Title:
Grenzen und Grenzregionen
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-108918
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-109045
Quellen stehen. Reichhaltige Quellenzeugnisse lassen auch eine Dokumentation 
der Geschichte des nordhumbrischen Grenzraumes zwischen Angelsachsen und 
Schotten zu: Geoffrey W. S. Barrow (Edinburgh), einer der besten britischen Ken¬ 
ner der Problematik, behandelte "growth and structure" dieses Grenzraumes wäh¬ 
rend des Mittelalters nach sprachlichen, siedlungsgeschichtlichen und politisch¬ 
historischen Gesichtspunkten. Ein wichtiges Ergebnis all dieser Beiträge ist, daß 
sich lineare Grenzen, wenn sie sich überhaupt entwickelten, in diesen Fällen aus 
dispersen, aus nichtlinearen Strukturen heraus entfalteten. 
Eine letzte Gruppe von Vorträgen befaßte sich intensiv mit den Wirkungen von 
politischen Grenzen auf psychosozialem, wirtschaftlichem, kulturellem und litera¬ 
rischem Gebiet und mit den Möglichkeiten ihrer Überwindung: Der Geograph und 
Psychologe Heiko Riedel (Saarbrücken) untersuchte mit sozialwissenschaftlich¬ 
empirischen Methoden "die räumliche Wahrnehmung einer Staatsgrenze am Bei¬ 
spiel des saarländisch-lothringischen Grenzraums". Der Historiker Rolf Witten¬ 
brock (Saarbrücken) handelte von der in Straßburg, Metz, aber auch in kleineren 
Städten ins Auge fallenden unterschiedlichen, je relativ zum politischen Gesche¬ 
hen und zum jeweiligen Grenzverlauf sich entfaltenden, dennoch aber auch über 
die Grenzen hinwegwirkenden Stadtentwicklung im Bereich des 1871 dem Deut¬ 
schen Reich eingegliederten Reichslandes Elsaß-Lothringen. Neue Quellen und 
wohl auf seine Art mit dem Ansatz des Geographen Riedel zur Wahrnehmung der 
Grenzen Vergleichbares bot Gerhard Schmidt-Henkel (Saarbrücken) in seinem 
Vortrag "Grenzen in der Literatur. Methoden und Motive der Dissimilation und 
der Assimilation". Grenze spiegelt sich nicht nur in der (künstlerisch nicht immer 
erstrangigen) Literatur eines Grenzraumes, sondern auch und vielleicht oft noch 
deutlicher in der Literatur der Grenzgänger (wie Uwe Johnson), welche die psychi¬ 
sche Realität der Grenze in Worte gefaßt und ins Bewußtsein gehoben haben. 
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