Title:
Grenzen und Grenzregionen
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-108918
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-109285
In der 'Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft' von Pauly- 
Wissowa sind an Ortsbezeichnungen 13 ad fines und 12 fines aufgeftihrt. Im FEW 
(3, Sp. 561b) verzeichnet von Wartburg: aff., fr. fins "frontières, limites, territoire 
(d'une ville)" (13. Jh. - Mon 1636, noch Pom 1700) mit der Anmerkung: "fast 
immer Plural". Ende des 14. Jahrhunderts wird fins als Grenzbezeichnung einer 
baronnie verwendet; Gdf 4,6a: "dedens les fins et les mettes de la dicte baronnie" 
(Mem. de dom Sim. Dubosc. ab. de Jumieg). In seiner Chronik fur das Jahr 1521 
beschreibt Belleforests die Grenze zwischen France und Allemagne mit folgenden 
Worten: "En ce temps la, du grand Luther, fils de Pluton infernal, les disciples et 
ministres par naombre infiny descendirent des hautes fins des Allemagnes." (ib.) 
Dialektal lebt finis in nord- und vor allem in ostfranzösischen Dialekten weiter: 
bmanç. fe m.pl. "confins, limite" (FEW 2, Sp. 561b), Meuse fin "limites d'une 
contrée" ib. Die Ableitung h. finage "territoire que limite une juridiction" existiert 
seit 1231, verschwindet aber mit der Revolution aus der amtlichen Terminologie. 
Im Kommentar zu finis vermerkt Wartburg (ib. Sp. 567b): "In Südfrankreich ist 
diese Gruppe unbekannt; sie findet sich aber wiederum im ait. fini (heute meist 
confini)." Diese Angabe muß insofern modifiziert werden, als mlat. firnes 
"Begrenzung eines Grundstückes" in einer Originalurkunde aus dem Jahre 1022 
für die Auvergne (Zimmermann, S. 21) bezeugt ist. 
Im Altitalienischen sind ymes-Formen selten, kommen aber vom ältesten Ita¬ 
lienisch bis ins 16. Jahrhundert vor: 963 Placito di Sessa Aurunca: "Sao cco keile 
terre per keile fini que tebe monstrai, Pergoaldi foro". Hier handelt es sich um 
Grundstücksgrenzen, während im folgenden Beispiel von Tasso im 16. 
Jahrhundert die territoriale Grenze zwischen Judäa und dem Königreich Ägypten 
gemeint ist: "Gaza è città de la Giudea nel fine ... Del re d'Egitto è la città 
frontiera." Auch im Letztbeleg bei Vendramin 1589 handelt es sich um die 
politische Grenze zwischen der Eidgenossenschaft und dem Herzogtum Mailand: 
"Pare che questi romori tra Svizzeri e il signor Duca, siano nei finì dei suoi Stati." 
Halten wir fest, daß sowohl altitalienisches fini (f. und m.) wie auch dialektal 
französische Ableitungen von finis neben der politischen Grenzbezeichnung auch 
Grundstücksgrenzen bezeichnen können: bourg, chemin finerot "chemin qui 
marque les limites de séparation, chemin large de six pieds" (14. - 18. Jh., FEW 3, 
Sp. 561) und Montana defin "limite entre deux champs" (ib). 
2. it confine " Grenze "/ni lat. confinium "Grenzgebiet" 
Gut bezeugt ist im Italienischen die präfigierte Form confine m. "linea che 
circoscrive una proprietà immobiliare o il territorio d'uno stato o d'una regione". 
Im Florentiner Erstbeleg aus dem Jahre 1269 handelt es sich um 
Grundstücksgrenzen: "questi sono i cho[n]fini del'atro pezo" (Prosa Origini 
Castellani, Sp. 236, Zeile 166). Bereits seit Dante bezeichnet confine die politische 
Grenze; Paradiso 16,54:" "e al Galluzzo / e a Trespiano aver vostro confine." Es 
handelt sich um die Grenze des Florentiner Stadtgebietes: "und daß dann euer 
Stadtgebiet sich nur noch erstreckte bis Galluzzo und Trespiano". Confinis ist 
besonders vital im Grenzgebiet zwischen Trentino und Südtirol, wie dies die 
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