen Herrschaft und Kunst
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-171808
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-172687
TRANSLATÉ AVEC TRÈS GRANDE DIFFICULTÉ 
Deutsche Literatur am französischsprachigen Hof 
Margarethes von Österreich in Malines 
Martina Backes 
Lass ab, mit hohlem Wort das männliche Geschlecht mehr als billig zu rühmen und nichtige Lobsprü¬ 
che zu häufen; lass ab, wenn Du klug bist, das weibliche Geschlecht mit böswilligen Worten grundlos 
zu schmälern. Legst Du nämlich beide Geschlechter auf die Waagschale, wird kein Mann dem weibli¬ 
chen Geschlecht gleichkommcn. Willst Du dies aber nicht glauben und scheint Dir solches Urteil zu 
hart, steht mir nun ein ganz neuer Zeuge zur Seite, dies Büchlein nämlich 
Der Mann, der mit diesen Zeilen sein neuestes Werk anpries, zählte nicht nur wegen des 
offenbar gewöhnungsbedürftigen Inhalts des angekündigten Traktats zu den umstritten¬ 
sten Figuren des beginnenden 16. Jahrhunderts. Heinrich Agrippa von Nettesheim, Medi¬ 
ziner, Philosoph, Jurist und heute vor allem als Vorbildfigur für Goethes Faust noch be¬ 
kannt, schrieb seine Abhandlung De nobilitate et praecellentia foeminei sexus / Von Adel und 
Vorrang des weiblichen Geschlechts 1509 anlässlich seiner Anstellung an der Universität Dole. 
Er widmete das Büchlein, das auf Grund seiner turbulenten Lebensumstände erst zwanzig 
Jahre später im Druck erscheinen sollte, Margarethe von Österreich, einer Frau, die er ih¬ 
rer edlen Herkunft, ihres unbestechlichen und tugendhaften Charakters und ihrer unge¬ 
wöhnlichen Tatkraft wegen wortreich als strahlendes Vorbild an die Spitze zeitgenössi¬ 
scher Fürstinnen erhob, von der er sich als Landesherrin der Universität Dole jedoch 
vermudich vor allem handfeste Protektion und Förderung versprach.“ Ob Margarethe von 
Österreich für die überschwänglichen Schmeicheleien seiner Widmungsrede empfänglich 
war und ob sie - trotz ihres durchaus belegten Interesses an der Querelle des femmes — seine 
lateinisch geschriebene Abhandlung überhaupt zur Kenntnis nahm, ist nicht bekannt.1 
1 Heinrich Agrippa von Nettesheim: De nobilitate et praecellentia foeminei sexus / Von Adel und Vorrang des weibli¬ 
chen Geschlechts. Otto Schönberger (Hg.), Würzburg 1997, S. 29. - Die Vortragsform des folgenden Beitrags 
wurde beibehalten und für die Veröffentlichung lediglich um die bibliographischen Hinweise ergänzt. 
Der Erstdruck erschien 1529 in Antwerpen (VD 16, A 1178). Er enthält neben der an Margarethe gerich¬ 
teten Vorrede einen Widmungsbrief an Maximilianus Transsylvanus, der im Dienst ihres Vaters, Kaiser 
Maximilian, stand, später für Karl V. tätig war und ab 1523 verschiedentlich auch von Margarethe mit di¬ 
plomatischen Aufgaben betraut wurde. Zum biographischen und literarhistorischen Kontext der Ab¬ 
handlung siehe die Einleitung von Roland Antonioli in der kritischen Ausgabe: Henri Corneille Agrippa: 
De nobilitate et praecellentia foeminei sexus. Edition critique d’après le texte d’Anvers 1529 (Travaux d’humanisme et 
renaissance 243). Roland Antonioli (Hg.), Genève 1990, S. 7-42. 
3 Eine französische Übersetzung des Textes erschien 1530 anonym bei Martinus de Keysere in Antwerpen, 
noch im gleichen Jahr auch bei Jehan Pierre in Paris. Bereits nach der Inaugurationsvorlesung 1509 in 
Dole hatte ein Freund Agrippa nahegelegt, seine Lobrede für die Fürstin zum besseren Verständnis ins 
Französische zu übersetzen, siehe den Abdruck der entsprechenden Briefstelle bei Antonioli (wie 
Anm. 2), S. 11, Anm. 21. In Margarethes Bibliothek lassen sich bislang allerdings weder die lateinische 
noch die französische Fassung nachweisen. Siehe zur Rekonstruktion ihrer Buchbestände Debae, Mar¬ 
guerite: La Bibliothèque de Marguerite d’Autriche. Essai de Reconstitution d’après l’inventaire de 1523-1524, Lou¬ 
vain / Paris 1995. Das Interesse Margarethes an der Querelle des femmes belegen nicht nur eine Reihe von 
Büchern zu diesem Thema in ihrer Bibliothek, sondern auch der verlorene Wandteppich zur Cité des Da¬ 
mes Christines de Pizan sowie ihr Auftrag an den Autor jean Lemaire, eine Schrift mit dem Titel Palais 
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