Title:
"Grenzgänger"
Creator:
Schneider, Reinhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-226447
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-227921
Im Zusammenhang mit dem Symposiumsthema und mit dem Titel des vorliegenden 
Beitrags möchte ich zwei Thesen vorstellen und kurz begründen: 
1. Bisherige Delimitationsversuche der Grenzregionen sind wenig effektiv. Bei der 
Delimitation sollen unbedingt Naturbedingungen berücksichtigt werden. 
2, Die deutsch-polnische Grenze soll so lange Grenze der Europäischen Union blei¬ 
ben, bis Polen zur Vereinigung bereit ist. Die Grenzregionen können gute Unter¬ 
suchungsgebiete werden. 
Eine der wichtigen Aufgaben der polnischen Westgrenze in der Zeit, als Polen noch 
an die DDR grenzte, war - trotz ihrem Propagandanamen “Friedens- und Freund¬ 
schaftsgrenze” - die Trennung der beiden Staaten. Charakteristisch waren hier 
Schwierigkeiten mit der Grenzüberschreitung, zu wenig Grenzübergänge, Mangel an 
lokalen Transgrenzkontakten. Als einzige “Grenzregionen” galten dann die soge¬ 
nannten Grenzzonen (auf beiden Seiten) mit genau festgelegten Vorschriften, die 
dem Staatsgrenzenschutz dienten. Dadurch wurden strenge Aufenthaltsregeln in den 
Grenzgebieten bestimmt, die sowohl für Bürger eines der beiden Staaten als auch für 
Ausländer obligatorisch waren. Die Vorschriften bestimmten auch Möglichkeiten 
der Grenzwasserbenutzung, Entwicklung des touristischen Verkehrs und so weiter. 
Alle Investitionsentwürfe sollten mit entsprechenden Grenzschutzorganen bespro¬ 
chen werden. Die einige zehn Jahre dauernde Situation hat zur deutlichen ökonomi¬ 
schen Stagnation dieser Gebiete beigetragen. Wesentliche Veränderungen und eine 
Wirtschaftsbelebung folgten im polnisch-deutschen Grenzgebiet nach der Vereini¬ 
gung Deutschlands und nach dem Zerfall sozialistischer Staaten. Man begann dann 
mit Versuchen, Territorialgrenzen der polnisch-deutschen Transgrenzzusammenar¬ 
beit festzusetzen. Es wurden Kontakte zwischen den westlichen Wojewodschaften 
Polens und den östlichen Bundesländern Deutschlands aufgenommen, die als erste 
Symptome gegenseitiger Zusammenarbeit angesehen werden können. 
Obwohl die Annahme des angedeuteten territorialen Umfangs der Transgrenzregio¬ 
nen einige Vorteile, wie zum Beispiel genau bestimmte Grenze, Koordinationsmög¬ 
lichkeit lokaler Wirtschaftsentwicklungspläne und so weiter aufweist, überwiegen 
hier die Nachteile. Darunter sind unter anderem verschiedene Regionengrößen auf 
den beiden Grenzseiten und verschiedene Befugnisse der lokalen Behörden zu er¬ 
wähnen, Bei der Bestimmung der Grenze zwischen Wojewodschaften und Bundes¬ 
ländern wurde die Rolle der Transgrenzzusammenarbeit auf diesen Gebieten nicht 
berücksichtigt. Grenzen der administrativen Einheiten wurden bei der Bestimmung 
des Territorialumfangs der auf dem polnisch-deutschen Grenzland gegründeten Eu¬ 
roregionen genutzt. Trotz der Anfangsbegeistemng funktionieren die Euroregionen 
nicht völlig effektiv. Den größten Vorbehalt sieht man in ihrem Umfang, der der 
spontan entstehenden Transgrenzzusammenarbeit, der Plazierung der Grenzüber¬ 
gänge und so weiter nicht entspricht. Nicht alle schon vieljährigen Erfahrungen ande¬ 
rer Euroregionen lassen sich auf das Grenzgebiet Polen-Deutschland übertragen. Zur 
Gestaltung der Transgrenzregionen wurden natürlich auch andere Versuche unter¬ 
nommen. Es sollten zum Beispiel zwei auf beiden Seiten der Grenze parallel laufen¬ 
de Bodenstreifen abgesondert werden. Eine solche Idee hat unter anderen der Bran¬ 
denburger Ministerpräsident Stolpe vorgeschlagen. Der Stolpe-Plan setzte die Trans¬ 
grenzzusammenarbeit in einem Streifen in Breite von 40-50 km auf der deutschen 
und 75-100 km auf der polnischen Seite voraus. Gemeinsame Investitionen in diesem 
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