Title:
Forschungsaufgabe Industriekultur
Creator:
Herrmann, Hans-Walter Hudemann, Rainer König, Alexander
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-156654
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-157772
behandeln. Die technischen Daten habe ich größtenteils Festschriften18 20 und 
Werkszeitschriften14 entnommen, deren Tendenz, das eigene Unternehmen als ein 
innovatives und erfolgreiches erscheinen zu lassen, bekannt und verständlich 
ist. Bei der Platzierung einzelner Anlagen und Produktionsmittel in Spitzenposi¬ 
tionen bin ich mir bewusst, dass solche Qualifizierungen mit quellenkritischem 
Vorbehalt aufzunehmen sind und im Vergleich mit anderen Unternehmen viel¬ 
leicht relativiert werden müssen. 
Roheisenproduktion 
Seit den frühen 1880er Jahren hatten die Saarhütten einen Teil ihrer Roheisen¬ 
produktion nach Lothringen in die Nähe der Erzfelder verlagert, die Dillinger 
Hütte hatte 1884 ihre Roheisenproduktion sogar gänzlich eingestellt. Zur 
Herstellung von Stahl musste das Roheisen von den lothringischen Hoch¬ 
ofenwerken per Eisenbahn in die Saarhütten transportiert und hier wieder ver¬ 
flüssigt werden. Um die Jahrhundertwende setzte eine rückläufige Tendenz ein, 
weil energiewirtschaftliche Überlegungen für die Roheisen- und Stahlproduk¬ 
tion an dem selben Ort sprachen. Inzwischen erworbene Erfahrungen in der 
Flussstahlverarbeitung ermöglichten, das aus dem Hochofenabstich gewonnene 
flüssige Eisen innerhalb des Werksgeländes zunächst zu einem Mischer zu trans¬ 
portieren und dann in Konverter umzugießen. Es liegt auf der Hand, dass so 
gegenüber dem Einschmelzen der aus den lothringischen Tochterwerken bezoge¬ 
nen Roheisenbarren Energie in erheblicher Menge eingespart werden konnte. 
Zugute kam dieser neuen Verarbeitungsart, dass man gelernt hatte, neben den 
Koksofengasen auch die Hochofengichtgase211 als Kraftquelle für Maschinen in 
fast allen Betrieben zu nutzen. Solche Überlegungen führten in Dillingen zur 
Errichtung eines neuen Hochofenwerks, dessen erster Ofen 1903-1905 erbaut 
wurde, 1910 waren vier Hochöfen in Dillingen in Betrieb, 1913 dann sechs,21 
18 Vgl. Anm. 3-8. 
19 Uffm Haiberg. Werkszeitung der Halbergerhiitte GmbH; Us Hütt. Werkszeitung der 
Dillinger Hüttenwerke; Du und dein Werk. Werkszeitung der Administration séquestre der 
Röchling'schen Eisen- u. Stahlwerke GmbH, Völklingen; später geänderter Titel: Der 
Völklinger Hüttenmann, hrsg. von der Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke GmbH; Der 
Hüttenmann. Werkszeitung Röchling-Burbach. 
20 Dies wurde erst möglich, als es gelang, die Gichtgase von den Staubteilchen aus der 
Beschickung der Hochöfen zu reinigen, zunächst auf trockenem Wege, indem man die Gase 
in eine Art Staubsack leitete, in welchem sich die schweren Staubteilchen absetzten. Auf 
der Haiberger Hütte ging man 1902 zur besseren Nassreinigung über, dabei wurde das 
Gichtgas auf einen auch für den Antrieb von Gasmaschinen erträglichen Staubgehalt 
gereinigt. 1911 wurde das auf der Hütte entwickelte Trockengasreinigungsverfahren "Beth- 
filter" eingeführt. Kloevekom (Anm. 6), S. 66. Einen ähnlichen Erfolg hatte das in Neunkir¬ 
chen ebenfalls vor dem Ersten Weltkrieg angewandte "Pfoser-Strack-Stumm-Verfahren" 
gezeigt. Dabei wurden Wärmeverluste durch die Verwendung von filtriertem Reingas und 
von Steinen mit größerer Heizfläche verringert. Frühauf (Anm. 5), S. 86. 
21 Van Ham (Anm. 4), S. 192. Hochofen II erbaut 1905, Gestelldurchmesser 3,5m, Raum¬ 
inhalt 415m3, 1919 auf 4,65m Durchmesser und Rauminhalt 465m3 erweitert, 1934 auf 5m 
GestelIdurchmesser und 498m3. H. Hoffmann, Hochofen II wieder angeblasen, in: Us Hütt 
111
        

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