Title:
Grenzen und Grenzregionen
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-108918
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-110788
In der 'contentio de finibus comitorum Pustrissa et Norivalle' 1004 unter Bischof 
Albuin heißt es: 
"Ex Petra quae nomen habet Marchstein et inde in fossam quae distinguit utrumque comitatum et inde supra 
fluviiun Pirram, inde ex alia parte fluvii de Hahhilstein usque super iugum Aeline et inde usque ad Spiz 
Aelinae montis ubi adtingit in fluvium Ghaidrae...usque in Pochespach...usque in Petram siccam...ad Petram 
Vanna illud iugum usque in Buipiglaja...ad montem Lanagam...in montem Aurinam ubi finem habet Co- 
mitatus de Pustrissa." 
Das linke Ufer der Gader (zwischen Ellen/Rina - Kampill/Lungiarü) um St. Martin 
de Tor war Brixner Gerechtigkeit, und auch Kolfuschg gehörte zu Layen bzw. 
Groden, gravitierte also zum Eisack. Enneberg/Mareo war Gericht der Sonnenburg 
mit Wengen, Abtei, St. Kassian, einst auch mit Corvara und Fodom; Wälder und 
Weiden reichten bis zum Pragser See. 
Sprachlich setzt sich Enneberg (Pli, Al Plan) sehr deutlich ab vom übrigen Gader- 
tal, wie schon H. Kuen darlegte32. Ausschlaggebend dürften dabei die Pfarreigren¬ 
zen gewesen sein. Aber auch das alte Pustertaler Romanische ist vermutlich in ei¬ 
nigen Besonderheiten (mehr erhaltene unbetonte Auslautvokale neben -a, häufige¬ 
res r < l, v fallt) festzustellen, die ebenso in Welschellen und besonders dann am 
Boite auffallen (Ampezzo restituiert viele -o, auch "falsche")33. 
Die Stufenlandschaft von St. Martin über Wengen, Abtei, Stern bis Corvara teilt 
den Umlaut mit Gröden (ciare/ciale vs. baie/baiä), das obere Gadertal auch die 
starke Reduktion im Nachton (vos > se, sa; ne - nia vs. no etc.). Diese Erschei¬ 
nungen müssen älter sein als die eigenwillige Differenzierung von maskuliner vs. 
femininer Nominalphrase, die Gröden mit dem oberen Fassatal verbindet: / gran 
ödl - i gragn ödli vs. la buna urädla - la buna urädles etc.; Ampezzo verstärkt 
diese Entwicklung noch (amp. la foia verdes vs. gröd. la fueies verdes), was auf 
ein Randgebiet und auf einen gemeinsamen Anstoß hinweist, den das dazwischen 
liegende Fodom nicht hatte. Er kam m. E. vom deutschen Adstrat (die schlacke 
Hont - die schlacke Henf). 
Eine ähnliche Stufenlandschaft finden wir am Cordevole im Buchenstein/Fodom, 
wo die venedischen Einflüsse talauswärts stark zunehmen34 und etwa Colle Sta. 
Lucia schon einen eher hybriden Sprachcharakter zuweisen. Die Auslautkonso¬ 
nanten werden spärlich und das -s ist weitgehend eliminiert im Gegensatz zu 
Sprachzeugnissen aus früheren Jahrhunderten35. Weniger ausgeprägt ist dieser 
südliche Einfluß am Avisio, wo sich gerade im ladinischen Grenzort Moena sehr 
deutliche Grenzversteifungen aufdrängen (vöa, da nöf vs. veia, da nef; i laores, 
32 Vgl. L. Craffonara in: Studiert zur romanischen Wortgeschichte (Festschrift Kuen), Stuttgart 1989, S. 
48-61, bes.S. 52. 
Vgl. C. Battisti, "La posizione dialettale di Cortina d'Ampezzo", in: Dizionario toponomastico atesino 
III/3 (1947), S. 1-45-, sowie ebd, III/2 (1940), S. 265ff. 
34 Dazu mehrfach G. B. Pellegrini, etwa in: Schizzo fonetico dei dialetti agordini, Venezia 1955. 
35 Vgl. G. Plangg, in: Zeitschrift fùr romanische Philologie 101 (1985 ), S.90 ff. 
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